Papst gesteht Fehler ein

Franziskus will Missbrauchstäter nicht mehr begnadigen

Rom (DT/KNA) Papst Franziskus hat eingeräumt, dass er sich zu Beginn seiner Amtszeit bei der Begnadigung eines Priesters nach sexuellem Missbrauch geirrt habe. Das werde er nie wieder tun, sagte der Papst laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung „L'Avvenire“ (Freitag). Die Äußerungen des Papstes fielen am Vortag bei einer Begegnung mit Mitgliedern der vatikanischen Kinderschutzkommission. Sie wurden von den offiziellen vatikanischen Medien zunächst nicht veröffentlicht. Die Zeitung „L'Osservatore Romano“ (Freitag) berichtet lediglich, der Papst habe den Anwesenden zu einem offiziell verbreiteten Redetext auch „einige Überlegungen ohne Manuskript vorgetragen“.

Franziskus erklärte laut „Avvenire“, er habe seinerzeit das Gnadengesuch eines des Missbrauchs überführten Priesters im Bistum Crema angenommen und sich für eine „milde“ Variante entschieden. Später sei der von ihm teilweise begnadigte Priester rückfällig geworden. Daraus habe er gelernt, betonte der Papst. „Es war das einzige Mal, dass ich das gemacht habe, danach nie wieder!“ Franziskus erklärte, inzwischen habe er verstanden, dass Pädophilie eine schreckliche Krankheit sei. „Ich habe von Kardinal O'Malley gelernt, ich habe von den Opfern gelernt, denen ich begegnet bin“, erklärte der Papst. Daher werde er nie wieder einen Priester begnadigen, der entsprechende Straftaten begangen hat.

Mit seinen Äußerungen brachte der Papst persönlich mehr Licht in ein dunkles Kapitel aus der Frühzeit seines Pontifikats. 2014 hatte er ein Urteil des Diözesanbischofs von Crema gegen den Priester Mauro Inzoli abgemildert. Statt das Priesteramt aufzugeben, musste der für seinen Hang zu Luxus bekannte Geistliche ein zurückgezogenes Leben in Gebet und Buße führen und eine Psychotherapie antreten.

Italienische Medien berichteten damals, der Papst habe sich mit seinem barmherzigen Urteil auch über eine gegenteilige Empfehlung der Römischen Glaubenskongregation hinweggesetzt. Noch 2012 hatte die Glaubenskongregation Inzoli zur Entlassung aus dem Priesterstand verurteilt. Papst Franziskus selbst hat 2016 durch das Motu proprio „Come una madre amorevole“ festgelegt, dass Kirchenobere ihres Amtes enthoben werden können, wenn sie in schwerwiegender Weise ihre Sorgfaltspflicht bei der Verfolgung von Missbrauchstätern verletzt haben und in der Folge weiteren Opfern neuer Schaden zugefügt wurde. Im Fall Inzoli hielt sich der vom Papst teilweise begnadigte Priester nicht an die ihm gemachten Auflagen.

Die Strafverteidiger des von Papst Franziskus 2014 zunächst teilweise begnadigten Missbrauchstäters, der Priester war, widersprachen unterdessen am Freitag der Darstellung des Papstes, wonach ihr Mandant nach seiner kirchlichen Teilbegnadigung 2014 rückfällig geworden und dies der Grund für die erneute kirchliche Bestrafung gewesen sei. Der Lokalzeitung „Cremona Oggi“ (Onlineausgabe) sagten die Anwälte Nerio Dioda und Corrado Limentani, der mittlerweile aus dem Priesterstand entlassene Mauro Inzoli habe damals keine neuen Straftaten begangen. Hier sei der Papst offenbar „schlecht informiert“.

Tatsächlich sei die zweite Laisierung erfolgt, nachdem der Vatikan 2016 die Akten des weltlichen Strafgerichtsprozesses zur Kenntnis genommen habe. Die Missbrauchsfälle selbst ereigneten sich demnach zwischen 2004 und 2008. Im Sommer 2016 hatte ein Strafgericht in Cremona Inzoli in erster Instanz wegen sexuellen Missbrauchs an Burschen im Alter von 12 bis 16 Jahren zu einer Strafe von vier Jahren, sieben Monaten und zehn Tagen verurteilt. In der Berufungsverhandlung verkürzte ein Gericht in Brescia die Strafe später um 50 Tage.