Papst erlaubt offizielle Wallfahrten nach Medjugorje

Pastorale Entscheidung über Pilgerwesen soll kein Urteil über Marienerscheinungen darstellen. Von Guido Horst

Wallfahrten ins bosnische Medjugorje sind nun offiziell erlaubt. Foto: KNA

Pilgerreisen nach Medjugorje können nun auch ganz offiziell stattfinden. Diese Entscheidung von Papst Franziskus haben am vergangenen Sonntag der Apostolische Visitator für Medjugorje, der polnische Erzbischof Henryk Hoser, und der Apostolische Nuntius in Bosnien-Herzegowina, Erzbischof Luigi Pezzuto, bei einer Messfeier in dem Wallfahrtsort bekannt geben. Dabei handelt es sich nicht um eine Anerkennung der Echtheit der Marienerscheinungen, mit denen Medjugorje ab 1981 bekannt und zu einem Magnet für Pilgernde und Marienverehrer aus aller Welt geworden ist, sondern um eine pastorale Entscheidung. Diese solle eine bessere Begleitung der Besucher des Heiligtums ermöglichen.

Das bestätigten sowohl die Erzbischöfe Hoser und Pezzuto als auch Vatikansprecher Alessandro Gisotti in Rom. Der Chefredakteur der Vatikanmedien, Andrea Tornielli, veröffentlichte einen Leitartikel für „Vatican News“, in dem es hieß, es sei eine Tatsache, „dass in diesen Jahren Millionen von Gläubigen in Medjugorje eine erhebliche Erfahrung des Glaubens gemacht haben, wie es die langen Schlangen vor den Beichtstühlen zeigen sowie die eucharistischen Anbetungen in der großen Pfarrkirche, ohne dass auch nur ein Quadratmeter von knienden Gläubigen frei bleibt“.

Nach einer Entscheidung der Glaubenskongregation aus dem Jahr 1991 waren bisher nur Privatreisen nach Medjugorje erlaubt. Geistliche Pilgerfahrten in den Wallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina seien nur gestattet, wenn sie nicht das Ziel hätten, die Echtheit der von dort berichteten Marienerscheinungen zu bestätigen, denn, so hieß es in dem Urteil der Glaubenskongregation von damals weiter, es sei aufgrund der bisher angestellten Untersuchungen nicht möglich „zu sagen, dass es sich um übernatürliche Erscheinungen oder Offenbarungen handelt“. Bei dieser Entscheidung blieb es auch, nachdem zunächst 2006 und dann 2010 vatikanische Untersuchungskommissionen sich mit den Visionen der Seher von Medjugorje befasst hatten. Letztere, die von dem italienischen Kardinal Camillo Ruini geleitet wurde, schloss ihre Arbeit im Jahr 2014 ab.

Im Herbst 2013 untersagte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, auch Laien die Teilnahme von Wallfahrten nach Medjugorje, bei denen man von der Glaubwürdigkeit der behaupteten Marienerscheinungen ausginge. Aus Kreisen der Ruini-Kommission sickerte im Mai 2017 durch, dass man die ersten sieben der angeblichen Erscheinungen vom 24. Juni bis 3. Juli 1981 skeptisch sehe, diese müssten weiter auf ihre Echtheit überprüft werden. Noch kritischer sehe man zudem die späteren Erscheinungen. Gleichwohl enthielt der Ruini-Bericht die Empfehlung, das Verbot von Wallfahrten nach Medjugorje aufzuheben, womit man aber auf Widerspruch in der Glaubenskongregation stieß. Papst Franziskus gab bis zu diesem Augenblick keine Entscheidung bekannt, hatte aber bereits im Februar 2017 den Bischof von Warschau-Praga zu seinem Sondergesandten für Medjugorje ernannt. Dieser visitierte die seelsorgliche Betreuung der Pilger an dem Wallfahrtsort und wurde schließlich im Mai 2018 von Papst Franziskus als direkt dem Vatikan unterstellter Erzbischof zum Apostolischen Visitator für Medjugorje ernannt.

Der Papst, dem auch kritische Bemerkungen über die Echtheit der Marienerscheinungen zugesprochen werden, wollte jetzt die pastorale Situation an dem Wallfahrtsort klären. Mit der offiziellen Erlaubnis, dorthin Pilgerreisen unternehmen zu können, ist nicht die Anerkennung der Echtheit der Marienvisionen verbunden. Bevor sich die Kirche mit einem definitiven Urteil äußert, müssen diese abgeschlossen sein. Drei der mittlerweile erwachsenen sechs Seher versichern, noch heute täglich zur gleichen Stunde und unabhängig von ihrem Aufenthaltsort Erscheinungen der „Gospa“, der „Friedenskönigin“, zu erleben. Die übrigen drei berichten von selteneren Erscheinungen. In seinem Leitartikel für „Vatican News“ verwies jetzt Chefredakteur Tornielli auf die positive Bewertung der Volksfrömmigkeit durch Franziskus in seinem programmatischen Schreiben „Evangelii gaudium“ aus dem Jahr 2013. Und Tornielli zitierte eine frühere Interview-Aussage von Franziskus: „Ich glaube, dass in Medjugorje Gnade ist. Das lässt sich nicht leugnen. Es gibt Menschen, die sich bekehren.“ Ohne sich zur Echtheit der Erscheinungen zu äußern, wolle Franziskus sich um die Pilger dort kümmern, schreibt Tornielli.