Papst an Landlose: Kämpft gegen Ungleichheit

Vatikanstadt (DT/KNA) Papst Franziskus hat vor Kleinbauern und Landlosen aus der ganzen Welt Armut und ungerechte Güterverteilung in Entwicklungsgebieten angeprangert. In einer langen Rede verurteilte er am Dienstag im Vatikan außerdem „heuchlerische“ Initiativen, die den Armen Hilfe nur vorgaukelten, sie aber in Wirklichkeit ruhigstellen sollten. „Land, Arbeit, ein eigenes Heim – seltsam, wenn ich darüber spreche, ist der Papst für manche ein Kommunist“, sagte er vor den Vertretern sozialer Basisorganisationen, die zu einem von Franziskus angeregten „Welttreffen der Volksbewegungen“ nach Rom gekommen sind, darunter insbesondere Aktivisten aus Lateinamerika. Die Herrschaft des Geldes habe dazu geführt, dass die Reichtümer der Erde heute in den Händen weniger konzentriert seien, so der Papst weiter. Er ermutigte die Basisorganisationen, sich gegen soziale Ungerechtigkeit aufzulehnen und die strukturellen Ursachen der weltweiten Armut nicht einfach hinzunehmen. „Macht weiter mit eurem Kampf, damit tut ihr allen Gutes.“ Die Ausgebeuteten und Betrogenen dürften nicht einfach passiv auf Hilfe von außen warten, etwa von Nichtregierungsorganisationen. Franziskus warnte aber auch vor ideologischen Irrwegen, denen er die Soziallehre der katholischen Kirche gegenüberstellte. Sie gehe davon aus, dass die Liebe zu den Armen im Zentrum des Evangeliums stehe. Sie wollten selbst Gestalter ihres Lebens sein, sich organisieren und solidarisch für die Verbesserung ihrer Lebensumstände kämpfen, weil der Rest der Gesellschaft sie häufig vergesse. Die Teilnehmer in der Großen Audienzhalle rief er dazu auf, sich nicht von Scheinstrategien blenden zu lassen, die Armut nur eindämmen sollten, um die betroffenen Massen ruhigzustellen. Oft versteckten sich hinter Maßnahmen gegen die Armut lediglich egoistische Interessen. Deren Initiatoren seien nach einem Wort Jesu nur als Heuchler zu bezeichnen. „Sagen wir es gemeinsam aus tiefster Überzeugung“, so der Papst zu den Aktivisten: „keine Familie ohne Dach über dem Kopf, kein Bauer ohne Land, kein Arbeiter ohne Rechte, kein Mensch ohne die Würde der Arbeit“. Das vom päpstlichen Friedensrat organisierte „Welttreffen der Volksbewegungen“ dauert seit Montag und endete am Mittwoch. Neben den Themen Landlosigkeit und bäuerliche Armut geht es dabei auch um andere prekäre Arbeitsverhältnisse, Migranten und die Ausbeutung von Jugendlichen in Entwicklungsländern. Einer der Hauptredner ist der linksgerichtete bolivianische Präsident Evo Morales. Am Dienstagabend hat ihn Franziskus zu einem privaten Gespräch empfangen.