Papst: Kurie soll barmherzig sein

Am Fest Kathedra Petri feiert Franziskus das Heilige Jahr mit dem Vatikan – „Seid eine Dienstgemeinschaft“. Von Armin Schwibach

Es war die vierte große Ansprache von Franziskus an das „Personal“ des Vatikans. Foto: KNA
Es war die vierte große Ansprache von Franziskus an das „Personal“ des Vatikans. Foto: KNA

Rom (DT) Papst Franziskus hat am Montagvormittag das Heilige Jahr mit der römischen Kurie, dem Governatorat und allen Einrichtungen, die mit dem Heiligen Stuhl verbunden sind, gefeiert. Bei einem Gottesdienst im Petersdom rief er das Personal der römischen Kurie dazu auf, „Mitarbeiter Gottes“ und „gute Hirten“ zu sein und sich als „Dienstgemeinschaft“ zu verstehen. Auch in ihrem Arbeitsumfeld müsse immer ein starkes seelsorgerisches Gespür vorhanden sein, so der Papst.

Franziskus und die römische Kurie – das ist ein ganz eigenes Kapitel der Geschichte dieses Pontifikats, das in besonderer Weise in den bisher drei Weihnachtsansprachen öffentlich geworden ist. Hob der Papst 2013 noch zwei wichtige und voneinander untrennbare Aspekte der Kurienarbeit hervor – Professionalität und Dienst mit dem Vorbild des heiligen Josefs –, konzentrierte sich Franziskus dann im darauffolgenden Jahr auf die „Pathologien“ der Kurie und stellte einen „Katalog von fünfzehn Kurienkrankheiten“ auf. Im Jahr 2015 folgte dann das Verzeichnis der „kurialen Antibiotika“: ein unerschöpflicher „Katalog der notwendigen Tugenden“ für die, welche in der Kurie Dienst tun. Nicht weniger als 24 dieser Tugenden legte der Papst seinen Mitarbeitern ans Herz.

Franziskus und die Kurie – ein gespanntes Verhältnis, insofern dem Papst Bürokratie und Formalismen fremd sind und er vor allem von den Medien als „Reformpapst“ präsentiert wurde und wird, der einem von vielen als „alt“ präsentierten Organismus wie der Kurie seine Erneuerung aufprägen soll. Umso wichtiger war das „Jubiläum der Römischen Kurie“ im außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit am Fest der Kathedra Petri.

Alle Mitarbeiter der Kurie hatten sich am Morgen in der Audienzaula „Paolo VI“ versammelt, um dann in einer langen Prozession von Tausenden von Menschen – Laien, Ordensleute und Priester – über den Petersplatz durch die Heilige Pforte zu ziehen und in der Basilika zusammen mit dem Nachfolger Petri die heilige Messe zu feiern. Der Papst pilgerte zusammen mit allen anderen in die Grabeskirche des Apostelfürsten. „Lassen wir es zu, dass der Herr uns von jeder Versuchung befreie, die vom Wesentlichen unserer Sendung entfernt, und dass wir die Schönheit wiederentdecken, den Glauben an Jesus, den Herrn, zu bekennen“: Mit diesem Aufruf wandte sich der Papst in seiner Predigt zum Festgottesdienst an die Anwesenden und unterstrich, dass Christus in diesem Augenblick seine Frage an die Jünger wiederhole: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15). Dies sei eine Frage, der man nicht entgehen und angesichts der man nicht neutral bleiben oder sie an einen anderen delegieren könne. Dabei handle es sich um keine inquisitorische Frage, sondern um eine Frage voller Liebe, der Liebe des einzigen Meisters. Der erste, der berufen sei, sein Glaubensbekenntnis zu erneuern, sei der Nachfolger Petri, der die Verantwortung trage, die Brüder und Schwestern zu stärken.

Der Papst rief dazu auf, sich die Worte Petri zu eigen zu machen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (V. 16). Denken und Blick müssten fest auf Jesus Christus gerichtet sein, „Anfang und Ende alles Wirkens der Kirche“. Er sei das Fundament, ein anderes könne nicht gelegt werden. Christus sei der Fels, auf dem wir bauen müssten, wie dies der heilige Augustinus in Erinnerung rufe (In: Iohannis Evangelium 124,5): In dieser Welt werde die Kirche „durch Versuchungen wie durch Regengüsse, Fluten und Stürme erschüttert“, aber sie falle nicht, „weil sie auf die Petra [Fels] gegründet ist, wovon Petrus den Namen erhalten hat. Denn nicht von Petrus hat die Petra, sondern Petrus von der Petra den Namen erhalten, wie Christus nicht von Christ, sondern Christ von Christus.“ Auf diesem Fundament „ist auch Petrus selbst erbaut. Denn ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist, welches ist Christus Jesus.“

Aus diesem Glaubensbekenntnis ergebe sich die Aufgabe für einen jeden Einzelnen, dem Ruf Gottes zu entsprechen. Vor allem von den Hirten werde gefordert, Gott selbst als Vorbild zu nehmen, der sich seiner Herde annehme, das verlorene Schaf zurückführe und das kranke heile: ein Verhalten, das Zeichen der Liebe sei, die keine Grenzen kenne. Die Hirten müssten sich vom Antlitz des Guten Hirten erleuchten, läutern und verwandeln lassen, um erneuert ihre Sendung wieder aufnehmen zu können. Franziskus rief dazu auf, auch im Umfeld der Arbeit einen starken pastoralen Sinn zu spüren, zu pflegen und zu praktizieren. Niemand solle sich vernachlässigt oder schlecht behandelt fühlen, sondern vor allem die Fürsorge des Guten Hirten erfahren.

Die Treue zum Dienst müsse sich mit der Barmherzigkeit verbinden. Treue und Barmherzigkeit seien in der Heiligen Schrift untrennbar miteinander verbunden, sie ergänzten einander, ließen eine Gegenseitigkeit erkennen und die Gegenwart des Guten Hirten sehen. Die eingeforderte Treue bestehe darin, nach dem Herzen Jesu zu handeln: „Wie wir in den Worten des Apostels Petrus gehört haben, sollen wir freiwillig als Hirten für die uns anvertraute Herde sorgen und Vorbild für alle werden: ,Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen‘“ (1 Petr 5,4).