Papst-Interviewbuch wird in Rom vorgestellt

„Licht der Welt“ erscheint in acht Sprachen

Rom/Düsseldorf (DT/KAP) Das im vergangenen Juli in Castel Gandolfo entstandene Interviewbuch „Licht der Welt“ von Papst Benedikt XVI. erscheint am 23. November gleichzeitig in acht Sprachen. Unter anderen sind die Verlage „Libreria Editrice Vaticana“, „Herder“ (Deutschland), „Ignatius Press“ (USA) und „Bayard“ (Frankreich) involviert. Interviewt worden war der Papst vom früheren „Spiegel“-Journalisten Peter Seewald.

Der Präsident des neu gegründeten Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, stellt am kommenden Dienstag in Rom das Interview-Buch vor. Wie das Presseamt des Heiligen Stuhls mitteilte, wird auch Seewald während der Pressekonferenz anwesend sein. Neben Fisichella wird der italienische Journalist Luigi Accattoli, langjähriger Vatikan-Korrespondent der Tageszeitung „Corriere della Sera“, das Werk vorstellen.

Seewald hatte Benedikt XVI. im Juli in dessen Sommerresidenz Castel Gandolfo getroffen und ihn sechs Tage hintereinander, jeweils für eine Stunde, interviewt. Entstanden ist daraus der Interviewband „Licht der Welt“.

In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ sagte Seewald am Dienstag, der Papst zeige sich in den Interviews über die Größenordnung des Missbrauchsskandals schockiert. Es habe ihn „bis ins Innerste erschüttert“ und tue es noch immer. „Dieser Missbrauch ist auch ein Missbrauch des Glaubens. Millionen von Gläubigen sind erschüttert. Priester und Ordensleute haben höhere Weihen, sie haben auch eine höhere Verpflichtung“, so Seewald.

Der Papst sehe die Kirche in einer Krise, unterstrich der deutsche Journalist: „Er bekennt sich wie kein anderer zu den Versäumnissen, Fehlern und Sünden dieser Kirche. Aber er sagt auch: Wenn man sieht, was Menschen, was Kleriker alles in der Kirche gemacht haben, dann ist das geradezu ein Beweis dafür, dass ein Größerer, Christus selbst, diese Kirche hält. Wenn sie nur von den Menschen abhinge, wäre sie längst zugrunde gegangen. Von seiner Kirche will der heutige Papst, dass sie sich nach den schrecklichen Missbrauchsfällen und Verirrungen einer Art Grundreinigung unterzieht.“

Nach Angaben der italienischen Zeitung „Il Foglio“ bereut Benedikt XVI. gegenüber Seewald sein islamkritisches Zitat der Regensburger Rede vom 12. September 2006. Benedikt ziehe Seewald zufolge die Äußerungen nicht zurück, räume aber ein, die Wirkung seiner Worte unterschätzt zu haben. Er habe seinen Text als „vorrangig wissenschaftlich“ angesehen, und ihm sei zu der Zeit auch nicht gänzlich klar gewesen, dass die Rede eines Papstes letztlich immer auch politisch verstanden werde, so zitiert das Blatt in einem ganzseitigen Artikel den Autor Seewald. Der Papst äußert sich laut dem Magazin „Panorama“ darüber hinaus offen zu Themen wie Pädophilie, Islam, Scheidung, verheiratete Priester, Verhütung und Kirchenreform.