„Option für die Armen“

Podiumsdiskussion mit Glaubenspräfekt und Kardinal Maradiaga sowie Buchvorstellung in Rom

Rom (DT/KAP) Die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Oscar Rodriguez Maradiaga sowie die Ordensmänner Gustavo Gutierrez OP, Gründer der Befreiungstheologie, und Federico Lombardi SJ, Sprecher des Vatikan, haben am Dienstagabend bei einer stark besuchten Podiumsdiskussion in Rom die Notwendigkeit einer profunden Reflexion der für die Kirche des „Südens“ zentralen „Option für die Armen“ betont. Müller, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation ist, prangerte eine „Diktatur einer Wirtschaft ohne menschliches Ziel“ an. Gegenüber der heute herrschenden ökonomischen Ordnung verlange das Evangelium eine kompromisslose Nähe und Solidarität mit den Armen, sagte der neue Kardinal bei dem Podiumsgespräch.

In der Zuwendung zu den Armen liege die eigentliche Schönheit des katholischen Glaubens. Anlass der medial viel beachteten Veranstaltung, bei der Müller – er war jahrelang abwechselnd in Deutschland und Peru tätig – einen peruanischen Indio-Poncho trug, war die Präsentation des neuen Buchs des Glaubenspräfekten. Es trägt den Titel „Povera per i poveri. La missione della Chiesa“ (Arm für die Armen – Die Mission der Kirche“). Das Vorwort zu dem Werk verfasste Papst Franziskus.

Weitere Beiträge stammen vom Dominikaner Gustavo Gutierrez, einem Freund Müllers, sowie dem früheren Hauptgeschäftsführer des deutschen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer. Gutierrez sagte bei der Präsentation, die Theologie müsse immer nahe am täglichen Leben der Kirche sein und aus einer lebendigen Kirche heraus geboren werden. Als Kernfrage habe Jesus den Menschen im Gleichnis vom barmherzigen Samariter die Frage hinterlassen: „Wer ist mein Nächster?“

Die Provokation Jesu sei, dass er keine klare Rangordnung von Nähe vorgebe. „Es ist kein vorgegebenes Faktum, es ist vielmehr eine Bewegung des Herzens.“ Der Nächste sei derjenige, der „seinen üblichen Weg verlässt und Nachbar dessen wird, der fern ist“. Der Samariter helfe, ohne zu wissen, ob der Verwundete „ein guter Mensch oder ein böser“ sei, so Gutierrez.

Anlässlich der Buchvorstellung dankte auch der honduranische Kardinal Rodriguez Maradiaga dem Präfekten der Glaubenskongregation für seine Ausführungen zur Aufgabe der Kirche. „Die Kirche hat zweifellos eine Mission zur Befreiung“, so Maradiaga. Auf deutsch erscheint Müllers Buch im Münchner Kösel-Verlag am 22. April unter dem Titel „Armut. Die Herausforderung für den Glauben“. Es bietet unter anderem bisher unveröffentlichte persönliche Erfahrungsberichte des früheren Theologieprofessors und Regensburger Bischofs von mehreren Aufenthalten in Südamerika. Müller war von 1988 bis 2002 jeden Sommer in Lateinamerika. Seit Sommer 2012 ist der gebürtige Mainzer Präfekt der Römischen Glaubenskongregation und damit ranghöchster deutscher Mitarbeiter der Kurie.