Opferverein: Bewährung problematisch

München (DT/KNA) Der Verein Ettaler Missbrauchs- und Misshandlungsopfer hält die vom Landgericht München II dem geständigen Pater G. zugesagte Bewährungsstrafe für problematisch. Aus Sicht von Missbrauchsopfern sei es keine Strafe, „wenn jemand nicht einmal eine Woche ins Gefängnis muss“, sagte der Vereinsvorsitzende Robert Köhler am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in München. Eine solche Sanktion werde dem „Vergeltungsbedürfnis der Opfer“ nicht gerecht. Zugleich würdigte Köhler die grundsätzliche Bedeutung des Geständnisses. Damit könne nicht mehr bezweifelt werden, dass es diese Übergriffe gegeben habe. Der Ordensmann hatte nach jahrelangem Leugnen am Donnerstag sich im Sinne der Anklage für schuldig bekannt. Demnach hat er als Internatspräfekt in Kloster Ettal zwischen 2001 und 2005 drei Schüler insgesamt 23 Mal sexuell missbraucht. Das Gericht hatte ihm zuvor für den Fall eines Geständnisses eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von nicht mehr als zwei Jahren in Aussicht gestellt. Eines der Opfer soll noch als Zeuge vernommen werden, bevor am 11. März ein Urteil erwartet wird. Köhler sagte, die von diesem Prozess Betroffenen hätten sich noch nicht bei seinem Verein oder den mit dem Kloster gemeinsam bestimmten Mediatoren gemeldet. Sie sollten aber auch finanziell entschädigt werden, wenn sie dies wünschten. Der Münchner Rechtsanwalt Thomas Pfister sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), ein großes Problem bei Sexualstrafverfahren sei die Unehrlichkeit der Täter. Wenn sie die Taten bestritten, sei dies stets gleichbedeutend mit dem Vorwurf der Lüge an die Adresse der Opfer. Ein ehrlich gemeintes Geständnis müsse eigentlich zum Prozessauftakt abgelegt werden. „Sonst liegt der Verdacht nahe, dass es nur taktisch motiviert ist, um einer Haftstrafe ohne Bewährung zu entgehen“, sagte der Strafverteidiger.