Opfer der Kommunisten

Zur Seligsprechung von Istvan Sandor am 19. Oktober 2013. Von Katrin Krips-Schmidt

An diesem Samstag wird in Budapest der ungarische Salesianerbruder Istvan (dt. Stefan) Sandor seliggesprochen. Der Salesianerkardinal Angelo Amato, der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, wird das Seligsprechungsdekret in der von Kardinal Peter Erdö – Erzbischof von Esztergom-Budapest – zelebrierten Festmesse verlesen.

Wie die österreichischen Salesianer mitteilen, wird zu dem Festprogramm, das auch eine Gebetsvigil, ein Jugendtreffen sowie einen Dankgottesdienst umfasst, der Generalobere des Ordens, Pater Pascual Chavez, erwartet.

Istvan Sandor kam am 26. Oktober 1914 im ungarischen Szolnok als ältester von drei Brüdern zur Welt. Nachdem er durch religiöse Schriften mit der Person Don Boscos und dessen Werk in Berührung gekommen war, fühlte er sich vom salesianischen Geist zutiefst angezogen. 1936 begann er in der Berufsschule der Salesianer, im Clarisseum in Budapest, eine Ausbildung zum Drucker und trat danach in den Orden ein. 1940 legte er seine erste heilige Profess ab, 1946 folgten die ewigen Gelübde. Mit großer Freude widmete er sich seiner Aufgabe – der Ausbildung junger Menschen und dem Jugendapostolat.

Kompromissloser Einsatz für benachteiligte Jugendliche

Als die Kommunisten 1949 kirchliche Güter beschlagnahmten, den Ordensgemeinschaften ihre Tätigkeit untersagten und deren Institute und Schulen schlossen, organisierte Sandor im Untergrund weiterhin geheime Treffen mit seinen Jugendlichen und gab ihnen Religionsunterricht. Er hätte ins Ausland fliehen können, ist aber dennoch bei seinen Schützlingen geblieben. 1952 wurde er an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Man stellte ihn vor Gericht und verurteilte ihn zum Tod. Am 8. Juni wurde der 37-Jährige durch Erhängen hingerichtet. „Istvan Sandor starb für die ungarische Jugend und für die Verteidigung der Rechte der Kirche. Er gilt als Märtyrer und als Opfer des kommunistischen Regimes in Ungarn“, heißt es seitens des Salesianerordens.

Seinen Freunden und den ihm anvertrauten Heranwachsenden war Sandor mit seinem tiefen Gebetsleben und seinem kompromisslosen Einsatz für benachteiligte oder ungerecht behandelte Jugendliche stets ein Vorbild – und selbst schwierige Zeiten, weder der Militärdienst noch der Zweite Weltkrieg noch ein atheistisches Regime, konnten eine Gefahr für die Glaubenstreue des jungen Mannes darstellen.