„Ohne Gott gelingt nichts“

Im Wortlaut die Predigt des Heiligen Vaters und die Ansprache beim Angelus beim XXV. Weltjugendtag am 27. März 2010

Liebe Brüder und Schwestern,

liebe Jugendliche!

Das Evangelium des Palmsonntags, das wir gemeinsam hier auf dem Petersplatz gehört haben, beginnt mit dem Satz: „Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf“ (Lk 19, 28). Gleich zu Beginn der Liturgie des heutigen Tages nimmt die Kirche ihre Antwort auf das Evangelium vorweg, indem sie sagt: „Wir folgen dem Herrn“. Damit kommt das Thema des Palmsonntags klar zum Ausdruck: die Nachfolge. Christen zu sein bedeutet, den Weg Jesu Christi als den richtigen Weg des Menschseins zu betrachten – als jenen Weg, der zum Ziel führt, zu einer echten und vollkommen erfüllten Menschheit. In besonderer Weise möchte ich allen Jugendlichen an diesem 25. Weltjugendtag nochmals wiederholen, dass das Christsein ein Weg ist, oder besser: eine Pilgerreise, ein gemeinsames Voranschreiten mit Jesus Christus. Ein Voranschreiten in jene Richtung, die Er uns angezeigt hat und uns anzeigt.

Doch um welche Richtung handelt es sich? Wie lässt sie sich finden? Der Satz unseres Evangeliums bietet diesbezüglich zwei Hinweise. Erstens sagt er, dass es sich um einen Aufstieg handelt. Das hat vor allem eine ganz konkrete Bedeutung. Jericho, wo der letzte Teil der Pilgerfahrt Jesu begonnen hat, liegt 250 Meter unter dem Meeresspiegel, während Jerusalem – das Ziel des Weges – 740 bis 780 Meter über dem Meeresspiegel liegt: ein Aufstieg von beinahe tausend Metern. Doch dieser äußere Weg ist vor allem ein Bild der inneren Bewegung des Daseins, das sich in der Nachfolge Christi erfüllt: es ist ein Aufstieg zur wahren Höhe des Menschseins. Der Mensch kann einen bequemen Weg wählen und jeder Mühe ausweichen. Es kann auch in die Tiefe, zum Vulgären hinabsteigen. Er kann im Sumpf der Lüge und der Unehrlichkeit versinken. Jesus geht vor uns und steigt nach oben. Er führt uns zu dem, was groß ist, rein, er führt uns zur heilsamen Luft der Höhe: zum Leben nach der Wahrheit; zum Mut, der sich nicht vom Geschwätz der herrschenden Meinungen einschüchtern lässt; zur Geduld, die den anderen trägt und unterstützt. Er führt uns zur Bereitschaft gegenüber den Leidenden, den Verlassenen; zur Treue, die auf der Seite des anderen steht, auch wenn die Lage schwierig wird. Er führt zur Bereitschaft, Hilfe zu leisten; zur Güte, die sich sogar von der Undankbarkeit nicht entwaffnen lässt. Er führt uns zur Liebe – er führt uns zu Gott.

„Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf“. Wenn wir dieses Wort aus dem Evangelium im Zusammenhang des Weges Jesu in seiner Gesamtheit lesen – ein Weg, der bis zum Ende der Zeiten andauert – können wir in der Angabe des Ziels „Jerusalem“ verschiedene Ebenen entdecken. Natürlich muss vor allem einfach der Ort „Jerusalem“ verstanden werden: Die Stadt, in der sich der Tempel Gottes befand, dessen Einzigkeit auf die Einzigkeit Gottes selbst verweisen sollte. Dieser Ort deutet folglich vor allem auf zwei Dinge hin: Auf der einen Seite sagt er, dass auf der ganzen Welt Gott nur einer ist, dass Er alle unsere Orte und Zeiten unendlich übersteigt; es ist jener Gott, dem die ganze Schöpfung gehört. Es ist der Gott, den alle Menschen in ihrem Innersten suchen und den sie alle in gewisser Weise auch kennen. Doch dieser Gott hat sich einen Namen gegeben. Er hat sich uns zu erkennen gegeben, er hat eine Geschichte mit den Menschen begonnen; er hat einen Menschen – Abraham – als Ausgangspunkt für diese Geschichte ausgewählt. Der unendliche Gott ist gleichzeitig der nahe Gott. Er, der in kein Gebäude eingeschlossen werden kann, will dennoch mitten unter uns wohnen, ganz mit uns sein.

Das Wissen Jesu darum, dass der Tod nicht das Ende ist

Wenn Jesus gemeinsam mit dem pilgernden Israel nach Jerusalem hinaufsteigt, dann tut er das, um mit Israel das Pascha zu feiern: das Gedenken an die Befreiung Israels – ein Gedenken, das gleichzeitig immer die Hoffnung auf die endgültige Freiheit ist, die Gott schenken wird. Und Jesus geht zu diesem Fest in dem Bewusstsein, dass Er selbst das Lamm ist, in dem sich das erfüllen wird, was das Buch Exodus diesbezüglich sagt: ein fehlerfreies, männliches Lamm, das gegen Abend vor den Augen der Kinder Israels geopfert wird, als „feste Regel“ (vgl. Ex 12, 5–6.14). Und schließlich weiß Jesus, dass sein Weg weitergehen wird: Er wird nicht im Kreuz sein Ende finden. Er weiß, dass sein Weg den Schleier zwischen dieser Welt und der Welt Gottes zerreißen wird; dass er bis zum Thron Gottes aufsteigen und Gott und den Menschen in seinem Leib versöhnen wird. Er weiß, dass sein auferstandener Leib das neue Opfer und der neue Tempel sein wird; dass sich um Ihn aus der Schar der Engel und Heiligen das neue Jerusalem formen wird, das im Himmel und dennoch auch bereits auf der Erde ist, weil Er durch sein Leiden die Grenze zwischen Himmel und Erde geöffnet hat. Sein Weg führt über den Gipfel des Tempelbergs hinaus, bis zur Höhe Gottes selbst: Das ist der große Aufstieg, zu dem Er uns alle einlädt. Er bleibt immer bei uns auf der Erde und ist immer schon bei Gott angelangt, Er führt uns auf der Erde und über die Erde hinaus.

So werden in der Weite des Aufstiegs Jesu die Dimensionen unserer Nachfolge sichtbar – das Ziel, zu dem Er uns führen will: bis zur Höhe Gottes, zur Gemeinschaft mit Gott, zum Sein-mit-Gott. Das ist das wahre Ziel, und die Gemeinschaft mit Ihm ist der Weg. Die Gemeinschaft mit Jesus ist ein Unterwegssein, ein ständiger Aufstieg zur wahren Höhe unserer Berufung. Das gemeinsame Voranschreiten mit Jesus ist gleichzeitig immer ein Voranschreiten im „Wir“ derjenigen, die Ihm folgen wollen. Er führt uns in diese Gemeinschaft ein. Da der Weg bis zum wahren Leben, bis zu einem Menschsein nach dem Vorbild des Sohnes Gottes, Jesus Christus, unsere eigenen Kräfte übersteigt, ist dieses Voranschreiten immer auch ein Getragensein. Wir finden uns sozusagen in einer Seilschaft mit Jesus Christus– gemeinsam mit Ihm beim Aufstieg zur Höhe Gottes. Er zieht und unterstützt uns. Es gehört zur Nachfolge Christi, dass wir uns in diese Seilschaft einfügen lassen; dass wir akzeptieren, es alleine nicht schaffen zu können. Dieser Akt der Demut gehört dazu, das Eintreten in das „Wir“ der Kirche; das Festhalten an der Seilschaft, der Verantwortung der Gemeinschaft – das Seil nicht durch Eigensinn und Besserwisserei zu zerreißen. Das demütige mit-der-Kirche-glauben, als in der Seilschaft des Aufstiegs zu Gott vereinigtem Dasein, ist eine wesentliche Bedingung der Nachfolge. Zu diesem Sein in der Gemeinschaft der Seilschaft gehört auch, sich nicht als Herr über das Wort Gottes anzusehen, keiner falschen Vorstellung von Unabhängigkeit nachzulaufen. Die Demut des „Mit-seins“ ist wesentlich für den Aufstieg. Zu ihr gehört auch, dass wir uns in den Sakramenten immer von neuem vom Herrn an die Hand nehmen lassen; dass wir uns von Ihm reinigen und stärken lassen; dass wir die Disziplin des Aufstiegs akzeptieren, auch wenn wir erschöpft sind.

Schließlich müssen wir noch sagen: Zum Aufstieg zur Höhe Jesu Christi, zum Aufstieg bis zur Höhe Gottes selbst, gehört das Kreuz. So wie in den Angelegenheiten dieser Welt ohne Verzicht und harte Übung keine großen Ergebnisse erzielt werden können, so wie die Freude über eine große Erkenntnis oder über ein wirkliches Können mit Disziplin verbunden sind, ja mit mühevollem Lernen, so ist der Weg zum Leben selbst, zur Verwirklichung der eigenen Menschheit, mit der Gemeinschaft zu Dem verbunden, der durch das Kreuz zur Höhe Gottes aufgestiegen ist. Letztlich ist das Kreuz Ausdruck dessen, was die Liebe bedeutet: Nur wer sich selbst verliert, wird sich finden.

Fassen wir zusammen: Die Nachfolge Christi erfordert als ersten Schritt das Erwachen der Sehnsucht für das echte Menschsein und so das Erwachen für Gott. Es erfordert dann, dass man Teil der Seilschaft derer wird, die aufsteigen, der Gemeinschaft der Kirche. Im „Wir“ der Kirche treten wir in Gemeinschaft mit dem „Du“ Jesu Christi und gelangen so auf den Weg zu Gott. Es ist zudem erforderlich, dass man auf das Wort Jesu Christi hört und es lebt: im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. So sind wir unterwegs zum endgültigen Jerusalem und befinden uns bereits jetzt in gewisser Weise dort, in der Gemeinschaft mit allen Heiligen Gottes.

Unsere Pilgerfahrt in der Nachfolge Christi führt also nicht zu einer irdischen Stadt, sondern zur neuen Stadt Gottes, die mitten in dieser Welt wächst. Die Pilgerfahrt zum irdischen Jerusalem kann dennoch gerade auch für uns Christen hilfreich für diese größere Reise sein. Ich selbst habe mit meiner Pilgerfahrt ins Heilige Land im vergangenen Jahr drei Bedeutungen verbunden. Vor allem habe ich gedacht, dass uns bei dieser Gelegenheit das passieren kann, was der heilige Johannes zu Beginn seines ersten Briefes sagt: Was wir gehört haben, das können wir in gewisser Weise sehen und mit unseren Händen berühren (vgl. 1 Joh 1, 1). Der Glaube an Jesus Christus ist keine erfundene Legende. Er beruht auf einer wirklich vorgefallenen Geschichte. Diese Geschichte können wir sozusagen betrachten und berühren. Es ist ergreifend, sich in Nazaret an dem Ort zu befinden, wo der Engel Maria erschienen ist, und ihr die Aufgabe übertrug, die Mutter des Erlösers zu werden. Es ist ergreifend, in Bethlehem an dem Ort zu sein, wohin das Fleisch gewordene Wort gekommen ist, um unter uns zu wohnen; den Fuß auf das heilige Land zu setzen, in dem Gott Mensch und Kind werden wollte. Es ist ergreifend, die Stufen nach Golgatha hinaufzusteigen, bis zu dem Ort, an dem Jesus für uns am Kreuz gestorben ist. Und schließlich vor dem leeren Grab zu stehen; dort zu beten, wo sein heiliger Leichnam ruhte und wo am dritten Tag die Auferstehung erfolgte. Den äußeren Wegen Jesu zu folgen soll uns helfen, freudiger und mit neuer Gewissheit auf dem inneren Weg voranzugehen, den Er uns gezeigt hat und der Er selbst ist.

Wenn wir uns als Pilger ins Heilige Land begeben, gehen wir auch – und das ist der zweite Aspekt – als Botschafter des Friedens dorthin, mit dem Gebet für den Frieden; mit der eindringlichen Aufforderung an alle, an jenem Ort, der im Namen das Wort „Frieden“ trägt, alles zu tun, was möglich ist, damit er wirklich ein Ort des Friedens werde. So ist diese Pilgerfahrt gleichzeitig – ein dritter Aspekt – eine Ermutigung für die Christen, im Land ihrer Ursprünge zu bleiben und sich in ihm intensiv für den Frieden einzusetzen.

Kehren wir nochmals zur Liturgie des Palmsonntags zurück. Im Gebet, mit dem die Palmzweige gesegnet werden, beten wir, dass wir in Christus die Frucht guter Werke bringen mögen. Aus einer falschen Auslegung des heiligen Paulus hat sich im Laufe der Geschichte und auch heute wiederholt die Ansicht entwickelt, die guten Werke würden nicht zum Christsein gehören, jedenfalls seien sie unbedeutend für das Heil des Menschen. Doch wenn Paulus sagt, dass die Werke den Menschen nicht rechtfertigen können, dann stellt er sich damit nicht gegen die Wichtigkeit des rechten Handelns, und wenn er vom Ende des Gesetzes spricht, dann erklärt er damit nicht die Zehn Gebote für überholt und bedeutungslos. Wir brauchen jetzt nicht über die ganze Tragweite dieser Frage nachdenken, die den Apostel beschäftigte. Wichtig ist es, aufzuzeigen, dass er mit dem Begriff „Gesetz“ nicht die Zehn Gebote meint, sondern den komplexen Lebensstil, durch den sich Israel gegen die Versuchungen des Heidentums schützen musste. Jetzt jedoch hat Christus Gott zu den Heiden gebracht. Ihnen wird diese Form der Unterscheidung nicht auferlegt. Ihnen wird als Gesetz nur Christus gegeben. Doch das bedeutet die Liebe zu Gott und zum Nächsten und alles, was damit verbunden ist. Zu dieser Liebe gehören die Gebote, die auf eine neue und tiefere Weise von Christus ausgehend gelesen werden, jene Gebote, die nichts anderes als die Grundregeln der wahren Liebe sind: vor allem und als Grundprinzip die Anbetung Gottes, der Primat Gottes, den die ersten drei Gebote zum Ausdruck bringen. Sie sagen uns: Ohne Gott gelingt nichts auf rechte Weise. Wer dieser Gott ist und wie er ist, das wissen wir ausgehend von der Person Jesus Christus. Es folgen dann die Heiligkeit der Familie (das vierte Gebot), die Heiligkeit des Lebens (das fünfte Gebot), die Ordnung der Ehe (das sechste Gebot), die soziale Ordnung (das siebte Gebot) und schließlich die Unantastbarkeit der Wahrheit (das achte Gebot). Alles das ist heute von größter Aktualität und gerade auch im Sinn des heiligen Paulus – wenn wir seine Briefe vollständig lesen. „Die Frucht guter Werke bringen“: Zu Beginn der Karwoche beten wir zum Herrn, uns allen immer häufiger diese Frucht zu schenken.

Am Schluss des Evangeliums zum Palmsonntag hören wir den Ruf, mit dem die Pilger Jesus an den Toren von Jerusalem begrüßen. Es ist das Wort aus Psalm 118 (117), das die Priester ursprünglich von der Heiligen Stadt aus den Pilgern verkündeten, das jedoch in der Zwischenzeit Ausdruck der messianischen Hoffnung geworden war: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“ (Ps 118 [117], 26; Lk 19, 38). Die Pilger sehen in Jesus den Erwarteten, der im Namen des Herrn kommt, ja, nach dem Evangelium des heiligen Lukas fügen sie noch ein weiteres Wort hinzu: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn“. Und sie fahren fort mit einem Ruf, der an die Botschaft der Engel an Weihnachten erinnert, diese jedoch auf eine Weise verändert, die nachdenklich macht. Die Engel hatten von der Herrlichkeit Gottes in der Höhe und vom Frieden auf Erden bei den Menschen seiner Gnade gesprochen. Die Pilger beim Eingang der Heiligen Stadt sagen: „Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“. Sie wissen nur zu gut, dass es auf Erden keinen Frieden gibt. Und sie wissen, dass der Ort des Friedens der Himmel ist – sie wissen, dass es zum Wesen des Himmels gehört, Ort des Friedens zu sein. So ist dieser Ruf Ausdruck eines tiefen Schmerzes und gleichzeitig Gebet der Hoffnung: Der, der im Namen des Herrn kommt, möge das auf die Erde bringen, was im Himmel ist. Seine Königsherrschaft möge die Königsherrschaft Gottes werden, Gegenwart des Himmels auf der Erde. Die Kirche singt vor der eucharistischen Wandlung das Wort des Psalms, mit dem Jesus vor seinem Einzug in die Heilige Stadt begrüßt wurde: Sie begrüßt Jesus als König, der von Gott ausgehend im Namen Gottes mitten unter uns kommt. Auch heute ist dieser freudige Gruß immer Bitte und Hoffnung. Wir beten zum Herrn, dass er uns den Himmel bringe: die Herrlichkeit Gottes und den Frieden der Menschen. Wir verstehen diesen Gruß im Geist der Bitte des Vater Unsers: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!“. Wir wissen, dass der Himmel der Himmel ist, Ort der Herrlichkeit und des Friedens, weil dort nur der Wille Gottes herrscht. Und wir wissen, dass die Erde kein Himmel ist, solange in ihr der Wille Gottes nicht verwirklicht wird. Begrüßen wir also Jesus, der vom Himmel kommt und bitten wir ihn, uns zu helfen, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun. Auf dass die Königsherrschaft Gottes in die Welt komme und diese so vom Glanz des Friedens erfüllt werde. Amen.

Die Tore des Lebens für Christus öffnen

Am Ende der Messe sagte der Papst vor dem Angelusgebet:

Während wir uns dem Abschluss dieser Eucharistiefeier nähern, können wir nicht umhin, uns an den Palmsonntag vor 25 Jahren zu erinnern. Das Jahr 1985 war von den Vereinten Nationen zum „Jahr der Jugend“ erklärt worden. Der verehrungswürdige Johannes Paul II. wollte diese Gelegenheit ergreifen und hat im Gedenken an den Einzug Christi in Jerusalem, der von seinen jungen Anhängern mit Begeisterung aufgenommen wurde, den Weltjugendtag eingerichtet. Seitdem hat der Palmsonntag diese Besonderheit angenommen, welche sich alle zwei oder drei Jahre auch bei den großen internationalen Treffen zeigt, die eine Art jugendlicher Pilgerreise über den ganzen Planeten in der Nachfolge Jesu darstellen. Vor nunmehr 25 Jahren hat mein verehrter Vorgänger die Jugendlichen dazu eingeladen, ihren Glauben an Christus zu verkünden, der „die Sache des Menschen auf sich genommen hat“ (Predigt, 31. März 1985, Nr. 5, 7: Insegnamenti VIII, 1 [1985], 884, 886). Heute erneuere ich diesen Aufruf an die neue Generation, mit der sanften und leuchtenden Kraft der Wahrheit Zeugnis abzulegen, damit den Männern und Frauen des dritten Jahrtausends nicht das authentischste Vorbild fehle: Jesus Christus. Diesen Auftrag übergebe ich vor allem den dreihundert Delegierten des Internationalen Jugendforums, die – berufen vom Päpstlichen Rat für die Laien – aus allen Teilen der Welt gekommen sind.

Nach diesen Worten begrüßte der Papst die Jugendlichen in mehreren Sprachen. Auf deutsch sagte er:

Ein herzliches „Grüß Gott“ sage ich allen deutschsprachigen Pilgern und Besuchern, und ganz besonders den jungen Menschen, die am heutigen Palmsonntag den 25. Weltjugendtag in den Diözesen feiern. Voll Freude sehen wir, dass auch in unserer Zeit viele Jugendliche Jesus Christus mit Begeisterung die Tore ihres Lebens öffnen und sich ohne Scheu zu ihrem Herrn und König bekennen. Der Blick auf die liebende Hingabe Jesu, die wir in den Geheimnissen der Karwoche betrachten werden, schenke uns allen die Kraft, nicht vor den Ansprüchen der Nachfolge Christi zurückzuschrecken. Der Herr segne euch und eure Familien.

Nach den Grußworten fuhr der Papst auf italienisch fort:

Schließlich grüße ich herzlich die Pilger italienischer Sprache, vor allem die jungen Menschen, die aus verschiedenen Städten und Diözesen gekommen sind. Liebe Freunde, habt keine Angst, wenn die Nachfolge Christi Unverständnis und Kränkungen mit sich bringt. Dient ihm in den schwächsten und benachteiligtesten Menschen, vor allem in Euren Gleichaltrigen, die sich in Schwierigkeiten befinden. Diesbezüglich möchte ich auch ein besonderes Gebet für den von der UNO geförderten Welttag der Aufklärung über Autismus zusagen, der am 2. April begangen wird.

In diesem Moment wenden sich unsere Gedanken und unser Herz auf besondere Weise nach Jerusalem, wo sich das österliche Geheimnis erfüllt hat. Ich bedauere zutiefst die jüngsten Konflikte und die Spannungen, zu denen es wieder einmal in jener Stadt gekommen ist, die geistliche Heimat von Christen, Juden und Muslimen ist, Prophezeiung und Verheißung jener universalen Versöhnung, die Gott für die ganze Menschheitsfamilie möchte. Der Frieden ist ein Geschenk, das Gott der menschlichen Verantwortung anvertraut, damit es durch den Dialog und den Respekt der Rechte aller, durch die Versöhnung und die Vergebung gepflegt werde. Beten wir also, dass diejenigen, die für die Geschicke Jerusalems verantwortlich sind, mutig den Weg des Friedens einschlagen und ihn beharrlich verfolgen!

Liebe Brüder und Schwestern! Wie Jesus es mit seinen Jüngern getan hat, so vertraue auch ich Euch Maria an, indem ich Euch sage: Seht, Eure Mutter (vgl. Joh 19, 27). An Sie wenden wir uns alle mit kindlichem Vertrauen und beten gemeinsam das Angelusgebet.