Offensive gegen Abtreibung

Brasiliens Bischofskonferenz startet Kampagne der Brüderlichkeit

Brasilia (DT/KNA) Die brasilianische Bischofskonferenz hat ihre traditionell nach Karneval gestartete Kampagne der Brüderlichkeit dem Schutz des Lebens gegen vielfältige Bedrohung gewidmet und damit eine öffentliche Diskussion ausgelöst. In den Medien wurde die Kampagne am Donnerstag als bisher größte Offensive der Kirche gegen die Abtreibung gewertet. Initiativen für eine Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs dürften nun auch im Parlament auf heftigeren Widerstand stoßen, so der Pressetenor.

In Brasilien ist Abtreibung erlaubt, wenn das Kind bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde oder das Leben der Mutter gefährdet ist. Die Regierung von Staatspräsident Luis Inacio Lula da Silva unterstützt die Kampagne. Lula selbst gilt als Abtreibungsgegner, während sein Gesundheitsminister Jose Gomes Temporao eine Fristenregelung befürwortet. Angesichts von jährlich etwa 1,1 Millionen illegalen Schwangerschaftsabbrüchen in Brasilien, bei denen zahlreiche Mütter ums Leben kämen, handele es sich um ein Problem der öffentlichen Gesundheit, so die Argumentation.

In einer Botschaft an die Bischofskonferenz rief Papst Benedikt XVI. dazu auf, alle Bedrohungen des Lebens zu bekämpfen. Die Brüderlichkeitskampagne betont auch, dass angesichts von mehr als 50 000 Morden jährlich in Brasilien jede Form von Gewalt abgelehnt werden müsse. Das Leben zu verteidigen heiße zudem, sich für eine gerechte Verteilung des Bodens an die Armen, für Naturschutz und Artenvielfalt einzusetzen. Die Medizinerin Elizabeth Serqueira, die den Kampagnetext mitformuliert hatte, sprach von einer „Kultur des Todes“ in Brasilien, deren häufigste Opfer die Kinder, Frauen und alten Menschen der armen Bevölkerungsmehrheit seien.