Offener Brief an Koch

Berliner Kathedralumbau-Kritiker bitten Erzbischof, eine „denkmalverträgliche Lösung“ zu suchen

Berlin (DT/KNA) Denkmalpfleger, Architekten und Kulturhistoriker haben sich in einem offenen Brief an Erzbischof Heiner Koch gegen eine grundlegende Umgestaltung des Innenraums der Berliner Hedwigskathedrale ausgesprochen. Dies befürchten die Kritiker bei der Umsetzung des vorliegenden Architektenentwurfs, über den Koch bis zum Sommer entscheiden will. In dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben appellieren die 70 Unterzeichner an den Erzbischof, „doch noch nach einer denkmalverträglichen Lösung zur Verbesserung des bedeutenden Kirchenbaus zu suchen“.

Die Fachleute um den Berliner Kunsthistoriker Adrian von Buttlar raten zu einem weitgehenden Erhalt der Raumfassung, die der Architekt Hans Schwippert (1899-1973) beim Wiederaufbau vor 50 Jahren schuf. Der Entwurf des Büros Sichau und Walter sowie ihres Kooperationspartners Leo Zogmayer, der bei einem Architektenwettbewerb gewann, sieht dagegen unter anderem vor, die Bodenöffnung mit Treppe zu schließen. Dies soll bessere Bedingungen dafür schaffen, katholische Gottesdienste nach den heutigen Vorgaben zu feiern. Das Erzbistum schätzt die Kosten im Falle eines solchen Umbaus auf bis zu 43 Millionen Euro. Die Kritiker werten die im Architektenentwurf vorgesehenen Veränderungen als „Teilabriss“ und „Denkmalzerstörung“. Sie werfen der Bistumsleitung vor, damit einen „seit langem angestrebten radikalen Umbau der Sankt Hedwigs-Kathedrale“ umzusetzen. Dieser ließe sich „allenfalls durch ernsthafte und offenkundige liturgische Defizite rechtfertigen“. Dies treffe jedoch bei der bestehenden Gestaltung nicht zu, so die Unterzeichner unter Berufung auf aktuelle Gutachten namhafter Liturgiewissenschaftler wie Albert Gerhards und Andreas Odenthal.

Der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner, zeigte sich überrascht: „Von Anfang an, beim Wettbewerb, beim Symposium dazu und zuletzt bei der Vollversammlung des Diözesanrates haben wir die Bereiche Architektur, Denkmalschutz und Kulturerbe hochrangig bedacht und werden dies natürlich auch weiter tun.“ Die Zustimmung des Diözesanrats der Katholiken Ende Februar sei „ein Votum und keine Entscheidung“.

Bei der Abstimmung hatte die höchste Laienvertretung der mehr als 400 000 Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern mit 46 Ja- zu 13 Nein-Stimmen für den Umbau gestimmt. Die Kritiker befürchten, dass die Gremien-Abstimmung als „weithin in der Öffentlichkeit akzeptierte Legitimation“ eines radikalen Umbaus missverstanden werden könnte. Bereits im Januar hatte sich der Initiativkreis „Freunde der Sankt Hedwigs-Kathedrale“ um den früheren Sächsischen Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer (CDU), der von 1997 bis 2009 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken war, mit ähnlichen Argumenten gegen eine „radikale Umgestaltung des Innenraums“ ausgesprochen.