Ökumenischer Schulterschluss

USA: Evangelikale unterstützen die Forderung der katholischen Bischöfe, Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak aufzunehmen

Washington (DT/KNA) Nach den katholischen Bischöfen in den Vereinigten Staaten hat sich auch ein einflussreicher Zusammenschluss evangelikaler Christen gegen einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ausgesprochen. Die National Vereinigung der Evangelikalen erklärte am Donnerstag, die USA dürften Menschen nicht den Rücken kehren, die Schutz suchten. Der Präsident der Organisation Leith Anderson sagte, die christliche Botschaft lehre, wie wichtig „Mitgefühl für andere“ sei. Das sei eine „lange amerikanische Tradition und ein christliches Prinzip“. Anderson untermauerte sein Argument mit der biblischen Geschichte vom „guten Samariter“, der einem ausgeraubten und zusammengeschlagenen Reisenden geholfen habe, nachdem andere achtlos an diesem vorübergingen. „Jesu Weisung war: Geht und handelt ebenso.“

Der Präsident des evangelikalen Dachverbands forderte die Mitgliedskirchen auf, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Die Idee, Unterschiede nach der Religionszugehörigkeit zu machen, nannte Anderson abwegig. Andere Vertreter christlicher Kirchen erinnerten daran, dass auch Maria und Josef auf der Flucht gewesen seien, nachdem Maria Jesus in einem Stall zur Welt gebracht hatte. Es sei besonders tragisch, wenn Christen vor Weihnachten Flüchtlingen den Rücken zukehrten.

Die Bischöfe der USA haben Forderungen nach einem Aufnahmestopp für Syrer kritisiert. Die syrischen Flüchtlinge seien auf der Flucht vor genau dem Terror, den man gerade in Paris erlebt habe, sagte der in der US-Bischofskonferenz für Migration zuständige Weihbischof Eusebio Elizondo von Seattle am Mittwoch (Ortszeit) in Baltimore. Die USA dürften diese Menschen nicht für die Taten der Terroristen büßen lassen. Bei den Flüchtlingen handle es sich um „extrem verletzliche Familien, Frauen und Kinder, die ihr Leben gerettet haben“. 23 republikanische Gouverneure, die Republikaner im Kongress und die republikanischen Präsidentschaftsanwärter hatten nach den Anschlägen von Paris erklärt, keine Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten mehr einreisen lassen zu wollen. Elizondo forderte die Verantwortlichen im US-Kongress auf, die Einreise für Syrer nicht weiter zu erschweren. „Wir können uns darüber Gedanken machen, wie wir das stringente Überprüfungsverfahren weiter stärken, aber wir sollten diejenigen, die in Not sind, weiter willkommen heißen.“ Die USA stünden in der Pflicht, den vier Millionen Syrern auf der Flucht gemeinsam mit der Weltgemeinschaft Schutz zu gewähren.

In den vergangenen vier Jahren haben die USA 2 200 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Präsident Barack Obama hatte zu Beginn der Woche seine Zusage erneuert, im laufenden Haushaltsjahr 10 000 Syrer aufzunehmen. Der US-Präsident nannte die Blockadeversuche der Republikaner „unamerikanisch“ und „beschämend“ und kündigte sein Veto gegen jeden Versuch des Kongresses an, die Aufnahme weiter zu erschweren. Bereits heute dauert das Überprüfungsverfahren für Flüchtlinge rund 18 Monate.