Ökumenischer Akt in Rom

Walter Kardinal Kasper predigte in methodistischem Gotteshaus

Rom (DT/KAP) Als „signifikante ökumenische Geste“ ist der Besuch von Kardinal Walter Kasper am Sonntag in der römischen Methodistenkirche gewertet worden. Der Präsident des vatikanischen Rats für die Einheit der Christen nahm am metho-distischen Sonntagsgottesdienst teil und hielt die Predigt. Dabei verlas Kasper ein Grußwort von Papst Johannes Paul II. Anlass war der dreihundertste Geburtstag John Wesleys, des Gründers der methodistischen Kirche. Kasper erklärte, Wesleys Beziehung zur katholischen Kirche sei nicht grundsätzlich negativ gewesen, sondern „komplex“.

John Wesley wurde am 17. Juni 1703 in Epworth in Lincolnshire geboren, er starb knapp 89-jährig am 2. März 1791 in London. Als Student in Oxford gründete er zusammen mit seinem Bruder Charles einen Bund zur Lektüre der Bibel und praktizierten Frömmigkeit; ob ihres methodisch geordneten Gemeinschaftslebens erhielten sie den Spottnamen „Methodisten“. 1728 wurde John zum Priester der anglikanischen Kirche geweiht.

Bei einer Reise nach Amerika lernte Wesley in Georgia die Herrnhuter Brüdergemeinde von Nikolaus Graf von Zinzendorf kennen, die ihn sehr beeindruckte. Am 24. Mai 1738 hatte er ein Bekehrungserlebnis bei der Lektüre von Martin Luthers „Vorrede zum Römerbrief“. Ab da reiste er als Erweckungsprediger durch England und Amerika und legte den Grundstein der heute weltweit vertretenen methodistischen Kirche. Die evangelisch-methodistische Kirche blieb zunächst eine Erneuerungsbewegung in der Kirche von England. Erst 1784 wurde sie in den neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika zur eigenen Kirche. Sie erhielt eine bischöfliche Verfassung und war unabhängig vom Staat. Von den Vereinigten Staaten und später auch von England hat sich die evangelisch-methodistische Kirche in der ganzen Welt ausgebreitet.

In Österreich begann sie mit einer kleinen Hausversammlung 1870 in Wien. 1951 wurde sie staatlich anerkannt. Gemeinden bestehen in Wien – zwei deutschsprachige, eine englischsprachige und eine koreanische Gemeinde –, in Graz, St. Pölten, Linz, Ried, Salzburg und Bregenz. Die evangelisch-methodistische Kirche gehört dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich an; Ziel der Ökumene ist für sie nicht eine Kirchenvereinigung, sondern eine fruchtbare Koexistenz. Die Evangelische Kirche AB, die Evangelische Kirche HB und die Methodistenkirche in Österreich haben 1990 offiziell die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft erklärt.