„Nur der Staub des ignoranten Stolzes“

Am 6. August 2000 unterstrich die Glaubenskongregation mit der Erklärung Dominus Iesus die katholische Lehre über die Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche – Ein Gespräch mit dem deutschen Ökumenebischof Gerhard Ludwig Müller über die anschließende Auseinandersetzung Von Regina Einig

Die Veröffentlichung von Dominus Iesus hat vor zehn Jahren viel Staub aufgewirbelt. Galt der Aufschrei tatsächlich der Darlegung des katholischen Kirchenverständnisses? Oder fühlte sich die relativistische Gesellschaft als solche unbehaglich angesichts des Wahrheitsanspruchs der katholischen Kirche?

Die Hauptaussage von Dominus Iesus galt der Einzigkeit Jesu Christi als universaler Retter aller Menschen, nicht weil er ein besonderer Mensch war, sondern weil er der ewige Sohn des Vaters ist, der unser Menschsein angenommen hat. Die Einheit von göttlicher und menschlicher Natur Christi in der zweiten Person des dreifaltigen Gottes ist der Grund unseres Heilsverhältnisses zu Gott dem Schöpfer, Erlöser und Vollender aller Menschen in Zeit und Ewigkeit. Dem Relativismus in der Wahrheitsfrage entspricht der Nihilismus in der metaphysischen Frage nach Ursprung und Sinn des Seins in Gott und äußert sich im Zynismus einer unmoralischen Lebensführung. Gegenüber der Botschaft von der Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes in Jesus Christus war es nur der Staub des ignoranten Stolzes, der aufgewirbelt wurde.

Wie fiel die Rezeption der Erklärung gesamtkirchlich gesehen aus? Ähnlich wie in Deutschland? Oder gab es nennenswerte regionale Unterschiede?

Man muss unterscheiden zwischen denen, die sich der veröffentlichten Meinung opportunistisch beugen und denen, die dem sentire cum ecclesia als Grundhaltung gegenüber dem Dienst des Lehramtes an der Selbstoffenbarung Gottes als Heil der Welt in Jesus Christus entsprechen. Nicht Region, Kultur, Sprache und Hautfarbe, Begabung und Bildung bestimmen unser Verhältnis zu Gott, sondern der „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1, 5), mit dem sich der Mensch als ganzer in Freiheit Gott überantwortet mit Verstand und Willen (vgl. II. Vatikanum, Dei Verbum 5).

In Deutschland fokussierte sich die öffentliche Debatte sehr rasch auf die Frage, wer Kirche Jesu Christi ist und wer es nicht sein kann. Ist man dem Inhalt der Erklärung damit insgesamt gerecht geworden?

Das Hauptthema von Dominus Iesus war die Zurückweisung des christologischen Relativismus, nach dem Jesus eine unter vielen Manifestationen des Göttlichen sein soll beziehungsweise eine subjektiv oder kollektiv bedingte Spiegelung unserer Heilssehnsüchte auf ein imaginäres Jenseits. Die katholische Kirche bleibt dagegen ihrem Bekenntnis und ihrer Mission treu, Jesus Christus zu verkünden als die Wahrheit Gottes, in dem auch die Wahrheit über den Menschen aufleuchtet (vgl. II. Vatikanum, Gaudium et spes 10; 22). „Darum ist uns kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4, 12). Weder die Drohung mit physischer Gewalt noch die Angst, nicht zur kognitiven Mehrheit gerechnet zu werden, noch das bequeme Sich-treiben-lassen mit dem mainstream der veröffentlichten Meinung können uns trennen von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn (vgl. Röm 8, 39). Wir glauben nicht Menschen, die sich als Meinungs-Führer aufspielen, sondern „dem einen und einzigen Gott und dem einen Mittler zwischen Gott und den Menschen“. (vgl. 1 Tim 2, 4f)

Von Jesus Christus kann man die Kirche nicht trennen. Er ist das Haupt seines Leibes, der Kirche. „Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht“ (Eph 1, 23). Die Kirche spalten, heißt Christus selber teilen zu wollen. Die Einheit, Heiligkeit und Katholizität und Apostolizität als Wesensmerkmale und Eigenschaften der Kirche kommen von Christus her, dem Einen, Heiligen, universal-katholischen Mittler des Heils, der seine Apostel zum bleibenden Fundament seiner Kirche gemacht hat. Diese, vom Haupt her kommenden Wesensmerkmale des Leibes Christi, der die Kirche ist, sind real und in ihrer Vollständigkeit verwirklicht in der sichtbaren Kirche, die vom Papst und den Bischöfen in Einheit mit ihm geleitet wird (Lumen gentium 8).

Konrad Raiser vermutete seinerzeit, dass Rom eine „doppelte Sprache“ gebrauche. „Alle fragen sich heute, wie es möglich ist, dass die katholische Kirche an ihrer Spitze zwei so verschiedene Stimmen laut werden lässt, und dass der Text einer Kongregation den Anschein erweckt, eine Enzyklika (Ut unum sint, A.d.R.) korrigieren zu wollen.“ Was würden Sie ihm erwidern?

Die Enzyklika Ut unum sint bezieht sich auf den katholischen Glauben und entfaltet positiv – wie schon das Zweite Vatikanum im Ökumenismus-Dekret – den Ökumenismus in der Perspektive des katholischen Verständnisses der Kirche. Die Erklärung Dominus Iesus geht von den gleichen Voraussetzungen aus, wehrt aber falsche Sichtweisen von Ökumene ab, die mit dem katholischen Kirchenverständnis unvereinbar sind. Mit einer Ekklesiologie, die nicht mehr voll katholisch ist, würde der wahre Ökumenismus als Ziel der Einheit aller Christen in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche der größte Schaden zugefügt und er widerspräche dem erklärten Willen Jesu, des Herrn der Kirche.

Beobachten Sie als Ökumenebischof so etwas wie das von einigen befürchtete Wiedererstarken des Konfessionalismus in den letzten Jahren?

Unter Konfessionalismus versteht man die Tendenz, sich von den Christen, die nicht der eigenen Gemeinschaft angehören, um jeden Preis abzugrenzen. Die katholische Kirche kann apriori keine Konfessionskirche sein von dem Typ, wie er unter den reichsrechtlichen Voraussetzungen in den protestantischen Reformationen des sechzehnten Jahrhunderts entstanden ist. Katholisch und konfessionalistisch schließen einander aus. Der einende Grund der katholischen Kirche zeigt sich im apostolischen Glauben, der Communio im sakramentalen Leben und der Anerkennung der apostolischen Kirchenverfassung (mit dem sakramentalen Bischofsamt in apostolischer Sukzession und in der Einheit der Bischöfe als Nachfolger der Apostel mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, als dem immerwährendem Prinzip und Fundament der Einheit der sichtbaren Kirche). Darin ist eine unbegrenzte Vielfalt katholischer Kulturen möglich und für das Gesamtleben der Kirche von eminenter Bedeutung. Es wäre wichtig, dass die Konfessionen sich in die Weite des Katholischen hinein öffnen. So können sie ihr positives Erbe in Spiritualität und Theologie einbringen und die Trennung von der katholischen Kirche überwinden.

Kardinal Ratzinger berichtete in einem Interview, gereizte Theologieprofessoren hätten ihm schriftlich versichert, Dominus Iesus nicht lesen zu wollen. Dennoch hat Dominus Iesus eine Fülle von akademischen Stellungnahmen gezeitigt. Hat die Scheidung der akademischen Geister den ökumenischen Diskurs beflügelt? Oder gelähmt?

Man muss leider unterscheiden zwischen solchen, die den Titel tragen und die ihn auch ausfüllen. Es ist schon eine hohe Verantwortung gegenüber der Kirche, den Theologiestudierenden, aber auch all den Menschen, die an einer vernunftgemäßen Darlegung des katholischen Glaubens interessiert sind, mit Herz und Verstand Lehrer der katholischen Theologie zu sein. Es gibt einige verbeamtete Theologieprofessoren, die sich durch mangelnde Beherrschung ihres Faches, eine fragwürdige Lebensführung oder durch eine fehlende positive Identifikation mit der Kirche schuldig machen an ihrem Auftrag. Besorgniserregendes Indiz dafür ist eine niveaulose Petition, die Papst Benedikt XVI. vorwirft, er würde die Beschlüsse des Konzils unterlaufen. Das zeugt von Unkenntnis der Person und der Theologie des Papstes, aber auch des Zweite Vatikanischen Konzils. Die Kenntnis von Lumen gentium und Dei verbum sollte schon vorausgesetzt werden können, vor allem dann, wenn man sich zum Anwalt des Konzils hochstilisiert. Die zur Schau getragene Pseudo-Verantwortung für die Kirche entlarvt sich als die Ideologie „einer anderen Kirche“, die nicht mehr mit dem katholischen Glauben vereinbar ist. Von einem Professor der Theologie kann man zu Recht eine souveräne Beherrschung seines Faches und die Kenntnis der Prinzipienlehre (Hermeneutik der katholischen Theologie) erwarten. Die Meinung, durch medialen Druck und Unterschriftenlisten den sensus fidei der Gläubigen zu sammeln wie bei einem Volksentscheid, um so die klare Lehre der Kirche und die Kompetenz des Lehramtes auszuhebeln, zeigt, dass seine Betreiber Ideologen sind, die in ihrem falschen „Reform“-eifer nur die Deformation der Kirche im Auge haben und eine Kirche wollen, die von ihnen erdacht und strukturiert wird und nicht von Christus vorgegeben ist.

Dominus Iesus ist nach der Auffassung von Bischof Walter Kasper keine „umfassende Darlegung der katholischen Auffassung zu den Fragen der Ökumene“ gewesen. Hat dieser Umstand eine Rolle gespielt, dass 2007 die Glaubenskongregation Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche veröffentlichte?

Eine umfassende Darstellung des Katholischen Ökumenismus findet sich in Lumen gentium, Unitatis redintegratio und in der Enzyklika Ut unum sint. Dominus Iesus dient nur der Abgrenzung von einigen Fehlentwicklungen – vor allem der Meinung, der Relativismus und der Indifferentismus könnten die ökumenische Bewegung zur vollen Einheit aller Christen in der Einen Kirche des Herrn fördern. Wenn die Leidenschaft zur Wahrheit und Fülle der geoffenbarten Wahrheit und die Liebe zur Kirche Gottes verloren gehen, würde die ökumenische Bewegung zu einem Jahrmarkt der Selbstdarsteller und Publikumsmagneten degenerieren.

An Dominus Iesus wurde nicht nur der Inhalt, sondern auch der Stil bemängelt.

Der christologische Teil ist von allen Christen, die auf dem Boden der Offenbarung stehen, anerkannt worden. Der ekklesiologische Teil ist weniger umfänglich und muss darum im Licht der großen lehramtlichen Aussagen zu Sein und Sendung der Kirche gelesen werden. Der eine Halbsatz, dass die Konfessionsgemeinschaften, die aus den protestantischen Reformationen hervorgegangen sind, wohl zur einen Kirche Christi gehören und wegen der vielfältigen ekklesialen Strukturelemente der Wahrheit und der Heiligung in ihrer sichtbaren Vergemeinschaftung „kirchliche Gemeinschaften“ sind, aber „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“, hätte durchaus weiter erklärt werden können. Denn in protestantischen Ohren klingt dies abwertend, weil man naturgemäß diese Aussage im Kontext des reformatorischen und eben nicht des katholischen Kirchenverständnisses auffasst. Was Kirche im „eigentlichen Sinne“ ist und woran man sie erkennt, das war der Kern des Streites im sechzehnten Jahrhundert. Deshalb können die Protestanten vom eigenen normativen Kirchenbegriff ausgehend, die katholische Kirche, die vom Papst und den Bischöfen in Einheit mit ihm geleitet und repräsentiert wird, nicht als die Kirche im eigentlichen und wahren Sinne ansehen, denn sonst hätten sie keinen Widerspruch zur katholischen Glaubenslehre eingelegt und müssten sich sofort wieder der katholischen Kirche anschließen (vgl. Confessio Augustana 7; 8). Nur auf den ersten Blick sind die Protestanten toleranter und weitherziger als die Katholiken. Sie erkennen die katholische Kirche heute an als eine unter vielen möglichen Manifestationen der eigentlich, das heißt, dem Wesen nach unsichtbaren, verborgenen Kirche als Gemeinschaft aller Gerechtfertigten, die allein Gott kennt, aber eben nicht als die eine Kirche Christi, die Kraft der Fülle der Wahrheit und der Heilsmittel in der katholischen Kirche verwirklicht ist (Lumen gentium 8). Sie verneinen in ihrem Bekenntnis immer noch die für den katholischen Glauben konstitutiven Lehren von der Sakramentalität der Kirche, von den sieben Sakramenten, vom sakramentalen Ordo des Bischofs- und Priesteramtes, vom Petrusdienst im Sinne des I. und II. Vatikanums, und anderen.

Krankt der ökumenische Dialog am moralischen Druck des Gekränktseins und der gegenseitigen Beschuldigungen?

Es gibt einige, die Gekränktsein spielen, um der Gegenseite ein schlechtes Gewissen zu suggerieren und zugleich um die Gegenseite zu spalten. Wer möchte schon als der Hardliner und Erzkonservative in den Medien verschrien sein? Die ökumenischen Gesprächspartner auf orthodoxer wie auf evangelischer Seite, mit denen ich es in den vielen Dialogen und Begegnungen zu tun habe, zeigen aber immer wieder eine schöne Bereitschaft, sich von den unterschiedlichen Voraussetzungen her zu begegnen und uns als Katholiken besser zu verstehen. Ich habe in den vielen Jahren als Ökumene-Beauftragter der DBK viele gute Gespräche erleben dürfen wie auch die Einheit in der Sorge um ein gemeinsames Zeugnis gegenüber der Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit eines Lebens ohne Gott, Christus und den Heiligen Geist.

Wie würden Sie die Grenzen der „ökumenischen Höflichkeit“ (Aladár Gajáry) definieren? Worin sehen Sie eindeutige Verstöße?

Höflich und anständig miteinander umgehen sind bürgerliche Tugenden. Manchmal verbirgt sich unter der Gestalt des höflichen Überhörens von antikatholischen Spitzen und Aggressivitäten nur die feige Angst vor dem Eklat oder von einem emotionalisierten Publikum ausgebuht zu werden. Jeder hat gerne die Lacher und Klatscher auf seiner Seite. Wichtiger ist es aber, die besseren Argumente auf seiner Seite zu haben. Wir wollen als Christen tiefergehend im Geist der Nächstenliebe und im Respekt vor dem Gewissen des Anderen brüderlich miteinander umgehen. Wer wirklich von seinem katholischen beziehungsweise evangelisch-reformierten Glauben überzeugt ist, der kann es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, die gegenteilige Position als intellektuell minderwertig oder ihren Vertreter als moralisch verkommen hinzustellen. Deshalb kann man auch die Unterschiede oder Gegensätze dem Partner von den eigenen Voraussetzungen her verständlich machen, ohne ihm persönlich böse zu sein, wenn dieser etwa im Verständnis des Abendmahls oder der Eucharistie zu anderen Überzeugungen gelangt, die er in seinem Wahrheitsgewissen allein vor Gott zu verantworten hat. Dies gilt etwa für den Bezug von Kirchengemeinschaft und Eucharistie beziehungsweise Abendmahlsgemeinschaft, der unterschiedlich gesehen wird und folglich andere Bedingungen für die Zulassung mit sich bringt.

War die innerkatholische Debatte um Dominus Iesus ein Generationenkonflikt? Haben/hatten junge Theologen heute ähnliche Schwierigkeiten mit dem Text wie die Konzilsgeneration?

Die Wahrheit ist unmittelbar zu jeder Generation. Unterschiede gibt es vielleicht und teilweise im Bezug auf den antirömischen Affekt, der bei uns von einem unappetitlichen Größenwahn deutschtümelnd eingefärbt ist. Übrigens schon im 19. Jahrhundert, als man sich doch ganz seiner „nationalen Größe“ bewusst wurde und sich für besser als der Rest der Welt hielt. Parallelen zum Kulturkampf damals lassen sich sicherlich auch für unsere heutige Zeit ausmachen (vgl. die aufschlussreiche Arbeit von Manuel Borutta, Antikatholizismus, Göttingen 2010).

Wir aber sollen für das Geschenk dankbar sein, dass sich die pfingstliche Vielfalt der Sprachen und Kulturen in der einen weltweiten katholischen Kirche verwirklicht. Animositäten gegen alles was von „Rom“ kommt, schaden dem Ganzen und schlimmer noch: Wem die katholische Weite fehlt, bleibt in seiner provinziellen Enge gefangen. Er schottet sich bewusst ab. Einen Sonderweg einer national-deutschen Kirche mit einer nur lockeren Verbindung zu Rom wird es nicht geben. Nichts schadet der katholischen Kirche in Deutschland so sehr, wie die Träume von einer „deutschen Kirche“. Es gilt das Wort des heiligen Augustinus: „securus iudicat orbis terrarum“ – „ruhevoll urteilt der Erdkreis, gut können die nicht sein, die sich, in irgendeinem Winkel des Erdkreises, vom Erdkreis abtrennen.“

Welche Denkanstöße gibt der Diskurs über Dominus Iesus für die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Wahrheitsfrage?

Das Lehramt ist mit Dominus Iesus seiner Pflicht nachgekommen. Es hat auf die Aushöhlung des Christusglaubens durch die pluralistische und relativistische Religionstheorie von der bloß moralischen Bedeutung aller Religionen aufmerksam gemacht. Wer den Menschen für wahrheitsunfähig erklärt, setzt ihn herab und erklärt die Vollendung des menschlichen Geistes in der Erkenntnis und Liebe des dreieinigen Gottes für unmöglich. Der Preis, den wir für die Diktatur des Relativismus zu bezahlen haben, ist das Scheitern des Menschen in seiner geistig-moralischen Existenz und am Ende eine politische oder mediale Herrschaft von Menschen über Menschen. Der Glaube an Gott bewahrt uns vor allen Totalitarismen. Gottes Wahrheit allein macht uns frei. In der Tat ist es nur ein genialer Propagandatrick, wenn den Gläubigen Gewalttaten im Namen der Religion als notwendige Folge der Anerkennung des einen und wahren Gottes in Jesus Christus zur Last gelegt wird. Wie viel mehr Gewalt gab und gibt es im Namen des polytheistischen oder des relativistischen Agnostizismus, wenn er mit politischen Zwangsmitteln und der modernen Taktik eines medialen mainstreaming durchgeführt wird und damit „die wahre und volle Befreiung der Menschheit“ (Gaudium et spes 22) zur Erkenntnis Gottes negiert wird? Die Geschichtsbücher des 19. und 20. Jahrhunderts sind voll mit Belegen für das Scheitern jeder Form von Atheismus und des Humanismus ohne Gott (Henri de Lubac). Der Relativismus ist nichts weiter als eine Spielart des offenbarungsfeindlichen Naturalismus. Wo Gott ignoriert oder negiert wird, bleibt die furchtbare Wahrheit übrig: homo homini lupus (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf). Im Licht der Liebe Gottes, der seinen eigenen Sohn für uns dahingegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (Joh 3, 16), trägt diese Erkenntnis den Sieg davon: homo homini amicus. Der Mensch ist dem Menschen ein Freund, weil Gott sich mit seiner Güte dem Menschen freundlich zuwendet: in Jesus Christus, in dem wir das ewige Leben erhoffen (vgl. Tit 3, 7).