Nikodemus Schnabel: Kirchenvertreter müssen an Umgang mit Medien arbeiten

Theologen und Kirchenleute benutzten gern eine ausgefeilte Sprache, meint der Benediktinerpater. Doch müsse man sich fragen, ob man die Leute damit erreichen und mitnehmen könne.

Pater Nikodemus Schnabel
„Wir benutzen gerne drei theologische Begriffe in einem Satz - und müssen uns fragen, ob wir die Leute damit noch mitnehmen und erreichen", so der Benediktinerpater Schnabel. Foto: Corinna Kern (dpa)

Pater Nikodemus Schnabel, Sprecher der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem ist der Meinung, dass Kirchenleute an ihrer Sprache im Umgang mit Medienvertretern arbeiten müssen. „Als Theologen und Kirchenleute haben wir eine sehr ausgefeilte Sprache, die auch richtig ist – aber oft unverständlich“, äußerte sich Schnabel im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

"Sind Begriffe wie Erlösung und Gnade noch gefüllt?"

Begriffe wie Erlösung oder Gnade seien zwar wichtig und zentral. „Aber sind sie noch gefüllt?“, fragte der 39-Jährige, der vor 15 Jahren in die Dormitio-Abtei eintrat. „Wir benutzen gerne drei theologische Begriffe in einem Satz - und müssen uns fragen, ob wir die Leute damit noch mitnehmen und erreichen.“

Auf die Frage, wie sich dies ändern könne, antwortete der Benediktinerpater, dass er zwei „Lager“ in der kirchlichen Medienlandschaft sehe. Manche probierten Dinge aus nach dem Motto „komm, wir schauen mal“. Die Gefahr, dass man sich fragen, ob ein Mönch, ein Priester oder eine Nonne sich so verhalten oder ausdrücken sollten, nähmen sie dabei in Kauf.

Andererseits sehe er Leute mit einer gewissen Ängstlichkeit, „manchmal auch der berechtigten Frage, ob Angebote zu anbiedernd sind“. Sich in diesem Punkt auch einmal schmutzig zu machen, sei durchaus im Sinne von Papst Franziskus.  „Er sagt ja, wir sollen an die Ränder gehen, und dass ihm eine verbeulte Kirche lieber ist als eine, die an ihrer Verschlossenheit und Bequemlichkeit krankt.“

Mangelnde Kompetenz im Umgang mit Religion

Den säkularen Medien attestierte Schnabel eine mangelnde Kompetenz im Umgang mit Religion. Er habe das Gefühl, dass es bei religiösen Themen zum guten Ton gehöre, nicht genau Bescheid zu wissen. „Da wird gerne vergröbert.“ Doch auch Religion sei ein Thema, in das man sich einarbeiten müsse.

Hinter der Dormitio-Abtei, die Schnabel bis Anfang des Jahres übergangsweise leitete, liegen unruhige Zeiten. Übergriffe extremistischer Juden auf nichtjüdische Stätten mehrten sich zunehmend, auch die Abtei wurde dabei wiederholt zum Ziel von Vandalismusakten. Unter anderem wurde im Mai 2014 kurz nach dem Besuch Papst Franziskus im benachbarten Abendmahlssaal in der Klosterkirche Feuer gelegt. Im Juni 2015 verübten radikale jüdische Siedler einen Brandanschlag auf das zugehörige Kloster Tabgha am See Genezareth, bei dem zwei Personen leicht verletzt und Teile des Baus zerstört wurden. Es entstand Schaden in Millionenhöhe.

DT/mlu

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