Nicht verfassungskonform?

Meyer fordert Überprüfung der Schulen der Piusbruderschaft

Bonn (DT/KNA) Nach der Aufregung um die traditionalistische Piusbruderschaft geraten jetzt deren Schulen in Deutschland ins Blickfeld. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, forderte am Dienstag eine Überprüfung der bundesweit vier Schulen der Priesterbruderschaft. Das nordrhein-westfälische Schulministerium kündigte an, es werde das Gymnasium der Piusbruderschaft in Ruppichteroth-Schönenberg überprüfen. Meyer sagte im SWR, wenn in diesen Schulen Grundsätze vertreten würden, die nicht mit der freiheitlichen Verfassungsordnung in Einklang seien, müssten sie verboten werden. Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn verlangte ein Ende der staatlichen Subventionen für diese Schulen.

Nach Recherchen von „Report Mainz“ erhielt die Bruderschaft für ein Gymnasium, eine Realschule und zwei Grundschulen für 2007 insgesamt 1, 1 Millionen Euro vom Staat. An den Schulen herrsche ein straffes Regime: Rockzwang für Mädchen, Turnschuhverbot für Jungen. Fernsehen sei strikt untersagt, Rock- und Popmusik seien tabu. Die Jugendzeitschrift „Bravo“ dürfe von den Schülern nicht gelesen werden, hieß es. Die vom Vatikan nicht anerkannte Bruderschaft betreibt ein Mädchen-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Schönenberg, eine Realschule und eine Grundschule in Saarbrücken sowie eine weitere Grundschule im oberschwäbischen Göffingen.

Ein Sprecher des NRW-Schulministeriums sagte in Düsseldorf, bereits in den vergangenen Tagen sei das Ministerium durch die kirchenpolitischen Ereignisse sensibilisiert worden. Erste Prüfungen hätten aber keine Beanstandungen ergeben. Beschwerden von Eltern oder Außenstehenden gebe es nicht. Dennoch würden die zuständigen Behörden jetzt genau prüfen, ob die Lehrtätigkeit an dem Gymnasium mit der Länderverfassung und dem Schulgesetz in Einklang stehe. „Mit Wohlwollen“ habe das Ministerium die Stellungnahme zur Kenntnis genommen, in der sich das Gymnasium von jeglicher Form von Antisemitismus distanziere, so der Sprecher. Dies sei ein „wichtiges Signal“. Auf ihrer Homepage distanziert sich die Schule „ganz ausdrücklich und scharf von jeder Form der Leugnung und Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen, insbesondere des Holocaust“. Solches habe „nie zum hier gelehrten Gedankengut gehört“. Vielmehr sei die „kritische Auseinandersetzung mit dem kirchenfeindlichen und menschenverachtenden Nationalsozialismus und die Kenntnis über die Folgen der NS-Diktatur“ Bestandteil des Unterrichts. Das Sankt-Theresien-Gymnasium wurde 1991 von der Priesterbruderschaft Pius X. als Mädchenschule mit Internat gegründet. Träger ist der Don-Bosco-Schulverein, dessen Schulen „vom Geist der traditionellen katholischen Glaubenslehre leben“, wie es auf der Internetseite heißt. Besonderer Wert werde dabei „auf Ehrfurcht vor Gott und den Nächsten, Disziplin, Höflichkeit, Ordnung und die Vermittlung der abendländischen Kultur“ gelegt.

Der Distriktobere der Priesterbruderschaft in Deutschland, Pater Franz Schmidberger erklärte am Mittwoch zu den Vorwürfen: „Mit Bestürzung und großer Befremdung haben wir von den Vorwürfen des Herrn Meyer Kenntnis genommen. Hätte er sich im Vorfeld informiert, wüsste er, dass sämtliche Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in den Bundesländern NRW, Saarland, Baden-Württemberg seit ihrer Gründung unter der Aufsicht der jeweiligen Kultusministerien stehen und den staatlichen vorgegebenen Lehrplänen folgen. Insofern sind die Aussagen von Herrn Meyer geradezu ein Affront für die zuständigen Ministerien.“ Die Schulen der Bruderschaft werden Schmidberger zufolge nicht nur von Gläubigen aus dem Umfeld der Piusbruderschaft besucht, sondern auch von anderen Katholiken und evangelischen Christen.