Nicht auf die lange Bank schieben

Bischöfe richten Arbeitsgruppe zum Thema wiederverheiratete Geschiedene ein – Keine Entscheidung in Sachen Weltbild. Von Markus Reder

Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: dpa
Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: dpa

Fulda (DT) Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz hat deren Vorsitzender, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, die Bedeutung des Dialogprozesses für die katholische Kirche in Deutschland gewürdigt und das Bemühen der Oberhirten um eine „angemessene Pastoral“ für wiederverheiratete Geschiedenen bekräftigt. Dazu haben die Bischöfe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich ohne zeitliche Vorgaben mit dem Thema befassen soll. Die Arbeitsgruppe soll Aspekte für eine Handreichung ausarbeiten und dem Ständigen Rat vorlegen. „Wir spüren, dass hier eine große pastorale Aufgabe vor uns steht“, betonte Zollitsch am Freitag in Fulda vor Journalisten. Die Bischöfe seien „an dieser drängenden Frage dran“ und wollten sie nicht auf die lange Bank schieben. „Es wird Zeit, dass etwas geschieht“, sagte der Erzbischof. Man wolle aber eine einvernehmliche Lösung finden. Daher werde parallel das Gespräch mit der Glaubenskongregation gesucht. Möglichkeiten einer schnellen Lösung sieht Zollitsch nicht. „Wir müssen auch die mitnehmen, die in dieser Frage anderer Meinung sind.“

Besonderes Augenmerk soll die neue Arbeitsgruppe auch auf arbeitsrechtliche Fragen legen. Dabei gehe es zum Beispiel um kirchliche Angestelltenverhältnisse oder die Mitwirkung von wiederverheirateten Geschiedenen im Pfarrgemeinderat, erläuterte der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Auch der Sprachgebrauch von einem Leben in „struktureller Sünde“ bedürfe der Überprüfung, meinte Zollitsch. Der Arbeitsgruppe gehören die Bischöfe Overbeck (Essen), Tebartz-van Elst (Limburg), Genn (Münster), Bode (Osnabrück), Wiesemann (Speyer) und Ackermann (Trier) an.

Zollitsch nannte den Dialogprozess ein „klares Bild der Hoffnung“ für die Zukunftsentwicklung der Kirche. Der Dialogprozess sei auch für seine Mitbrüder ein Lernprozess. „Wer früher Professor war, muss sich erst mit dem Stuhlkreis zurechtfinden“. Es gebe keine „Kultur der Folgenlosigkeit“. Vielmehr setzten die Bischöfe manche Schritte bereits um. Zu den Handlungszielen, die seitens der Bischöfe in den Gesprächsprozess eingebracht werden sollen, zählen laut Zollitsch neben der Sorge um die wiederverheirateten Geschiedenen die „vermehrte Mitwirkung von Frauen in der Kirche“ und die „Stärkung der Diakonie vor Ort“. Die Bischöfe seien daran interessiert, verstärkt Frauen in kirchliche Verantwortung zu bringen. Diesem Thema sei auch der Studientag der Frühjahrsvollversammlung 2013 in Trier gewidmet.

Auch die Neuregelung des Kirchenaustritts sei Gegenstand der bischöflichen Beratungen gewesen, erklärte Zollitsch. Die Dinge seien nun klar geregelt. Alle Positionen seien mit Rom abgesprochen. Er habe die beschlossene Regelung mit dem Papst persönlich besprochen.

Mit Abschluss der Herbstvollversammlung bezogen die Bischöfe auch Position in der Diskussion um die Einführung des Betreuungsgeldes. Die Bischöfe stellen sich hinter das geplante Betreuungsgeld, fordern aber – anders als der Gesetzentwurf es vorsieht –, dass auch Eltern, deren Kinder öffentlich geförderte Betreuung in Anspruch nehmen, zumindest anteilig in den Genuss dieser Leistung kommen. Dabei handele es sich um eine „Konsensposition“ zwischen Bischofskonferenz und deutschem Caritasverband.

Viele Familien nutzten einen Betreuungsmix; sie dürften nicht völlig vom Betreuungsgeld ausgeschlossen werden, hob Zollitsch hervor. Der Staat solle Eltern aber eine echte Wahlmöglichkeit bieten und nicht nur Anreize für ein bestimmtes Betreuungsmodell setzen. Der Freiburger Erzbischof erinnerte an ein Modell katholischer Verbände, allen Eltern mit Kindern unter drei Jahren eine Anschlussleistung an das Elterngeld in Höhe von 300 Euro zu gewähren. Zollitsch verwies auf Erkenntnisse von Entwicklungspsychologen, nach denen insbesondere die ersten beiden Lebensjahre für die Bindungsfähigkeit und die Entwicklung der Kinder eine entscheidende Bedeutung hätten. Laut Gesetzentwurf der Bundesregierung können Eltern ab 2013 für Kinder im zweiten Lebensjahr Betreuungsgeld beantragen. Sie sollen zunächst 100 Euro erhalten. Ab 2014 soll der Zuschuss auch für Zweijährige greifen und dann für alle 150 Euro monatlich betragen. Allerdings sollen es nur jene Eltern erhalten, die für ihr Kind keinerlei öffentlich geförderte Kinderbetreuung in Anspruch nehmen.

Am Rande der Vollversammlung haben die Gesellschafter der Verlagsgruppe Weltbild auch über den Fortgang der beschlossenen Gründung einer Stiftung gesprochen. Entscheidungen gab es in Fulda nicht. Die Satzung der zu errichtenden Stiftung, die nach dem Willen der Bischöfe alleinige Eigentümerin des in die Kritik geratenen Kirchenkonzerns werden soll, sei noch nicht fertig, so Zollitsch. Auch Personalentscheidungen seien noch nicht getroffen. Sie würden „zu gegebener Zeit“ erfolgen.

Mit Blick auf das bevorstehende Jahr des Glaubens und die am 7. Oktober in Rom beginnende Bischofssynode unterstrich Zollitsch die zentrale Rolle der Glaubensweitergabe an die jüngere Generation. Mit einem eigenen Studientag haben sich die Bischöfe in Fulda mit der „Glaubenskommunikation in Religionsunterricht und Katechese“ befasst. Zollitsch nannte es ein besonderes Anliegen der Bischöfe, die Qualität des Religionsunterrichts zu stärken und sich für seinen Erhalt politisch stark zu machen. Außerdem soll die Seelsorge an Schulen ausgebaut werden, damit Schüler über den Unterricht hinaus Erfahrungen mit Religion machen können. Darüber hinaus seien Möglichkeiten der Intensivierung der Kinder- und Jugendkatechese erörtert worden.

Zollitsch zog eine positive Abschlussbilanz der von den Bischöfen eingerichteten Telefonhotline für Heimkinder. Die im Juni abgeschlossene Hotline richtete sich an ehemalige Heimkinder, die zwischen 1945 und 1975 in katholischen Einrichtungen schlechte Erfahrungen gemacht hatten. „Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Arbeit ist dieses Angebot der Kirche nicht länger notwendig, weil unterdessen sehr gute andere Angebote geschaffen wurden“, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz in Fulda. Zollitsch nannte die Hotline einen wichtigen Schritt zur Aufklärung und Aufmerksamkeit. Der Erzbischof wies auch auf das Schicksal von ehemaligen Heimkindern hin, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe untergebracht waren und deshalb nicht die Angebote des Heimkinderfonds in Anspruch nehmen können, der sich auf Betroffene aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe bezieht. „In den Heimen der Behindertenhilfe wird es vermutlich zu ähnlichen Problemen wie in der Heimerziehung der Kinder- und Jugendhilfe gekommen sein“, sagte Zollitsch. Der Freiburger Erzbischof rief dazu auf, diesen Menschen „schnellstmöglich“ vergleichbare Hilfen wie anderen betroffenen Heimkindern anzubieten.