Neustrukturierung von Forschung und Lehre

Vatikandekret eröffnet neue Wege für die Hochschule der Steyler Missionare. Von Barbara Stühlmeyer

St. Augustin (DT) Sofern nichts anderes verfügt wird oder donec aliter provideatur, wie es im Dekret der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vom 3. Juni heißt, wird der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin mit Wirkung zum Studienjahr 2018/19 das Recht entzogen, den akademischen Grad des Magisters beziehungsweise der Magistra zu verleihen. Der Vatikan entschied sich damit für einen zukunftsweisenden Weg, der die Bedürfnisse der Steyler Missionare ebenso in den Blick nimmt, wie die der Studierenden, des Erzbistums Köln und der deutschen Bischofskonferenz.

Das Provinzialkapitel der Steyler Missionare hatte bei seinen Überlegungen zur Schwerpunktsetzung für die nächsten Jahre aufgrund des personellen und finanziellen Aufwandes sowie der gewünschten Fokussierung auf Neuevangelisierung, Apostolat, Engagement für Arme und Migranten ursprünglich eine Schließung der Hochschule in den Blick genommen und einen entsprechenden Antrag gestellt. Die darauffolgenden zahlreichen Reaktionen von Studierenden, aus der Gesellschaft, dem Erzbistum Köln und der Deutschen Bischofskonferenz führten in einem vom Vatikan moderierten mehrjährigen Konsultationsprozess dann zu der nun gefundenen Lösung. Auf die Frage: „Sind die Steyler Missionare mit der Entscheidung des Vatikan zufrieden?“ antwortet Provinzial Martin Üffing im Gespräch mit dieser Zeitung: „Die Steyler Missionare beginnen jetzt, sich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen. Sie zeigt Wertschätzung und Vertrauen und ist eine große Herausforderung für uns – die Zeichen der Zeit zu sehen, darauf zu reagieren und sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren, gleichzeitig aber die konkrete Zusammenarbeit mit anderen zu suchen.“

Da nur einer von drei Studiengängen geschlossen wird, werden Studierende im Fach Theologie in St. Augustin weiterhin mit dem Lizenziat oder der Promotion abschließen können. Zugleich werden die theoretischen und praktischen Schwerpunkte durch eine engere Einbeziehung der Dozenten für Missionstheologie am bisherigen Missionswissenschaftlichen Institut, für Sinologie und Religionswissenschaften am Institut Monumenta Serica sowie für Kulturanthropologie und Ethnologie am Anthropos Institut neu gesetzt werden. „Theoretisch“, so Üffing, „wird es um die Themen ,Mission‘, ,Religionen‘ und ,Kulturen‘ gehen – Einführungen und Vertiefungen in die vielfältigen Bedeutungen in Geschichte und Gegenwart und um Fragen nach Konsequenzen für das christliche Selbstverständnis – auf dem Boden unserer eigenen christlichen Identität.

Praktisch geht es um die Vermittlung dieser Themen, um Anregungen für Wege respektvoller und dialogischer Mission in verschiedenen Situationen/Kontexten heute. Es wird gehen um Multi- und Interkulturalität – um das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen in unserer Zeit und um Fragen, wie das gelingen kann. Es geht darum, Mission, Kulturen und Religionen zu lernen und kennenzulernen, um so zu echten Begegnungen, zu gemeinsamem Einsatz und zu christlichem Zeugnis fähig zu sein.“

Das Vatikandekret wird ohne Zweifel zu einer stärkeren Fokussierung führen. Üffing erläutert: „Die Philosophisch-Theologische Hochschule wird sicher noch kleiner werden, als sie es schon ist, aber klar konzentriert auf die Schwerpunkte der Profilierung „Mission, Religionen, Kulturen“. Die Steyler wissenschaftlichen Institute werden zu tragenden Säulen der künftigen Hochschule: das Missionswissenschaftliche Institut für den Bereich „Mission“, das Anthropos Institut für die Bereiche „Kultur, Kulturen, Interkulturalität“, sowie das Institut Monumenta Serica für die Bereiche „China, Sinologie“ sowie „chinesische Religionen, asiatische Religionen, Religionswissenschaft“.

Nach Absolvierung des Grundstudiums an einer anderen theologischen Hochschule können Studierende ihre Kenntnisse in St. Augustin so in den Bereichen Mission, Kulturen, Religionen und deren Auswirkungen auf andere Bereiche der Gesellschaft erweitern. „Am Ende“, erläutert Üffing, „geht es auch um die Frage nach Gott und dem Gottesbild und nach dem Vorbild der Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus – so wie er, das Göttliche Wort – in eine konkrete Kultur und Religion hineingeboren wurde, so haben auch wir uns als „ihrem Wesen nach missionarische Kirche“ (Ad Gentes 2, Vat II) mit Kulturen und Religionen der Menschen auseinanderzusetzen, damit Gott immer neu Mensch wird…“ Die Frage nach der Kooperation mit anderen theologischen Fakultäten ist noch offen. „Das Dekret wurde gestern veröffentlicht“, so der Provinzial, „es gibt noch keine konkreten Pläne. Wir werden einen Prozess beginnen, an dem möglichst viele von unserem Campus teilnehmen sollen und in dessen Verlauf wir nach Kooperationen mit anderen suchen werden.“

Auf die Frage „Können Sie durch die Neuorientierung zum Motor für eine Neustrukturierung des Theologiestudiums insgesamt werden?“ antwortet Üffing, Professor für Missionswissenschaften und Fundamentaltheologie, zurückhaltend: „Das wäre vielleicht zu viel, aber wir können durch unsere Schwerpunkte Akzente setzen und das vielleicht noch einmal deutlicher tun: gerade die praktischen und interkulturellen Dimensionen der Theologie noch einmal auf besondere Weise zu unterstreichen.“ Entschieden ist seine Antwort auf die Frage „Welche Melodie bringen Sie in die theologische Sinfonie ein?“: „In Asien spricht man von „Harmonie“ als dem Ziel von Mission. Wir möchten dieses Ziel mit einbringen: harmonisches (und das ist nicht oberflächlich, sondern geht in die Tiefe!) Zusammenleben mit Anderen unter Wahrung der eigenen Identität – immer wieder Dialog, Zeugnis…“ Von der Neustrukturierung der Studiengänge in St. Augustin werden am Ende viele profitieren, denn es wird um Kernthemen gehen, die der Kirche in Europa heute auf den Nägeln brennen wie die Begegnung mit kirchenfernen Menschen und die Platzierung christlicher Themen in einer nicht mehr an den Grundwerten des Christentums orientierten Welt.