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Glaubensschule: Bistum Limburg eröffnet Bischof-Blum-Kolleg

V. li.: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Assistent des Kollegs Thomas Lütkemeier und Pfarrer Christof May, Geistlicher Rektor des Bischof-Blum-Kollegs. Foto: Bistum Limburg
V. li.: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Assistent des Kollegs Thomas Lütkemeier und Pfarrer Christof May, Geis... Foto: Bistum Limburg

Limburg (reg) Die Charismen in den Pfarrgemeinden zu fördern ist das Ziel des Bischof-Blum-Kollegs, einer neuen diözesanen Glaubensschule des Bistums Limburg. Sie wurde am Sonntag in der Domstadt vor gut hundert Vertretern der Pfarrgemeinderäte eröffnet. Zum Auftakt der Kreuzwoche verwies der Geistliche Rektor des Kollegs, Pfarrer Christof May, auf den im Apostolischen Schreiben „Novo Millenio ineunte“ von Johannes Paul II. formulierten Auftrag, „die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen“. May zufolge soll das im Limburger Priesterseminar angesiedelte Bischof-Blum-Kolleg Christen für den Glauben auskunftsfähig machen. Das Programm richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche der „Pfarreien neuen Typs“ und sieht drei Stufen vor. Der Grundkurs besteht in der Teilnahme an einer Bistumswallfahrt ins Heilige Land, an den sich ein eineinhalbjähriges Curriculum anschließt. An sechs Wochenenden können die Teilnehmer ihre Beziehung zu Gott vertiefen und den Glauben neu entdecken. Schließlich sollen Einzelveranstaltungen das Bischof-Blum-Kolleg im Bistum verwurzeln und geistliche Angebote schaffen.

Mit der Einrichtung des Bischof-Blum-Kollegs will das Bistum Limburg über die Kategorie der flächendeckenden Pastoral hinausdenken und Multiplikatoren schaffen. Mit Nachdruck erklärten die Verantwortlichen bei der Eröffnung, keine Konkurrenz zu bestehenden kirchlichen Bildungsangeboten anzustreben. „Wir wollen Türöffner sein“, erklärte Pfarrer May. Das Bistum hat sich bei der Gründung des Kollegs unter anderem von der Frühgeschichte des Christentums inspirieren lassen. May verwies auf die frühen Christen, die Netzwerke aufgebaut hätten. „Der Netzwerkgedanke vermag es, die Dinge gelassener anzugehen und manche Angst vor der Zukunft des christlichen Glaubens zu nehmen“. Ziel des Bischof-Blum-Kollegs sei nicht die Frage der Quantität katholischer Christen in einem Pastoralen Raum oder dem Bistum – Ziel sei die Qualität christlichen Lebens. „Wir müssen zunächst selbst wieder die Freude am Glauben und seiner Anziehungskraft entdecken, uns dann auf den Weg zu den Menschen machen, damit auch sie Christus nachfolgen können“, stellte der Geistliche Rektor fest. Der Schule des Glaubens, des Gebetes und der Gemeinschaft komme die Aufgabe zu, „die Gläubigen aus der Lähmung von ständigen Bedenken und Problematisierungen zu befreien und sie wieder an den Glauben zurück- beziehungsweise heranzuführen“. Wo das christliche Selbstbewusstsein in Einheit mit den Apostelnachfolgern gepflegt werde und wachse, erlebten die Gläubigen eine Stärkung für den Alltag.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erinnerte an die Vorbildrolle Bischofs Peter-Joseph Blums (1808–1884). Bei Blums Amtsantritt im Jahr 1842 waren infolge der Säkularisation viele Gemeinden priesterlos. So wie Blum im neunzehnten Jahrhundert nach den Zeichen der Zeit geforscht habe, müssten sich die Gläubigen heute fragen, was im Sinne des Zweiten Vaticanums noch zeitgemäß sei. Das Bischof-Blum-Kolleg wolle „Kniebank und Schulbank zusammenbringen“, ohne deswegen rückgewärtsgewandt zu sein. Wörtlich erklärte Bischof Tebartz-van Elst: „Es geht nicht um Restauration, sondern um Innovation. Die Frage, wie wir missionarisch Kirche sein können, dürfen wir nicht auf die lange Bank schieben.“

Das anschließende Gespräch mit Vertretern der synodalen Gremien bestätigte, dass keine Zeit mehr zu verlieren ist. Wie junge Leute für die Mitarbeit in den Pfarrgemeinde gewonnen werden können und wie Haupt- und Ehrenamtliche besser zusammenarbeiten können waren Fragen, mit denen sich viele Vertreter der Räte beschäftigen. Kritische Stimmen gab es zum Sitzungskatholizismus, viel Lob hingegen für die Heilig-Land-Reise als Einstieg in das Bischof-Blum-Kolleg. Ein Teilnehmer bilanzierte, es fördere die christliche Gemeinschaft mehr, „gemeinsam den Glauben zu erleben, als gemeinsam zu beraten“.