Mut machen, Großes zu leisten

Mehrere tausend Besucher kamen zum ersten Dortmunder Katholikentag

Dortmund (DT) „Da berühren sich Himmel und Erde...“, diese Zeile aus dem Abschlusslied des „Regenbogen“-Konzertes war Leitmotiv des ersten großen Katholikentreffens in der Ruhrgebietsstadt. Doch auch der Name „Regenbogen“ wäre ein durchaus passendes Motto gewesen: Denn vielfarbig und vielgestaltig zeigte sich das Gesicht der katholischen Kirche in der größten Stadt des Erzbistums Paderborn. Es gab Foren zu verschiedenen pastoralen, sozialen und ethischen Themen: „Schwanger nur auf Probe? Zu Risiken und Nebenwirkungen der Pränataldiagnostik“ – „Ist meine Gemeinde noch zu retten? – zur Pastoral der Zukunft“ oder „Kirche heute – Familien heute“.

Daneben aber bot der Katholikentag allen kirchlichen Gruppen die Möglichkeit, Präsenz zu zeigen: angefangen von der Caritas und vom Familienbildungszentrum bis hin zu Jugend- und Obdachloseninitiativen auf Gemeindeebene. An zahlreichen Infoständen rund um die Propsteikirche und auf dem zentralen Hansaplatz entwickelten sich intensive Gespräche mit den Besuchern – insgesamt kamen mehrere tausend Menschen zum ersten Dortmunder Katholikentag.

Nach den Strukturreformen ein Moment der Neubesinnung

Die Idee dazu ist gewachsen im Katholischen Stadtgremium, der Vertretung der Laien in der katholischen Stadtkirche Dortmunds. Nachdem die kirchlichen Strukturreformen im Erzbistum Paderborn auch in der Großstadt Dortmund zu erheblichen Veränderungen geführt haben – ursprünglich vier Dekanate wurden zu einem einzigen Dekanat zusammengeschlossen – hielt es das Stadtgremium für angezeigt, eine neue Standortbestimmung vorzunehmen – am besten bei einem Treffen aller Dortmunder Katholiken.

„Ein solche Begegnung ist uns wichtig, damit wir zu einer neuen gemeinsamen Identität der Kirche in unserer Stadt finden können“, erklärte der Dortmunder Stadtdechant, Propst Andreas Coersmeier. Die Vorbereitungszeit sei knapp gewesen – ein Jahr: „Wenn man bedenkt, dass wir heute gut 130 Veranstaltungen haben, dass sich 700 ehrenamtliche Mitarbeiter für diesen Tag zur Verfügung gestellt haben, zeigt das, wie viel Kraft und Fantasie in unseren Gemeinden und kirchlichen Verbänden steckt.“

Unterstützung erhielt die Dortmunder Stadtkirche auch von der Bistumsleitung in Paderborn. Der stellvertretende Generalvikar, Monsignore Thomas Dornseifer, zugleich Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste, unterstrich, dass er „spontan zugesagt“ habe, als er von Propst Coersmeier zum Katholikentag eingeladen wurde: „Ich habe auch gesagt: Wenn ich komme, dann den ganzen Tag. Ich will dieses Ereignis in Gänze erleben.“ Er hoffe, so Monsignore Dornseifer, auf eine Fülle neuer Anregungen für die Zukunft der Pastoral. „Die eigentlichen Strukturreformen sind ja in unserem Bistum soweit abgeschlossen: Es gibt die Pastoralverbünde, es gibt die neuen Dekanatsstrukturen.“ Jetzt müsse das Ganze mit Leben erfüllt werden.

Könnte der Dortmunder Katholikentag Modellcharakter haben für andere Großstädte – mit vergleichbaren sozialen und pastoralen Problemen? „Von Dortmund wird sicher ein Impuls ausgehen“, so Thomas Dornseifer. „Dortmund zeigt ja, wie in einem Großstadt-Gebilde – es ist unser größtes Dekanat im Erzbistum mit rund 270 000 Katholiken – so etwas wie eine Einheit in der Vielfalt im Wachsen begriffen ist. Und ich glaube, der Dortmunder Katholikentag kann Christen in anderen großen Städten Mut machen, weil er zeigt, dass es möglich ist, aus den Gemeinden heraus, unter Bündelung vieler Kräfte, Großes zu leisten.“ Das Zusammenführen der Menschen sei entscheidend: „Und ich hoffe sehr, dass auch in Städten wie Berlin und Hamburg Christinnen und Christen zur Begegnung miteinander finden – damit wir über unseren Glauben reden und ihn nicht nur hinter Mauern still und allein für uns feiern.“

Dass sich die Kirche in Dortmund nicht hinter Mauern zurückzieht, sondern ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist, deren Stimme auch von politisch Verantwortlichen gehört und geschätzt wird, zeigte die Anwesenheit von Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer beim Katholikentag. Er war Teilnehmer eines Podiums zum Thema „Armes Dortmund?! Herausforderungen für Christen in unserer Stadt“. Zur Gesprächsrunde gehörten auch Caritas-Pfarrer Michael Ortwald und der Direktor des katholischen Sozialinstituts Kommende, Prälat Peter Klasvogt. Der Oberbürgermeister nutzte die Gelegenheit, um das Konzept des gerade angestoßenen Aktionsplans „Soziales Dortmund“ zu erläutern. Mit diesem auf mehrere Jahre hin angelegten Programm sollen bestimmte – als „reformbedürftig“ erkannte – Dortmunder Stadtbezirke gezielt gefördert, zugleich auch die schon bestehenden Initiativen und Projekte gebündelt werden.

In den Aktionsplan sind alle Gruppen der Gesellschaft mit einbezogen, auch Pfarrgemeinden und Sozialverbände beider Kirchen. Oberbürgermeister Langemeyer stellte fest: „Der traditionell sehr enge und nachhaltige Dialog verschiedener gesellschaftlicher Kräfte in unserer Stadt trägt wesentlich zur Problemlösung bei. Denn Politik allein ist nicht in der Lage, die Her-ausforderungen für die Zukunft zu bewältigen. Gerade wenn es um langfristige soziale Prozesse geht, sind die Erfahrungen, das ,Know-how‘ der Kirchen einfach unverzichtbar.“

„Da berühren sich Himmel und Erde“ – Kirche und Stadt in Dortmund arbeiten zusammen, um Menschen in Not zu helfen. Das vor allem war die Botschaft dieses Katholikentags. Internationale Verstärkung erhielt er übrigens durch einen Gast aus Frankreich: Aus Amiens, der Dortmunder Partnerstadt, war Dompfarrer Dominique-Marie Dupré angereist. Seine Ausführungen machten deutlich: Dortmund als Großstadt, Paderborn als deutsche Diözese, stehen nicht allein da – die Kirche in Frankreich hat mit ganz ähnlichen pastoralen und sozialen Herausforderungen zu kämpfen. Ein Resümee dieses Katholikentags von Kommende-Direktor Peter Klasvogt lautete: „Dort wo wir als Christen leben, müssen wir uns als Volk Gottes für die Menschen einsetzen“.