Mit weitem Herzen leiten

Was Papst Johannes Paul II. zum barmherzigen Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten festhielt

Begegnung in Freiheit

Wie ich in dem Apostolischen Schreiben „Familiaris Consortio“ formulierte, können Geschiedene und Wiederverheiratete nicht zur Eucharistischen Kommunion zugelassen werden, „denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht“ (Nr. 84). Und das gerade aufgrund der höchsten Autorität des Herrn, des Hirten aller Hirten, der wie eh und je nach seinen Schafen sucht. Das trifft auch auf die Buße zu, deren zweifache, aber dennoch alleinige Bedeutung von Umkehr und Versöhnung im Widerspruch steht zu den Lebensverhältnissen geschiedener und wiederverheirateter Paare, die es bleiben.

Dennoch gibt es zahlreiche geeignete pastorale Möglichkeiten, um diesen Menschen zu helfen. Die Kirche sieht ihr Leiden und ihre ernsten Schwierigkeiten, in denen sie leben, und in ihrer mütterlichen Liebe kümmert sie sich um sie ebenso wie um die Kinder aus ihrer vorausgehenden Ehe: ihres Geburtsrechts auf die Gegenwart beider Elternteile beraubt, sind sie die ersten Opfer dieses schmerzlichen Ereignisses.

Zunächst ist es dringend notwendig, einen Pastoralplan zur Vorbereitung und rechtzeitigen Unterstützung von Paaren beim Ausbruch der Krise zu erstellen. Die Verkündigung des Geschenkes Christi und das Gebot über die Ehe sind bekannt. Seelsorger, insbesondere Gemeindepfarrer, müssen diese Männer und Frauen mit einem weiten Herzen leiten und unterstützen und ihnen verständlich machen, dass sie – selbst wenn sie den Bund der Ehe gebrochen haben – nicht an der Gnade Gottes verzweifeln dürfen, der über ihren Weg wacht. Ohne Unterlass wird die Kirche „ihre Söhne und Töchter, die sich in jener schmerzlichen Lage befinden, nur dazu einladen, sich auf anderen Wegen der Barmherzigkeit Gottes zu nähern, jedoch nicht auf dem Weg der Sakramente der Buße und der Eucharistie, solange sie die erforderlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt haben“ (Apostolisches Schreiben „Reconciliatio et Paenitantia“, Nr. 34). Die Hirten „sind aufgerufen, die Liebe Christi und die mütterliche Nähe der Kirche spüren zu lassen; sie sollen sich ihrer in Liebe annehmen, sie ermahnen, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen, und ihnen in kluger und taktvoller Weise konkrete Wege der Umkehr und der Teilnahme am Leben der kirchlichen Gemeinschaft aufzeigen“ (Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen, 14. September 1994, Nr. 2). Der Herr wendet sich durch seine Gnade allen Notleidenden zu, denen es sowohl nach der Wahrheit als auch nach dem Öl der Barmherzigkeit verlangt. (...)

Wenn Eheleute aus einer irregulären Situation zur christlichen Praxis zurückkehren, müssen sie mit Barmherzigkeit und Güte empfangen werden, indem man ihnen helfe, durch eine erleuchtete und erleuchtende Seelsorge ihren konkreten Status zu klären.

Auszug aus der Ansprache vor dem Päpstlichen Familienrat vom 24.1.1997

Übersetzung von Katrin Krips-Schmidt