Mit Pilgerbuch und Uniform

57. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes: Tausende beten für den Frieden. Von Maike Müller

Gute Stimmung in der Truppe: Militärbischof Franz-Josef Overbeck und Teilnehmer der Soldatenwallfahrt in Lourdes. Foto: KNA
Gute Stimmung in der Truppe: Militärbischof Franz-Josef Overbeck und Teilnehmer der Soldatenwallfahrt in Lourdes. Foto: KNA

Lourdes (DT/KNA) Blasmusik schallt in den frühen Morgenstunden durch die Straßen des südfranzösischen Wallfahrtsortes Lourdes. Neben Märschen sind auch moderne Lieder wie der Popsong „Happy“ zu hören. Mehr als 15 000 Soldaten aus aller Welt sind der Einladung des französischen Militärbischofs Luc Ravel gefolgt und bestimmen mit farbenfrohen Paradeuniformen oder Tarnanzügen das Stadtbild. Doch neben internationaler Feierstimmung wurden bei der 57. Internationalen Soldatenwallfahrt auch ernste Themen angesprochen. Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck erinnerte etwa an die Situation von Flüchtlingen weltweit; gemeinsam beteten die Soldaten für Frieden und Versöhnung.

Lourdes ist eine Stadt der Gegensätze. Tausende Menschen kommen jedes Jahr in den Wallfahrtsort, wo dem Mädchen Bernadette vor mehr als 150 Jahren in der Grotte von Massabielle die Gottesmutter erschienen sein soll. Sie beten, singen und manche hoffen auf ein Wunder. Das gesungene Ave Maria ist in dem Ort an der Gave allgegenwärtig. Wer durch die Straßen geht, sieht aber auch Geschäfte mit Leuchtreklamen, die sich nahtlos aneinanderreihen. Diese Fanshops des Glaubens bieten alles, was das Pilgerherz begehrt: Madonnenstatuen, Kerzen und natürlich Gefäße, in denen die Gläubigen etwas von dem Wasser, dem heilende Kräfte zugeschrieben werden, mit nach Hause nehmen können. In Lourdes ist alles auf Maria ausgerichtet. Sogar der lokale Radiosender „Virgin“ ist nach der Gottesmutter benannt. Ebenso unterschiedlich wie die Bezirke der Stadt selbst sind auch die Motive der Pilger, wenn im Mai die Internationale Soldatenwallfahrt ansteht.

Ein junger Marinesoldat wird gefirmt

Einer von gut 750 deutschen Teilnehmern ist Oberstabsfeldwebel Franz Niedermüller. Während des Gottesdienstes im Zeltlager mit Militärbischof Overbeck sitzt er zwischen seinen Kameraden aus Fürstenfeldbruck. Der Bischof predigt über die zahlreichen Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen müssen und in Strömen nach Europa kommen. Ein junger Marinesoldat wird später in der Messe das Sakrament der Firmung erhalten. Niedermüller erzählt schmunzelnd von seinem besonderen Anliegen, wenn man ihn auf die gelben Schnüre anspricht, die auch während der Messe flink durch seine Finger gleiten. Als er vor vierzehn Jahren das erste Mal als Soldat nach Lourdes reiste, hatte er auf der Zugfahrt begonnen, aus dicken Bändern Kreuze zu knüpfen. „Ein Kamerad wollte dann eins kaufen. Da kam mir die Idee, das Geld für einen guten Zweck zu spenden.“ Seitdem seien die Kreuze zum Selbstläufer geworden – 20 864 Euro habe er damit bereits für die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ gesammelt. Auch Bischof Overbeck scheint die Idee zu gefallen. Ein gelbes Kreuz mit Pilgerplakette ist sein Geschenk für den Firmling.

Das Ziel für 2016: sich in Lourdes taufen lassen

Auch Charlotte Guiol hat ein Andenken vom Militärbischof bekommen. Stolz zeigt sie ein Autogramm in ihrem Pilgerbuch. Die junge Frau mit Kampfstiefelgröße 38 nimmt zum dritten Mal an der Soldatenwallfahrt teil. Ihr bedeutet vor allem der direkte Kontakt zu den Geistlichen viel. „Die Militärseelsorge akzeptiert dich als Mensch, der du bist. Die Leute erinnern sich an dich“, sagt die 21-jährige Hauptgefreite. Neben Gebeten an der Grotte gefallen der Münchnerin auch die Gottesdienste. „Die Geistlichen haben verstanden, dass Soldaten auch weltliche Probleme haben.“ Die Erfahrung von Gemeinschaft hat die junge Frau geprägt: Im nächsten Jahr will sie sich hier taufen lassen. Nach den spirituellen Erlebnissen am Tag wird es abends dann gelegentlich eher spirituos.

Gut fünfzehn Marschminuten von der Innenstadt entfernt liegt das Zeltlager. Hier feiern die Soldaten abends die internationale Begegnung. Überall werden dann Abzeichen getauscht. Ein paar ganz besondere Mitbringsel haben die Wachen der Schweizer Garde in den Taschen ihrer farbenfrohen Uniformen: Autogrammkarten von Papst Franziskus. Charlotte Guiol hat Glück. Im Tausch für eine Schulterklappe hat sie einen vom Papst gesegneten Rosenkranz bekommen. Dann geht es weiter ins Cafe Royal, das Stammlokal der deutschen Soldaten. Doch die Nacht ist kurz. Schon früh am nächsten Morgen tönt wieder Marschmusik durch die Straßen der Stadt.