Mit Jesus auf neue Weise vereint

Franziskus erinnert beim „Regina Caeli“ an die Bedeutung der Verbindung mit Christus

„Die Gnade des Geistes verwandelt“: Papst Franziskus ermutigt die Gläubigen. Foto: dpa
„Die Gnade des Geistes verwandelt“: Papst Franziskus ermutigt die Gläubigen. Foto: dpa

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus während des Letzten Abendmahls, in dem Augenblick, da er weiß, dass sein Tod nunmehr bevorsteht. Seine „Stunde“ ist gekommen. Zum letzten Mal ist er mit seinen Jüngern zusammen, und so will er ihnen eine Grundwahrheit gut einprägen: Auch wenn er nicht mehr leiblich unter ihnen sein wird, werden sie auf neue Weise weiter mit ihm vereint sein und so reiche Frucht bringen können. Wir alle können mit Jesus auf eine neue Weise vereint sein. Wenn einer dagegen diese Einheit, diese Gemeinschaft mit ihm verlöre, so würde er unfruchtbar werden, mehr noch: schädlich für die Gemeinschaft. Und um diese Wirklichkeit, diese neue Weise, mit ihm vereint zu sein, zum Ausdruck zu bringen, benutzt Jesus das Bild vom Weinstock und den Reben und spricht so: „Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15, 4–5). Mit diesem Bild lehrt er uns, wie wir in ihm bleiben, mit ihm vereint sein können, obgleich er nicht mehr leiblich gegenwärtig ist.

Jesus ist der Weinstock, und durch ihn fließt in die Reben – wie durch den Nährsaft des Baumes – die Liebe Gottes, der Heilige Geist. Ja: Wir sind die Reben, und durch dieses Gleichnis will uns Jesus begreifen lassen, wie wichtig es ist, mit ihm vereint zu sein. Die Reben sind nicht selbstständig, sondern hängen völlig vom Weinstock ab, in dem der Quell ihres Lebens ist. So ist es für uns Christen. Durch die Taufe sind wir in Christus eingepflanzt worden und haben von ihm unentgeltlich das neue Leben empfangen; und wir können so in Leben spendender Gemeinschaft mit Christus bleiben. Es ist notwendig, der Taufe treu zu bleiben und in der Freundschaft mit dem Herrn durch das Gebet, das Gebet aller Tage, durch das Hören seines Wortes und den Gehorsam ihm gegenüber – das Evangelium lesen –, durch die Teilnahme an den Sakramenten, besonders der Eucharistie und der Versöhnung, zu wachsen. Wenn einer innig mit Jesus vereint ist, kommt er in den Genuss der Gaben des Heiligen Geistes, die – wie uns der heilige Paulus sagt – „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ sind (Gal 5, 22–23); und als Folge tut er dem Nächsten und der Gesellschaft sehr gut, er ist ein christlicher Mensch. Wie man an den Früchten den Baum erkennt, erkennt man nämlich an diesen Haltungen, ob einer ein wahrer Christ ist. Die Früchte dieser tiefen Einheit mit Jesus sind wunderbar: Die Gnade des Geistes verwandelt unsere ganze Person: Seele, Verstand, Wille, die Art zu lieben, und auch unseren Leib, weil wir Einheit von Geist und Leib sind. Wir empfangen eine neue Art zu sein, das Leben Christi wird unser Leben: Wir können denken wie er, handeln wie er, die Welt und die Dinge mit den Augen Jesu sehen. Als Folge können wir unsere Brüder und Schwestern lieben, angefangen bei den Ärmsten und Leidenden, wie er getan hat, und sie mit seinem Herzen lieben und so in die Welt Früchte der Güte, der Liebe und des Friedens bringen.

Jeder von uns ist eine Rebe des einzigen Weinstocks; und alle zusammen sind wir berufen, die Früchte dieser gemeinsamen Zugehörigkeit zu Christus und der Kirche zu bringen. Wir wollen uns der Fürsprache der Jungfrau Maria anvertrauen, damit wir lebendige Reben in der Kirche sein und auf kohärente Weise unseren Glauben bezeugen können – Kohärenz von Leben und Denken, von Leben und Glauben –, im Bewusstsein, dass wir alle entsprechend unseren besonderen Berufungen an der einzigen heilbringenden Sendung Christi Anteil haben.

Übersetzung aus dem Italienischen von Armin Schwibach