Missionar in China

Zum Gedenktag des heiligen Josef Freinademetz am 28. Januar. Von Katrin Krips-Schmidt

Missionar in China
Josef Freinademetz. Foto: IN
Missionar in China
Josef Freinademetz. Foto: IN

Josef Freinademetz erblickte in Oies, einem kleinen Weiler in den Südtiroler Dolomiten, als Sohn einer kinderreichen Bauernfamilie am 15. April 1852 das Licht der Welt. 1875 wurde er für die Diözese Brixen zum Priester geweiht. Doch schon bald weckte die Nachricht über das von Arnold Janssen im holländischen Steyl neu gegründete Missionshaus all sein Interesse, und so verließ er mit 26 Jahren zum ersten Mal seine Tiroler Berge. In Steyl stand sein Entschluss fest, als Missionar nach Fernost zu gehen.

Gemeinsam mit einem anderen Steyler Missionar brach er 1879 zur weiten Reise nach China auf, wo er fünf Wochen später in Hongkong eintraf. Von den 140 000 Einwohnern war noch nicht einmal ein Prozent katholisch. Er musste zunächst die fremde Sprache lernen, und mit Krankheiten wie Malaria und Verdauungsstörungen fertigwerden. 1880 hielt er seine erste Predigt auf Chinesisch. Als er zwei Jahre später in Süd-Shantung eingesetzt wurde – wo man ein anderes Chinesisch als das Hongkonger sprach –, gab es zu Beginn seiner Evangelisierung ganze 158 Christen unter der neun Millionen zählenden Bevölkerung der Provinz. Die folgenden Jahre waren von einer mühsamen Aufbauarbeit im Weinberg des Herrn geprägt. Josef Freinademetz wurde von dem für die Missionare zuständigen Bischof nicht nur von einem Ort zum nächsten geschickt – er wurde in der schwierigen politischen Situation auch verfolgt und misshandelt. Dennoch war er durch und durch Missionar, von einem glühenden Eifer erfüllt. In einem Brief an seine Eltern schrieb er: „Ich würde auf die Würde des Missionarsberufes nicht verzichten, auch nicht für die Kaiserkrone!“ Und seinem Bruder teilte er mit: „Ach, dass doch alle unsere Brüder und Schwestern glücklich zu der Pforte des Himmels gelangen mögen, ohne verloren zu gehen in der Sünde und in der Verweltlichung. Ich bitte jeden Tag den Herrn, uns allen eine so schöne Gnade zu schenken.“ Charakteristisch war für Pater Freinademetz, der 1885 die Ordensgelübde abgelegt hatte, nicht nur seine äußere Wandlung. Um das Herz der Chinesen zu erreichen, fing er an, sich wie einer von ihnen zu kleiden, die chinesische Haartracht zu tragen, und sich äußerlich den Sitten und Gebräuchen seines Missionslandes anzupassen. Sogar seinen Namen änderte er und hieß nun „Fu Shenfu“ – „Priester des Glücks“. Aber auch innerlich vollzog sich ein starker Wandel, um sich mit dem von ihm so geliebten Volk zu identifizieren, wie es Papst Benedikt XVI. – der Pater Freinademetz am 5. Oktober 2003 heiligsprach –, bei einem Besuch der Pilgerkirche am Heimatort des neuen Heiligen einmal formulierte: „Der heilige Josef Freinademetz wollte nicht nur als Chinese leben und sterben, sondern auch im Himmel Chinese bleiben. So identifizierte er sich mit diesem Volk, in der Gewissheit, dass dieses sich für den Glauben an Jesus Christus öffnen würde.“

Dass die Laien bei der Evangelisierung eine tragende Rolle spielen müssen, erkannte der Steyler Missionar sehr schnell, und so bezog er sie in seine Arbeit mit ein. Er verfasste einen Katechismus auf Chinesisch, den er für ein grundlegendes Instrument bei der Weitergabe des Glaubens hielt. Sein Motto „Wie wir säen, werden wir ernten“ bewährte sich: Bei seinem Tod am 28. Januar 1908 in Taikia hatte unter seinem segensreichen Wirken die Zahl der Katholiken erheblich zugenommen. Aus den einst 158 Katholiken waren in nur 26 Jahren 40 000 Getaufte und weitere 40 000 Taufanwärter geworden.