Missbrauchsbilanz: Drei Viertel waren Buben

Wien (sb) Die von der Österreichischen Bischofskonferenz eingerichtete „Unabhängige Opferschutzkommission“ hat bisher Betroffenen von Gewalt und Missbrauch im kirchlichen Bereich insgesamt 6, 4 Millionen Euro ausgezahlt und mehr als 15 000 Therapiestunden zuerkannt. Nach offiziellen Angaben der Kommission wurden 1 054 Fälle gemeldet und 537 Fälle entschieden, davon 21 ablehnend. Besonders aufschlussreich ist, dass es sich bei den von Gewalt und Missbrauch Betroffenen in 789 Fällen um Männer, in 265 Fällen um Frauen handelt. Drei Viertel der bisher bekannten Opfer waren also zur Tatzeit Buben. Nach Angaben von Kommissions-Mitglied Brigitte Bierlein, sie ist Vizepräsidentin des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, fanden die Übergriffe zum größten Teil in den 60er und 70er Jahren statt. 456 Opfern habe die Kommission Anerkennungszahlungen zugesprochen, also im Durchschnitt 14 000 Euro pro Opfer. Die 21 abgelehnten Fälle begründete Bierlein damit, dass diese Vorfälle das Ausland betrafen, die Beziehungen im Erwachsenenalter stattfanden, der Vorgang nicht fassbar gewesen sei oder ein Gericht den Fall bereits eingestellt habe. Man habe sich „nicht über ein rechtsstaatliches Verfahren hinwegsetzen“ wollen, sagte Bierlein dem österreichischen Rundfunk. Die noch offenen Fälle will die Kommission bis Ende 2012 abarbeiten. Kommissions-Vorsitzende Waltraud Klasnic sagte, die Kirche habe bisher alle finanziellen Entscheidungen der Kommission akzeptiert.