Minister und Bischof verteidigen Schulkreuze

Regensburg (DT/KNA) Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat im erneut aufgeflammten Streit um Schulkreuze Stellung bezogen. Kruzifixe hätten „als Symbol der christlich-abendländischen Tradition“ weiterhin ihren Platz in bayerischen Klassenzimmern, sagte der Minister am Dienstag auf Anfrage in München. Gebe es darüber Konflikte, müssten diese vor Ort gelöst werden. Er habe aber auch Verständnis für Eltern, die die Entfernung des Kreuzes ablehnten. Am Montag war bekanntgeworden, dass im Regensburger Albertus Magnus Gymnasium auf Antrag eines Schülervaters ein Kreuz im Klassenzimmer seines Sohnes abgehängt wurde. Viele Eltern sind mit der Entscheidung nicht einverstanden. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller feierte am Montagabend mit Lehrern, Eltern und Schülern des Gymnasiums einen Gottesdienst anlässlich des Gedenktags des heiligen Albertus Magnus. Dieser war vor 750 Jahren zum Bischof von Regensburg ernannt worden. In seiner Predigt verteidigte Müller die Präsenz des Kreuzes im öffentlichen Raum. Dabei handle es sich nicht um ein „Zeichen der Vereinnahmung anderer“. Das Kreuz stehe für eine „Zivilisation der Liebe, der Gerechtigkeit, der Solidarität und der menschlichen Würde“ und dafür, dass alle Menschen gerettet werden könnten. Ohne auf den Fall konkret Bezug zu nehmen, sagte der Bischof, Religion sei keine Privatsache und der öffentliche Raum „keine Zone der Nichtglaubenden“. Der Staat schreibe keine Weltanschauung vor, sondern eröffne allen Bürgern die Möglichkeit, mit ihrem Glauben in der Gesellschaft präsent zu sein. In einem pluralistischen Gemeinwesen müsse jeder die innere Toleranz aufbringen, andere anzuerkennen und die Symbole ihres Glaubens zur Kenntnis zu nehmen. „Niemand kann beanspruchen, mit Andersdenkenden niemals in Kontakt zu kommen.“ Kreuze in Schulen sorgen gelegentlich für Streit. 1995 erklärte das Bundesverfassungsgericht ihre verpflichtende Aufhängung in bayerischen Schulen für verfassungswidrig. Trotzdem hängen auch heute in den meisten Klassenzimmern des Freistaats Kruzifixe. Grundlage ist das nach dem Karlsruher Urteil novellierte Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, das eine Widerspruchsregelung enthält. Werden weltanschauliche Vorbehalte gegen das Schulkreuz geltend gemacht, hat die Schulleitung für einen gütlichen Ausgleich zu sorgen. Dabei muss sie die religiösen Überzeugungen aller Schüler einer Klasse berücksichtigen. Gelingt dies nicht, werden die Kreuze in Einzelfällen entfernt.