„Mich neu auf Gott ausrichten“

Weltjugendtag in Madrid: Große Vorfreude auf das internationale Glaubensfest mit Papst Benedikt XVI. Von Matthias Bürgel

Bettina van der Beek
Bettina van der Beek. Foto: Archiv
Bettina van der Beek
Bettina van der Beek. Foto: Archiv

Bettina van der Beek (24) aus Lobberich studiert in Marburg Sprachheilpädagogik. Seit Anfang der Woche ist sie unterwegs nach Madrid und nimmt derzeit an den Tagen der Begegnung in der spanischen Erzdiözese Toledo teil. Matthias Bürgel fragte sie nach ihren Erwartungen.

Bettina, wie kommst Du zum Weltjugendtag?

In erster Linie jetzt über die Gemeinschaft Emmanuel, in der ich seit vier Jahren Mitglied bin. Ich war allerdings auch schon 2005 beim Weltjugendtag in Köln, was mir sehr gut gefallen hat, und wollte deshalb dieses Jahr auf jeden Fall wieder hinfahren.

Du fährst also zusammen mit der Gemeinschaft nach Madrid?

Genau. Normalerweise haben wir immer im Sommer ein Forum in Altötting, wo ich dann auch teilnehmen würde, aber dieses Jahr gibt es nur das Erwachsenen- und Familienforum und das Jugendforum findet international in Toledo statt – eben weil wir zum Weltjugendtag fahren! Und da habe ich mich dann natürlich auch direkt angemeldet...

Zu wie vielen seid ihr unterwegs?

Wir sind mit sieben Bussen aus Deutschland losgefahren und nehmen auch ein paar Niederländer mit, also insgesamt ungefähr 350 Teilnehmer. Wir sind von verschiedenen Abfahrtsorten wie Köln, München, Frankfurt und so weiter aus gestartet und haben uns dann in Fontainebleau, in der Nähe von Paris, getroffen. Während der Fahrt haben wir verschiedene Stopps eingelegt, um die Messe zu feiern und gemeinsam zu essen. Auch in Spanien haben wir auf dem Weg nach Toledo noch einmal eine Unterbrechung eingelegt, um auf einem Teil des Jakobsweges zu gehen und einen ganz kurzen Abstecher zum Strand gemacht. Am Donnerstag sind wir in Toledo angekommen, wo das Vorforum stattfindet. Das gibt es ja eigentlich immer beim Weltjugendtag, auch in den Gemeinden im ganzen Land, dass man sich zu Vorprogrammen trifft. Und von der Gemeinschaft wird das dieses Jahr in Toledo organisiert; dort wird es dann auch schon international. Insbesondere aus Frankreich werden viele junge Leute kommen, aber auch aus Osteuropa und allen möglichen anderen Ländern. Ich persönlich freue mich besonders, dort Freunde aus Italien wiederzusehen.

Wie wird das Vorforum dann organisiert sein?

Es gibt verschiedene spirituelle Angebote und Workshops, aber es gibt auch Zeit, um die Stadt zu besichtigen oder für Begegnungen. Was mir besonders wichtig ist, ist, dass es auch Austauschgruppen gibt, in denen sich jeweils ungefähr zehn Leute täglich treffen. Der Weltjugendtag ist ja eine Riesenveranstaltung, bei der man sich leicht verlieren kann. Schon in Toledo sind mehrere tausend Leute und dann erst in Madrid selbst... – da ist es einfach gut, wenn man trotzdem noch kleine Gruppen hat, in denen man sich auch über das austauschen kann, was man erlebt hat, was einen bewegt, wie es einem geht, und man sich besser kennenlernt. Gerade für die, die vielleicht das erste Mal dabei sind oder noch niemanden kennen, ist das eine schöne Sache. Außerdem finde ich das Programm selbst mit Anbetung, Lobpreis, Eucharistiefeiern, Zeugnissen und so weiter natürlich auch sehr interessant.

Wie geht es dann in Madrid weiter?

Da nehmen wir dann am allgemeinen Programm teil, also Liturgie, Katechese, Kreuzweg. Es gibt dort ja immer ganz viele verschiedene Veranstaltungen und Angebote, aus denen man auswählen kann. Auf jeden Fall werden wir am Mittwochabend in der Madrid Arena die sogenannte „noche de alegría“, also eine „Nacht der Freude“ mit Musik, eucharistischer Anbetung und anderem haben, die auch von der Gemeinschaft organisiert wird. Für die Jugendlichen ist vielleicht besonders spannend, dass auch einige prominente Gäste kommen werden. Da freu ich mich schon drauf, aber auch ganz allgemein auf das Gebet und die Anbetung, die dann da angeboten werden. Das ist aber dann nicht mehr nur speziell für unsere Gruppe organisiert, sondern eine ganz offene Veranstaltung im Rahmen des Weltjugendtages.

Gibt es irgendetwas, worauf Du Dich besonders freust beim Weltjugendtag und beim Programm?

Ich freue mich natürlich besonders auf den Papst; den habe ich damals in Köln nämlich nur auf dem Bildschirm gesehen, weil ich zu weit hinten stand. Ich hoffe, ihn diesmal bei seiner Begrüßung oder der Vigil auf dem Flugplatz in Cuatro Vientos von näherem sehen zu können. Ich finde, der Papst hat immer total ermutigende Botschaften, gerade für uns junge Leute.

Ich weiß noch, dass ich es 2005 auch sehr beeindruckend fand zu sehen, dass es so viele Jugendliche gibt, die gemeinsam an denselben Gott glauben. Auch, weil man hier in der Kirche doch oft so ein bisschen allein ist beziehungsweise sich etwas verloren vorkommt unter den vielen Senioren. Nicht, dass ich etwas gegen Senioren hätte, im Gegenteil – aber man fühlt sich eben etwas als...

Als Exot?

Ja, stimmt! Und da ist es einfach schön, eine Gemeinschaft von ganz vielen jungen Leuten zu sehen. Zum Glück habe ich diese Freude mittlerweile öfter, eben durch die Gemeinschaft Emmanuel. Darum freue mich dieses Jahr vor allem darauf, nach der ganzen Uniarbeit im Semester jetzt mal wieder etwas ganz anderes zu machen und mehr Zeit für das Gebet und für die Anbetung zu haben. Beim Weltjugendtag 2005, wo ich mit meiner Gemeinde war, hat es zwar auch sehr viel Spaß gemacht, aber da war ich ja noch jünger und das war damals eher wie ein Event für mich und hat mir spirituell nicht so viel gebracht. Deshalb wollte ich jetzt auch möglichst viele Angebote zum Gebet bewusst wahrnehmen, um meine Beziehung zu Gott weiter vertiefen zu können.

Was erwartest du in spiritueller Hinsicht vom Weltjugendtag?

Ich hoffe natürlich, dass sich alle Teilnehmer von Gott berühren lassen. Insbesondere, dass vielleicht auch gerade die Jugendlichen sich angesprochen fühlen und Zeit für Gott finden, die zunächst einmal eher aus Neugier mitfahren, oder auch nur deshalb, weil es ein so großes, cooles Event ist und man so günstig mit einer großen Gruppe nach Spanien kommt. Selber hoffe ich eben, es mir gelingen wird, die Uni und was mich sonst so beschäftigt, einfach mal hinter mir zu lassen und mich neu auf Gott auszurichten. Was mir noch ganz wichtig ist: Der Weltjugendtag ist ja ein riesiges Ereignis, das auch in den Nachrichten präsent ist, aber es sollte eben nicht nur ein einmaliges Event sein. Die Vorbereitung mit dem schönen Namen „el Camino“, „der Weg“, ist im letzten Sommer schon losgegangen bei verschiedenen Jugendwochenenden, und danach soll es natürlich auch weitergehen. Zum Weltjugendtag selbst wird ja auch in der weltlichen Medienlandschaft immer sehr viel gesagt und berichtet, aber es geht eben nicht einfach um irgendein Event, sondern um eine dauerhafte Begegnung mit Gott.