Mein junger Glaube im Alltag: Leuchtfeuer der Erinnerung: Gott kann kein Neutrum sein

Von Martin Seiberl. Von Benedikt Bögle.

Einkaufen an Heiligabend

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Das Jahr 2012 geht zu Ende. Im Fernsehen läuft ein Jahresrückblick nach dem anderen. Je nach Zielgruppe führen die Sender den Zuschauern die sogenannten Highlights des Jahres wieder vor Augen. Und wie in jedem Jahr wundert man sich darüber, dass man sich an die meisten Dinge schon gar nicht mehr erinnern kann. Da wir alle verständlicherweise hauptsächlich mit uns selbst beschäftigt sind, geht vieles, was um uns herum passiert, an uns vorbei. Angefangen von Wahlen, sportlichen Wettkämpfen bis hin zu Umwelt- und Naturkatastrophen verschwindet all das, meist früher oder später aus unserem Blickfeld. Im Grunde betrifft uns das Meiste davon nicht direkt. Wir Menschen sind am ehesten Mittelpunkt unserer eigenen Welt. Daher müsste es genauso viele Jahresrückblicke geben wie es Menschen gibt. Hier einen Konsens aufstellen zu wollen; wäre also nahezu vergebens und würde keinem gerecht werden.

Dennoch kann man sich auf eines meist verlassen: Rückblickend bleibt am Ende bei jedem doch nur das, was uns selbst geprägt hat und was uns ausmacht. Traurige sowie freudige Anlässe werden zu dem Teil von uns, der uns in der Gesamtheit dieser unzähligen Erfahrungen als treibende Kraft voranbringt und unseren Blick auf die Welt immer wieder aufs Neue beeinflusst. Die wichtigsten Dinge, unsere ganz persönlichen Highlights werden dabei zu den Leuchtfeuern der Erinnerung, die aus dem Alltag herausragen.

So verändern wir uns unser ganzes Leben, manchmal mehr oder weniger, in jedem Jahr, das vergeht. Bei allem Wandel ist es deshalb wichtig, auch Konstanten zu haben, die uns immer begleiten und durchs Leben tragen. Für mich zählt dazu besonders der Glaube. Die Hoffnung, die für die ganze Menschheit im weihnachtlichen Geschehen durch die Geburt des Menschensohnes Wirklichkeit geworden ist, erlebe ich mit Freude jedes Jahr wieder. Zudem hat Weihnachten seit gut zweitausend Jahren nichts von seiner Aktualität verloren.

Ja, das ist wirklich ein Highlight für jeden Menschen, ein Leuchtfeuer für jeden Lebensweg und das Geschenk, das alle, die es annehmen, für immer verändern wird.

Darum hoffe ich, dass jeder schlechte wie gute Momente des Jahres annehmen kann. Auch Dank zu sagen für das Schöne und vor allem zu erkennen, dass das kleine Kind in der Krippe, vom Anfang bis zum Ende, Teil unseres Daseins geworden ist. Diese alljährliche Erinnerung an Weihnachten soll deshalb unsere Herzen erfreuen und alle Traurigkeit aufheben.

Mit diesem Wissen können wir wirklich getrost auf jedes neue Jahr blicken. Und wenn wir uns von dieser Freude nur ein kleines Stück mit in den Alltag nehmen, haben wir doch eigentlich das Geheimnis von Weihnachten erkannt.

Der Autor studiert katholische

Theologie in Regensburg

Der, die oder das Gott? Eine möglicherweise unbedachte Äußerung Kristina Schröders lässt Kritik von allen Seiten hageln. Wie kann ein Christ nur daran zweifeln, dass Gott „der“ Gott ist? Wie kann man hinterfragen, was für ganze Scharen von Generationen eindeutig war und in keiner Weise zur Diskussion stand?

Ich bin der Meinung, dass wir gerade in der Situation, in der sich die Kirche in Deutschland befindet, auf vernünftige und begründete Art und Weise dieser Aussage Schröders begegnen müssen. Was also ist der Grund dafür, dass wir nicht von „das“ Gott sprechen können und dürfen? Weshalb ist unser Gott „der“ Gott?

In diese ganze Diskussion muss in meinen Augen die Erfahrung, die wir mit den Lesungstexten der Weihnachtszeit machen – ganz besonders denen der Heiligen Nacht – wie ein Gewitter einschlagen: Was wir an Weihnachten hören, was wir an diesem Fest feiern, ist Zeugnis davon, dass Gott ein persönlicher Gott ist. Ein Gott, der handeln kann und will. Er ist der Gott, der es zu bewirken vermag, dass „das Volk, dass im Dunkel lebt, ein helles Licht sieht“. Er allein kann seine uralten Verheißungen an das Volk Israel erfüllen und ihm somit das Heil bereiten, dass er ihm versprochen hat. Er ist der Gott, der in die Geschichte eingreift: Er schenkt seinem Volk, den Menschen aller Zeiten und aller Länder, den Messias, der das Leid auf seine Schultern nimmt und trägt. Er ist es, der bis heute der Einzige ist, der die „dröhnenden Stiefel“ und die „blutbefleckten Mäntel“ zu verbannen vermag. Er ist es, der wahrhaftigen Frieden stiftet.

Und weiter heißt es im Evangelium der Heiligen Nacht, dass Gott wirklich die Gestalt unseres Fleisches angenommen hat: Er ist wirklich gekommen, Gott hat sich wirklich so sehr erniedrigt, dass er ein Mensch wurde – mit allen Schwächen, Nöten und Sorgen, die damit einhergehen.

Wir dürfen an Weihnachten feiern, dass Gott mit uns den Weg des Lebens geht, dass er alle Momente mit uns teilt – die guten wie die schlechten. Er ist bei uns im tiefsten Leid, wenn unsere Träume und Erwartungen wie Seifenblasen platzen und nichts als Leere übrig bleibt, wenn das Leid unsere Seele zu ertränken droht. Und er ist bei uns, wenn unser Leben unerwartete Wendungen nimmt, uns zum Besseren führt und wir wirklich das Heil Gottes schauen dürfen. Er geht somit alle Extreme unseres Lebens mit uns: Vom kleinen Kind in Betlehem bis hin zum gewaltsamen Kreuzestod in Jerusalem.

Und dieser Gott, der all dies vollbringt, er ist ein persönlicher Gott. Ein Gott, der das menschliche Leben in seinen Extremen umfasst, muss ein handelnder, denkender und liebender Gott sein. Er kann kein Neutrum sein, kein verdinglichtes Etwas. Sicherlich ist es richtig, dass wir uns kein Urteil über „der“ oder „die“ Gott machen dürfen – mit Sicherheit fällt Gott nicht unter diese Kategorien menschlichen Denkens. Aber das, was unseren Glauben trägt – das liebende Eingreifen Gottes in die Welt – kann nicht von einem „das“ vollbracht werden. Gottes „Logos“, der an Weihnachten wirklich Fleisch geworden ist, kann kein Ding sein.

Der Autor (18) studiert katholische Theologie in Regensburg