Mehr religiöse Konflikte

Bericht: Religionsfreiheit in 116 Ländern „besorgniserregend“ – Druck des liberalen Konsenses wächst

Wien (KNA) Die Religionsfreiheit ist nach einem Bericht des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in fast 60 Prozent aller Länder weltweit bedroht. 116 von 196 Staaten zeigten einen „besorgniserregenden Trend“, heißt es in dem am Dienstag in Wien veröffentlichten „Religious World Report 2014“. Während sechs Länder seit dem Vorjahresbericht an Religionsfreiheit gewonnen hätten, habe sich die Lage in 55 anderen „verschlechtert“ oder „signifikant verschlechtert“.

Lediglich im Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuba, Katar, Simbabwe und Taiwan könne von Verbesserungen im Blick auf die Rechte von Glaubensgemeinschaften gesprochen werden, so das Hilfswerk. Allerdings sei der Grad der Verfolgung in diesen Staaten als „hoch“ oder „mittel“ einzustufen. Religiöse Spannungen nehmen laut „Kirche in Not“ insbesondere in westlichen Ländern zu. Auslöser seien unter anderem ein „aggressiver Atheismus“ und liberaler Säkularismus und ein schneller „Zustrom von Wirtschaftsmigranten und Flüchtlingen, deren Glaube und Kultur sich deutlich von denen des Aufnahmelandes unterscheiden“.

Zwar betrachteten westliche Gesellschaften eine Diskriminierung aufgrund der Rasse, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung immer mehr als unannehmbar; gleichzeitig nehme aber der Konsens über die Gewissensfreiheit von Gläubigen ab. Vor allem bei Themen wie konfessionellen Schulen, gleichgeschlechtlicher Ehe und Sterbehilfe bestehe „ein zunehmender Konflikt zwischen traditionellen religiösen Auffassungen und dem ,progressiven‘ liberalen Konsens“, so der Bericht. Während eine private Ausübung des Glaubens weithin akzeptiert werde, gebe es immer weniger Einigkeit darüber, in welchem Maß dieser Glaube in der Gesamtgesellschaft sichtbar werden dürfe. Dies führe letztlich dazu, „dass dort, wo die Rechte von Homosexuellen oder Menschen, die eine Gleichstellung der Geschlechter fordern, mit der Gewissensfreiheit von Gläubigen kollidieren und die erstgenannten Gruppen in der Regel Vorrang haben“.