Mehr katholisches Selbstbewusstsein

Bischof Egon Kapellari von Graz-Seckau erinnert Religionslehrer an „die Dimension Tiefe“

Graz (sb) Als „unverzichtbares Zielgebot für jeden katholischen Religionsunterricht“ hat der Bischof von Graz-Seckau, Egon Kapellari, die „Rede über Gott als Verkündigung von christlichem Glauben und das Reden mit Gott in Gebet und Liturgie“ bezeichnet. Die „Rede vom lieben Gott“ müsse dabei auch „offen sein auf die Rede vom verborgenen, rätselhaften Gott, dessen tiefste Tiefe aber Liebe ist“. Bischof Kapellari erinnerte die Religionslehrer seiner Diözese in einer Ansprache an das „Thema Erbsünde“ als Schattenseite der „Medaille Mensch“, deren „Lichtseite uns sagt, dass jeder Mensch ein Sohn oder eine Tochter Gottes ist und im Magnetfeld des Erlösungswerkes Jesu Christi steht und dass wir vielen Menschen dazu helfen können, tiefer in dieses Feld hineinzugelangen“. Kapellari empfahl den Lehrern, die jungen Menschen mit den Augen Jesu Christi anzuschauen: „Dann werden wir nicht nur sehen, wie unvollkommen sie sind, sondern auch wie sie sein könnten, wenn ihre guten Anlagen mehr und mehr entfaltet sind.“

Auf die Kirche würden viele „zu wenig mit den Augen des Herzens“ blicken, „sondern zu sehr mit den Brillen eines politischen, soziologischen oder von Gruppeninteressen geleiteten Blickes“. Einem solchen Blick fehle „die Dimension Tiefe“, warnte der Bischof von Graz: „Eine heute auch unter Katholiken und zumal unter katholischen Kirchenkritikern verbreitete Ekklesiologie geht oft zu leicht am großen Traditionsstrom der Paulusbriefe, der Patristik, der Konzilien und auch an der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils vorbei.“ Der steirische Bischof betonte: „Wir haben trotz aller Probleme gute Gründe zu viel mehr katholischem Selbstbewusstsein.“

In einem Hirtenbrief, der am kommenden Sonntag veröffentlicht wird, weist der steirische Bischof auf die aktuellen Spannungen in der Kirche in Österreich hin und mahnt: „Betreffend die Substanz unseres kirchlichen Glaubens und unserer katholischen Kirchenverfassung gibt es Unaufgebbares, das als solches nicht verändert werden kann. Dieses Unaufgebbare muss aber gerade heute immer wieder erklärt werden, um besser verständlich zu sein. Anderes ist in der Kirche veränderbar. Schreckliche und aggressive Vereinfachungen von verschiedenen Seiten blockieren aber ebenso die Sicht auf das wirklich Unveränderbare wie auf das schrittweise Veränderbare.“

Bischof Kapellari plädiert für eine „Blickumkehr“: Man solle öfter auf die Weltkirche schauen und auf das, „was dort an Gutem unter oft viel schwierigeren Bedingungen, aber mit einem fröhlichen Glauben gelingt“. Der Bischof von Graz erinnert auch daran, dass die Einheit mit dem Papst untrennbar zur katholischen Identität gehört. „In anderen Ländern der Erde ist man oft negativ erstaunt über die kirchlichen Probleme in deutschsprachigen Ländern und kann vor allem nicht verstehen, dass Priester angesichts verstehbarer Sorgen öffentlich zu Ungehorsam auffordern“, so Kapellari. Gerade heute brauche es „eine Kultur der Treue zu dem, was wir versprochen haben“.