Mehr als bloß fromm und katholisch

Rudolf Weiler zeigt den Mehrwert der Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Verehrung. Von Klaus-Peter Vosen

Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“, hat die Gottesmutter verheißen. Gerade im Fatima-Jubiläumsjahr 2017 tritt diese Prophezeiung mit Leuchtkraft hervor. Triumph des Herzens Mariens – was bedeutet das? Letztlich ist damit der Sieg der Wahrhaftigkeit über die Lüge, des Glaubens über die Verlorenheit des Menschen an das Diesseits, der Liebe über den tödlichen Egoismus in so vielfältigen Formen gemeint. Was hätte die Welt nötiger als den Triumph der Tugenden Mariens! Alles ist wünschenswert, was den heutigen Menschen zur Nachahmung der Glaubens- und Lebenshaltung der Allerseligsten Jungfrau einlädt.

Insofern ist das Erscheinen des Büchleins „Per Mariam ad Jesum“ des emeritierten Wiener Ethikers und Sozialwissenschaftlers Rudolf Weiler zu begrüßen. Das Werk verdankt sich der Begegnung mit Johannes Messner (1891–1984). Letzterer, wie Weiler Priester und Sozialethiker und als solcher Weilers Lehrer, ist nicht nur als „Meister der Naturrechtslehre“ (Kardinal König) und wegen seines lebenslangen Eintretens für soziale Gerechtigkeit bedeutsam gewesen und in guter Erinnerung, sondern hat auch bedeutende geistliche Schriften verfasst. Eine von ihnen rückt ganz besonders das Herz Mariens in den Mittelpunkt des Interesses. Rudolf Weiler legt in seiner Schrift „Per Mariam ad Jesum“ eine Kurzfassung des Messner-Buches „Das Unbefleckte Herz“, auf Deutsch erschienen 1950 in Innsbruck, vor und möchte die Gedanken Messners für die heutige Zeit fruchtbar machen.

Johannes Messner, damals bereits ein renommierter Wissenschaftler, hatte nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ (1938) aus seiner Heimat fliehen müssen, um sich vor einer drohenden Verhaftung zu schützen. Zunächst ging er in die Schweiz, dann aber nach England, wo er im Oratorium des seligen Kardinals John Henry Newman in Birmingham lebte.

Die Flucht war für Messner ein herber Einschnitt, denn sie bedeutete für ihn – in der Lebensmitte – einen vollständigen Neuanfang, da er auch seine Forschungsunterlagen hatte zurücklassen müssen. Er stand als Flüchtling da. In der Oratoriums-Bibliothek von Birmingham stieß Messner auf eine von John Henry Newman stammende „Litanei zum Unbefleckten Herzen Mariens“, die für ihn ganz offensichtlich zu einem wichtigen geistlichen Impuls wurde. Messner hat die 33 Anrufungen dieser Litanei theologisch weiter vertieft. Hierzu bediente er sich der Mariologie des großen Kölner Dogmatikers Matthias Joseph Scheeben (1835–1888). So ist Messners Werk „Das Unbefleckte Herz“ entstanden.

Rudolf Weiler hat man dafür zu danken, dass er an die Herz-Mariä-Litanei von Newman-Messner in seinem Büchlein „Per Mariam ad Jesum“ erinnert und zu den einzelnen Anrufungen Betrachtungen nach Gedanken Messners darbietet. So regt er die Meditation der Herz-Mariä-Verehrer heute an beziehungsweise lädt er neu ein, sich vielleicht erstmalig betrachtend in die wunderbaren Eigenschaften des Herzens der Gottesmutter zu vertiefen. Für jene, die schon länger diese Betrachtung pflegen, ist insbesondere der Vergleich der Newman-Messner-Litanei mit jener wohl bekannteren und gebräuchlichen Herz-Mariä-Litanei wertvoll, die schon von der heiligen Margareta Maria Alacoque verbreitet wurde und sich in A.M. Weigls „Aus dem Gebetsschatz der heiligen Kirche“ findet. Die Frage, welche der beiden Herz-Mariä-Litaneien man vorzieht, werden die einzelnen Beter unterschiedlich beantworten. Doch geht es hier im letzten nicht um einen spirituellen Ästhetizismus. Die Wahrheiten und Zusammenhänge des katholischen Glaubens sind für die Betrachtung letztlich unerschöpflich, und so können Alternativtexte der Herz-Mariä-Litanei, die jeweils einen guten, kirchlichen Geist atmen, dabei helfen, die „Herrlichkeiten der göttlichen Gnade“, wie der eben erwähnte Scheeben sie nennen würde, von unterschiedlicher Warte her in den Blick zu nehmen und aus solch staunender Meditation reichen geistlichen Gewinn zu schöpfen. Das Funkeln eines Edelsteins weist ja immer neue Facetten auf, je nachdem, von welcher Perspektive die Kostbarkeit angeschaut wird. Messners von Weiler präsentierte Gedankenanstöße erweisen sich dem Leser ganz sicher als hilfreich.

Für Weilers Buch spricht auch die Tatsache, dass er Messners Anschauung von der klaren Bezogenheit der Herz-Mariä- auf die Herz-Jesu-Verehrung teilt. Die Mutter Gottes will niemals, dass man bei ihr stehenbleibt, sondern nimmt die Menschen mit zu ihrem göttlichen Sohn. Hier liegt übrigens ein klares Kriterium, die wahre marianische Spiritualität von einer pseudo-marianischen Aftermystik zu unterscheiden. Wenn Messner am 1. April 1959 schreibt: „Halten Sie sich ganz an den Heiland und an das Unbefleckte Herz“, wird seine geistliche Solidität deutlich. So ist es auch folgerichtig, dass in Weilers Buch nach den Herz-Mariä-Betrachtungen die Herz-Jesu-Litanei zu finden ist, mit Meditationen, die ebenfalls aus Messners Gedanken gewonnen sind. Zunächst mag man stutzen: Zuerst geht es bei Weiler um das Herz Mariä, erst an zweiter Stelle um das Herz Jesu. Aber so wird gerade das auf Christus hinführende Hauptmoment aller Marienverehrung unterstrichen. „Durch Maria zu Jesus“ – so ist schließlich der Titel von Weilers Buch. Am Ende der Lektüre stimmt der Leser bei vorurteilslosem Blick allgemein in die Messnersche, von Weiler zitierte Feststellung ein: „In Wahrheit ist, richtig verstanden, die Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Andacht nicht nur kein Abgehen auf Nebengleise der Frömmigkeit, sondern sie führt geradezu in ihren Mittelpunkt.“

Das schöne und preiswerte Büchlein, vorne mit dem Bild „Unserer Lieben Frau mit dem geneigten Haupt“ illustriert, verdient im Fatima-Jahr 2017 weite Verbreitung. Es stärkt das Vertrauen auf die Verheißung der Gottesmutter: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“. Dieser Triumph wird kommen, weil am Ende der Sieg Christi steht.

Rudolf Weiler: Per Mariam ad Jesum, Das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariä in der Verehrung der Kirche heute. Verlag St. Josef 2016,

ISBN: 978-3-901853-32-6, 64 Seiten,

EUR 6,90