Mehr als Brotbacken und Kerzenbasteln

Zurück zu den Wurzeln in der Heiligen Schrift: Ein Familienbuch zur Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion für Eltern und Kinder. Von Barbara Stühlmeyer

Erstkommunion in Münster
Feier einer Erstkommunion in Münster. Foto: dpa
Erstkommunion in Münster
Feier einer Erstkommunion in Münster. Foto: dpa

Ganze 109 Seiten mit einer guten Auswahl von Schrifttexten, Erläuterungen für Eltern und Kinder, Tipps zum Weiterlesen, katechetischen Elementen und zahlreichen farbenprächtigen Bildern von Christl Keller, deren Stil ein wenig an Mac Chagall erinnert – das ist das Konzept des neuen und sehr gelungenen Buches mit dem Titel „Rund um die Erstkommunion – ein Familienbuch“. Der Theologe Gerhard Lohfink legt in seinem Vorwort, in dem er die Konzeption des Bandes erläutert, den Finger direkt in die Wunde. Brotbacken, Erstkommunionkerzen basteln und Theaterspiele mit biblischem Hintergrund sind gut und schön. Aber nicht, wenn das Eigentliche, die Beschäftigung mit dem Geheimnis der Eucharistie dabei vor lauter Aktionismus in den Hintergrund gerät.

Reise zu den Anfängen des biblischen Glaubens

Lohfink spricht aus eigener Erfahrung, wenn er erzählt, wie Bibeltexte sein geistliches Leben genährt und ihn in verschiedenen Situationen seines Lebens gestärkt und begleitet haben. Dieses Erleben möchte er auch der neuen hoffentlich nachwachsenden Generation junger Christen ermöglichen. Und mit dem Buch von Christl Keller und Heide Stöhr-Zehetbauer gelingt genau dies, eine geistliche Grundlage zu bilden, auf der die Kinder und ihre Eltern immer weiterbauen können. Der schöne Band, der Kinder und Eltern ermutigen soll, die Zeit der Erstkommunionvorbereitung auch als eine spirituelle Familienzeit zu erleben, beginnt mit einer Zeitreise zu den Anfängen des biblischen Glaubens.

In der Textgestalt der Einheitsübersetzung von 1980 lernen die Kinder die Geschichten von der Berufung Abrahams, seiner Wanderung nach Kanaan, seiner Trennung von Lot, der Verkündigung der Verheißung an Abraham und des Besuchs Gottes, die Erzählung von der Berufung des Mose kennen. Sie erfahren vom Bundesangebot Gottes und dem Bruch des Bundes durch das Volk Israel, von der Berufung des jungen Samuel, der Salbung Davids und der Berufung der ersten Jünger durch Jesus. Teil eins des Buches trägt entscheidend dazu bei, Kindern und Eltern nahezubringen, wie vielfältig Berufungsgeschichten aussehen können, dass es auch vor vielen tausend Jahren schon eine Herausforderung war, auf Gott zu hören und sein Leben nach seinem Wort auszurichten und dass Gott jeden einzelnen Menschen unermüdlich auf seinem Berufungsweg begleitet und den abgerissenen Faden immer wieder neu aufnimmt, um die je persönlichen Lebens- und Glaubensgeschichten weiterzuspinnen.

Im zweiten Teil steht das Bild des guten Hirten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Den Beginn bildet Psalm 23, dann wird das Hirtenamt Jesu, das von ihm an die Hirten der Kirche aller Zeiten übergeben wurde, anhand der Evangelientexte von der neuen Sammlung des Gottesvolkes, der Segnung der Kinder und der Heilung des Gelähmten entfaltet. Den Kindern wird so klar, in welch bemerkenswerter Kontinuität sie stehen und dass sie selbst berufen sind, Hüter der Gaben Gottes zu sein und zu bleiben. Immer wieder werden auch Gebete eingeflochten. Das Erlernen der Zehn Gebote wird den Kindern ein wenig zu behutsam nahegelegt. Es ist einem Kind, das von Triceratops bis Velociraptor ohne Probleme ganze Genealogien von Dinosauriern auswendig kennt, durchaus zuzumuten, sich die Zehn Gebote komplett einzuprägen, schließlich geht es hier um ein ethisches Grundgerüst. Da reicht es einfach nicht aus, wenn man sich zwei oder drei Gebote aussucht; das würde beim Führerschein übrigens auch niemand akzeptieren und es ist an der Zeit, dass wir Christen endlich damit anfangen, unseren Glauben ernst zu nehmen, sonst wird dies nämlich auch sonst niemand tun.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit den Sakramenten. Er ist katechetisch sehr gelungen, zeigt er doch die Verwurzelung der ersten Sakramente in der Heiligen Schrift anhand der Taufe Jesu, der Taufe des Äthiopiers durch Philippus, erklärt das Sakrament der Taufe, die Taufzeichen, die Wirkung der Taufgnade und beschreibt, wie Petrus und die anderen Apostel das Taufen zu ihrer Aufgabe beim Aufbau des Leibes Christi, der Kirche, machen. Das Sakrament der Versöhnung wird an der Begegnung Jesu mit Zachäus festgemacht, die den Zugang zu Gott als dem barmherzigen Vater eröffnet.

Das letzte Kapitel widmet sich dem Sakrament der Eucharistie. Es wird mit dem Paschamahl in Israel verknüpft, dessen Vorbereitungen beschrieben werden, und reicht über das letzte Abendmahl bis zu den Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen und der Entstehung der Kirche. Der Aufbau der Messe ist übersichtlich dargestellt. Leider wird hier beim Antwortgesang der verbreitete, darum aber immer noch falsche Begriff Zwischengesang verwendet. Der Antwortpsalm ist jedoch keine Pausenmusik zwischen zwei Lesungen, sondern die im gesungenen Gebet gemeinsam dargebrachte Antwort des gläubigen Gottesvolkes auf das in der ersten Lesung empfangene Wort Gottes. Auch die Erklärung der Händewaschung überzeugt wenig. Hier wird lediglich erzählt, dass früher einmal mehlige Brote auf den Altar gelegt wurden – von spiritueller Deutung keine Spur.

Ausgewählte Psalmen als Nahrung für das Gebet

Abgesehen von diesen Schwachstellen, die kundige Eltern beim Durcharbeiten dieses Buches korrigieren sollten, ist der Band jedoch sehr empfehlenswert. Die Bibeltexte sind kurz gehalten, sodass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder nicht überreizt wird, es werden aber immer wieder Empfehlungen zum Weiterlesen und zur Vertiefung des Themas gegeben, durch die die Kinder den Umgang mit der Heiligen Schrift üben können. Ein Buch macht man sich nur zu eigen, wenn man selbst darin liest, es erkundet und immer wieder neues darin entdeckt. Welches Buch wäre dafür geeigneter als die Heilige Schrift?

Am Ende des Buches finden sich – eine besonders schöne Idee – einige ausgewählte Psalmen, um Nahrung für eine regelmäßige Gebetspraxis zu geben. Insgesamt eine empfehlenswerte Neuerscheinung, die vor allem jenen Eltern und Kindern hilft, denen eine oft oberflächlich gewordene Erstkommunionvorbereitung in der Gemeinde nicht mehr ausreicht, die aber auch all jene bereichern wird, die eine schön gestaltete inhaltsreiche Grundlage für die Vertiefung ihres Glaubens in der wichtigen Zeit der Vorbereitung auf den ersten Empfang der Eucharistie suchen.

Christl Keller, Heide Stöhr-Zehetbauer: Rund um die Erstkommunion. Ein Familienbuch mit einem Begleitwort von Gerhard Lohfink. Verlag Neue Stadt, München, 2016, 109 Seiten, EUR 19,95