„Mehr Mystiker und Freunde Christi werden“

Osterakademie in Kevelaer befasst sich mit Stellung und Sendung des Priesters in der Gegenwart. Von Doris de Boer

Kevelaer (DT) Auf ein Jubiläum schaute der Kardinal-von-Galen-Kreis kürzlich zurück: Bereits zum 20. Mal tagte die Osterakademie im Marienwallfahrtsort Kevelaer. Seit den Anfängen organisiert das Lehrerehepaar Reinhard und Gertrud Dörner diese Veranstaltung, die dieses Jahr wieder mit hochkarätigen Referenten aufwartete. Das Thema war diesmal: „Der Priester in der Gesellschaft heute“.

Michael Hesemann, Historiker und Bestsellerautor, referierte über den Zölibat, der wie kaum ein anderes Thema in unserer durchsexualisierten Welt Anstoß errege. Dabei sei die Ehelosigkeit bereits im vorchristlichen Judentum bei den Nasiräern und den Essenern vorhanden und von Jesus selbst „um des Himmelreiches willen“ vorgelebt worden. Hesemann titulierte den Zölibat als „TÜV“ für Priesteranwärter: Er könne zeigen, ob es den Kandidaten ernst sei mit der Nachfolge Christi. Ein Priester müsse ganz Christus und seiner Gemeinde dienen. Die Freiheit für diesen besonderen Dienst, der auch das Martyrium einschließe, werde besonders durch die Ehelosigkeit geschenkt.

Schwester Theresia Mende OP erörterte Parallelen zwischen der heutigen Situation des verbreiteten praktischen Atheismus und einem alttestamentlichen Text (Weisheit 1, 16–2, 24), in dem nihilistisch-materialistisch orientierte Menschen zu hemmungslosem Lebensgenuss, zur Unterdrückung der Schwachen und Verfolgung der Gottgläubigen aufrufen, die für sie wie ein lebendiger Gewissensvorwurf seien. Gottlose und Gläubige, so zeige dieser Text, könnten nicht friedlich koexistieren. Damals wie heute sollten sich die Gläubigen nicht beirren lassen und Gott nicht aus den Augen verlieren, der das wahre Leben sei, dem Menschen erst seine Würde und Menschlichkeit schenke und ihn zur Unsterblichkeit berufen habe.

In einem biblisch-spirituellen Vortrag über die Berufungsgeschichte des Simon Petrus führte Schwester Theresia aus, wie Gott einen Menschen trotz seiner Fehler, Schwächen und Rückschläge allmählich wandeln könne. Jeder Christ sei dazu berufen, wie der einst stürmische Fischer Petrus in der Schule Jesu den Weg der Umkehr, Läuterung und Lebenshingabe an Gott zu gehen. Gerade, wenn uns durch unsere Umgebung Widerstand begegne, könne dies ein Zeichen dafür sein, dass wir auf der richtigen Spur seien. „Die Schule des Glaubens ist kein Triumphmarsch, sondern eine Zeit der Prüfung und der Leiden“, zitierte sie Papst Benedikt XVI.

Der Ehrengast der diesjährigen Osterakademie war der emeritierte Augsburger Bischof Walter Mixa. Mit Berichten aus seinem Leben gab er Zeugnis, dass auch er als Priester und Bischof wie ein Bettler vor Gott an den Altar trete im Wissen: „Ich bin nur ein windiges Werkzeug. Herr, hilf und wirk Du!“ Priester und Gläubige müssten sich gegenseitig bestärken in der Freundschaft mit dem menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Christus. Er richtete den Appell an die Teilnehmer: „Alle sollen mehr Mystiker, mehr Freunde Christi werden!“

Prälat Ulrich Küchl verwies auf das gewandelte Verständnis der Priesterweihe seit dem II. Vatikanum. Galt bis dahin das „sacerdotium“ in der Kirche weithin als die höchste Weihestufe, lehre das Konzil, dass erst ein Bischof die Fülle des Weiheamtes besitze, womit eine Abschwächung in der theologischen Bewertung des Priestertums einherging. Zudem würden heute immer mehr ursprünglich priesterliche Aufgaben durch Laien wahrgenommen, wie Kommunionausteilung oder Predigt. Es sei aber für die ganze Kirche überlebensnotwendig, das Priestertum wieder in seiner Fülle zu sehen.

Kirchenrechtler Wolfgang Rothe ging auf den speziellen Aspekt der Priesterkleidung ein. So sei im kirchlichen Gesetzbuch von 1983 klar geregelt, dass Priester in der Öffentlichkeit eindeutig erkennbar sein sollten. Die Tragen von Priesterkleidung, wie Talar oder Kollar beziehungsweise römischer Kragen sei das äußere Zeichen einer inneren Wirklichkeit. Als Priester stehe man immer und überall im Dienst Christi und der Kirche und alle Menschen sollten dies schon an der Kleidung erkennen. Uwe Lay, Diplomtheologe, ehem. evangelischer Vikar und Konvertit, führte aus, dass nach der Lehre Luthers und Melanchthons Christus allein ohne den Priester die Wandlung der eucharistischen Gaben bewirke. Der Priester trete als bloßer „Kommunionausteiler“ hinter Christus zurück. In der nachkonziliaren Terminologie der katholischen Kirche komme der Begriff des Mess-„Opfers“ selbst kaum mehr vor. Dabei sei das Christentum in erster Linie nicht Moral, sondern das Opfer der heiligen Messe stehe im Mittelpunkt und darum sei gerade der Priester so bedeutungsvoll als der, der dieses Opfer darbringt. Der Referent zitierte Papst Leo XIII. mit dem Satz: „Religion kann nicht ohne Opfer und Priester sein.“

Pater Bernward Deneke FSSP ging anhand von Ausführungen des Philosophen Josef Pieper auf das Wesen des Priesters ein: Jeder geweihte Priester besitze durch die Weihe eine neue, bleibende Seinsqualität. Der Priester sei ganz auf das Sakrament der Eucharistie hingeordnet und müsse von der Messe her und auf sie hin verstanden werden. Heute werde der Begriff „Priester“ oft schwammig gebraucht. Das unterscheidende Merkmal des Priesteramt sei es, das Weihesakrament empfangen zu haben und „in persona Christi“ das Altarsakrament für die ganze Kirche vollziehen zu können.

Der Organisator appellierte schließlich an die Laien, mitzuhelfen, dem Priesteramt in der heutigen Zeit wieder zu Ansehen und Würde zu verhelfen.