Marx: Mehr Verständnis für Osteuropäer

Bonn (DT/KNA) Kardinal Reinhard Marx wünscht sich mehr Verständnis für die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Osteuropa. „Wir müssen respektieren, dass die Länder in Osteuropa eine eigene Geschichte haben“, sagte Marx in Bonn in einem gemeinsamen Interview mit KNA und Radio Vatikan. Er erinnerte daran, dass die Identität dieser Länder im 20. Jahrhundert mehrfach beschädigt worden sei. „Für manche sind die Entwicklungen sehr schnell gegangen, manche haben auch verloren. Man muss auch diese Suchbewegung mit in den Blick nehmen“, argumentierte Marx. Zugleich erteilte der Kardinal, der auch Präsident des Rates der EU-Bischofskonferenzen (COMECE) ist, nationalistischen und diktatorischen Ideen eine klare Absage. „Wer Mitglied der EU ist, muss sich auf deren Grundlagen beziehen: Demokratie und Rechtsstaat“, betonte Marx. Er räumte ein, dass ihm das gegenwärtige Auseinanderdriften von West- und Osteuropa Sorge bereite. Der Kardinal unterstrich, die katholische Kirche habe den Prozess der europäischen Einheit von Anfang an unterstützt und tue dies auch weiterhin. „Dieses Friedensprojekt nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts war immer auch ein Anliegen der Päpste“, sagte Marx.