Martha und Maria in einer Person

Elisabeth Münzebrock zeichnet ein lebendiges Porträt der heiligen Teresa von Ávila. Von Barbara Wenz

Sie war bildschön, durchaus auch eitel, eine gute Schauspielerin, liebte Ritterromane, und ihr Charme war so umwerfend, dass er allen den Kopf verdrehte, die ihr begegneten. Auch das ist eine Facette der berühmtesten Karmelitin der Kirche – Teresa „die Große“ von vila.

Wer die Heilige kennenlernen möchte, sollte ihre Hauptwerke „Die innere Burg“ und „Mein Leben“ studieren, wer wissen möchte, was für ein Mensch Teresa war, ihre Briefe, von denen jedoch nur noch weniger als fünfhundert erhalten sind. Von der Fülle des Materials aus Teresas Feder, von den vielen Büchern, die über sie und ihr geistlich ebenso wie literarisch großartiges Werk geschrieben wurden, mag sich manch einer leicht erdrückt fühlen. Ein schmales Bändchen von knapp 150 Seiten Umfang kann hier Abhilfe schaffen. Elisabeth Münzebrock, emeritierte Studiendirektorin und Philosophie-Dozentin an der Katholischen Universität Eichstätt, hat „ihre“ Teresa im kleinen Finger – was nicht verwundert, ist doch einer ihrer Forschungsschwerpunkte die spanische Mystik. Als Philosophin ist Münzebrock es gewohnt, in klaren Strukturen zu denken: Auf aussagekräftige Zwischentitel folgt ein leicht verständlicher, erläuternder Abschnitt, in dem sie in wenigen Sätzen tiefer in die getroffene Aussage hineinzugehen versteht. Selten war ein Werk über Teresa so leicht zu erschließen, selten so prägnant und dabei doch mit einer Fülle von Informationen, an denen der Leser jedoch nicht zu verzweifeln droht.

Die drei Hauptkapitel bestehen aus einem Prolog, der nach der Teresa von heute fragt. Es schließen sich in chronologisch-biografischer Folgerichtigkeit ein Kapitel über Kindheit und Jugend, „Auf dem Weg zur Mystikerin“, und ein weiteres, beginnend mit der ersten Klostergründung Teresas mit dem Titel „Gründerin allen Hindernissen zum Trotz – femina inquieta und Vagabundin in Gottes Diensten“ an.

Münzebrock gibt jedoch nicht nur Hintergrundinformationen, sie erläutert auch die wichtigsten Wesensmerkmale von Teresas Werken und ordnet sie in ihre Zeit ein.

Die Autobiografie Teresas, die aus 40 Kapiteln besteht, lässt sich in fünf Blöcke aufteilen. Dabei findet sich in dem von Münzebrock benannten zweiten Block das berühmte Bewässerungsgleichnis, in dem die Seele mit einem Garten verglichen wird: die Blumen darin sind ihre Tugenden, das Unkraut ihre Unvollkommenheiten und das Wasser, das auf ihn fällt oder in ihn geleitet wird, die Gnade Gottes darstellt.

Diese Autobiografie sei eine völlig neue Art von Theologie, noch dazu verfasst von einer Frau, ein „Dienst der Evangelisierung“ und ihr Hauptanliegen sei, die Barmherzigkeit Gottes zu erzählen.

In den Jahren 1566 bis 1569 entsteht der „Weg der Vollkommenheit“. Münzebrock macht hier insbesondere auch darauf aufmerksam, dass Teresa einen Kampf um ihre persönliche Spiritualität als Frau zu schlagen hat gegen Gesellschaft und Kirche ihrer Zeit, die etwa den Frauen das innere Gebet verbieten wollte, eine Übung, die Teresa immerhin 28 Jahre ihres Lebens praktizierte, mehr als 18 Jahre davon im inneren Kampf. Gegen vielerlei Widerstände setzte sie durch, dass Menschheit und Passion Christi Gegenstände der höchsten Kontemplation sein könnten, indem sie Christus als die einzige Zugangspforte zu den Geheimnissen Gottes bezeichnete.

Den Höhepunkt ihres literarischen Schaffens stellt ihr letztes Werk, die „Seelenburg“ dar, dessen Fazit Münzebrock so formuliert: „Martha und Maria müssen zusammen den Herrn bedienen, der mystische Mensch sitzt also dem Herren zu Füßen, aber er bereitet ihm auch Speisen.“ Unter der „Speise“ verstehe Teresa, so Münzebrock weiter, das Apostolat, das möglichst viele Menschen für Gott und seine Sache gewinne.

Münzebrock gelingt es immer wieder, Teresa als ein Kind ihrer Zeit zu zeichnen, wozu nicht nur deren eigene Konfrontation mit der Heiligen Inquisition, sondern auch ihre kritische bis ablehnende Haltung den „Lutheranern“ gegenüber gehört. Im Zeitalter der Gegenreformation wünscht sie sich, als treue Tochter der Kirche, eine Erneuerung im klösterlichen Leben, indem sie Räume schaffen will, in denen die Klöster zum Zentrum der inneren Erneuerung der ganzen Kirche werden können. Teresa forderte zum verstärkten Gebet für die „unheilvolle Sekte“, die „armen Verirrten“, wie sie sie nennt, auf und bekräftigt, dass man mit Waffengewalt hier nichts ausrichten könne. In einem Jahrhundert, in der das Abendland von konfessionellen Auseinandersetzungen erschüttert wurde, war dieser Gedanke sicher seiner Zeit voraus.

Eine Zeittafel, ein Anmerkungsteil, ein Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen sowie Literaturhinweise runden diese schöne kleine Projekt auf das Beste ab.

Elisabeth Münzebrock: Teresa von Ávila. Mystikerin, Ordensgründerin, Vagabundin Gottes. Echter, Würzburg, 2015,

160 Seiten, ISBN 978-3-429-03825-0,

EUR 14,90