Marianne Schlosser

Die Weisheitsvermittlerin. Von Franz-Xaver Heibl

Marianne Schlosser

Der diesjährige Joseph-Ratzinger-Preis wird am 17. November in Rom an Marianne Schlosser verliehen. Die Verleihung zeigt die hohe Wertschätzung, die sie unter anderem als Spezialistin für die Theologie der frühen Kirche und des Mittelalters genießt.

Die Weisheitsvermittlerin

Mit Joseph Ratzinger verbinden sie besonders ihre Forschungen über den heiligen Bonaventura. So betreute sie auch die Herausgabe des zweiten Bandes der „Joseph Ratzinger Gesammelten Schriften“ (JRGS), der die Habilitationsschrift und Ratzingers eigene Bonaventura-Studien enthält.

Ebenso wie Joseph Ratzinger ist ihr auch die Vermittlung des Glaubens wichtig.

Sie vergräbt sich nicht in ihr Wiener Büro am Lehrstuhl für Theologie der Spiritualität, sondern ist oft unterwegs, um Menschen aller Art geistliche Themen in Exerzitien, Priesterfortbildungen und Vorträgen zu vermitteln. Sie versteht es meisterhaft, schwierige Fragen des geistlichen Lebens oder der Theologie auch akademisch nicht gebildeten Menschen nahezubringen.

Ihre Übersetzertätigkeit von Werken Bonaventuras, Thomas' von Aquin, Alberts dem Großen und anderen dient nicht der wissenschaftlichen Neugier, sondern soll heutigen Menschen helfen, sich den Gedanken großer christlicher Weisheitslehrer zu nähern, so dass diese fruchtbar für das eigene Denken und Leben werden. Ihre Studenten schätzen gerade ihren Einsatz um die Vermittlung der Lehre für die eigene spirituelle Praxis.

Der Glaube der Kirche ist für Marianne Schlosser nicht eine blutleere Lehre, sondern Ausgangspunkt der Lebensgestaltung. Ihre Vorlesungen, Seminare und Vorträge haben neben der Wissensvermittlung letztlich das Ziel, mystagogisch in den Glauben einzuführen.

Als sie im Juni dieses Jahres in Regensburg einen Vortrag zu den Eucharistiekommentaren des heiligen Albert hielt, waren die zahlreichen Zuhörer von ihrer einprägsamen und verständlichen Vortragsweise begeistert. In einem kurzen Interview beantwortete sie damals die Frage „Was heißt mystagogisch?“ folgendermaßen: „Das, was hier gefeiert wird, immer tiefer zu verstehen und mitzuvollziehen, daraus zu leben. Denn das Geheimnis der Liebe Gottes, gerade in diesem Sakrament, ist unausschöpflich. Dafür will Alberts Werk die Augen des Verstandes und des Herzens öffnen.“ Diese Antwort auf die mystagogische Theologie Alberts des Großen beschreibt auch das wichtigste theologische Anliegen Schlossers. Nicht umsonst trägt ein sehr hilfreiches Kompendium zur Gebetstheologie aus ihrer Feder den Titel: „Erhebung des Herzens – Theologie des Gebetes“.