Maria 2.0: Frauen sind im „Kirchenstreik“

Deutsche Katholikinnen fordern in der Bewegung „Maria 2.0“ Reformen in der Kirche. Von Kilian Martin

Kirchenstreik Maria 2.0 in Münster
Vor dem Münsteraner Dom demonstrieren Frauen der Bewegung „Maria 2.0“. Foto: dpa

Deutschlandweit haben tausende Katholikinnen am vergangenen Wochenende einen „Kirchenstreik“ begonnen. Bis kommenden Samstag protestiert die Bewegung „Maria 2.0“ unter anderem für den Zugang von Frauen zu Weiheämtern. Noch bis zum kommenden Samstag wollen die Teilnehmerinnen kein Gotteshaus betreten und keine ehrenamtlichen Dienste verrichten. Unterstützt wird die Aktion von den beiden großen Frauenverbänden, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB).

Protestkundgebungen von „Maria 2.0“ an hunderten Orten

Am Sonntag hatten sich Teilnehmerinnen an hunderten Orten in Deutschland zu Protestkundgebungen versammelt. Vielerorts feierten sie Wortgottesdienste vor den Türen der Kirchen, in denen zeitgleich die Sonntagsmesse gefeiert wurde. Eine genaue Zahl der Teilnehmerinnen und teilnehmenden Gruppen konnten die Initiatorinnen des „Kirchenstreiks“ nicht nennen. Zu einer zentralen Mahnwache auf dem Domplatz in Münster kamen weit über 500 Frauen. Mitinitiatorin Lisa Kötter beklagte dabei eine „unzeitgemäße und ungerechte Benachteiligung der Hälfte der getauften Kinder Gottes“ in der Kirche.

Auch vor dem Freiburger Münster demonstrierten am Nachmittag mehrere hundert Katholikinnen. Nach der im Münster gefeierten Priesterweihe übergab die Gruppe ihre Reformforderungen an Erzbischof Stephan Burger. Er erklärte, sich „weiter für die Förderung von Frauen in der Kirche einsetzen“ zu wollen, verwies aber zugleich darauf, dass das Kirchenrecht die Weihe von Frauen verbiete.

Reaktionen der Kirche

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode erklärte am Samstag gegenüber dem Evangelischen Pressedienst seine Unterstützung für der Aktion. Er verstehe die Ungeduld vieler Frauen. Zugleich kritisierte er das Verlassen der Eucharistiegemeinschaft durch die Frauen. Bode ist als Vorsitzender Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auch zuständig für den Bereich Frauenseelsorge.

Die DBK selbst lehnte den Kirchenstreik ab. Dieser sei nicht das richtige Mittel, „Die deutschen Bischöfe verstehen die Unruhe und sehen Änderungsbedarf“, sagte Pressesprecher Matthias Kopp dem ZDF. Streik sei jedoch nicht das richtige Mittel. Nicht kommentieren wollte die DBK den Hinweis auf den offiziellen Internetauftritt der DBK-Arbeitsstelle für Frauenseelsorge auf „Maria 2.0“.

Frauen gegen „Update“ für Maria

Unterdessen hat sich unter dem Motto „Maria braucht kein Update“ eine weitere Bewegung katholischer Frauen formiert. Die Gruppierung um die 33-jährige Lehrerin Johanna Stöhr tritt für die tradierte Ämterstruktur und das überlieferte Marienverständnis der katholischen Kirche ein. „Wir vertreten nur das, was die Kirche immer schon geglaubt und praktiziert hat“, sagte Stöhr am Dienstag der „Tagespost“. Es habe zudem „jeder Mann und jede Frau eine von Gott zugewiesene Berufung“, sagte sie zu Forderungen nach Änderungen bei den kirchlichen Ämtern. Stöhr bedauere es keineswegs, dass Frauen der Zugang zur Weihe verwehrt ist. „Das Priestertum ist auch eine Bürde, die uns Gott erspart hat. Es ist ein Privileg, eine Frau zu sein.“