Man darf gespannt sein

Wieder gibt Joseph Ratzinger ein Interview-Buch mit

Peter Seewald heraus – diesmal als Papst Von Guido Horst

Rom (DT) Benedikt XVI., der auch als Papst die 2003 begonnene Arbeit an dem inzwischen auf drei Bände angewachsenen Werk über Jesus Christus fortgesetzt hat, bleibt dieser Linie treu und beschränkt seine literarische Produktion nicht auf lehramtliche Schreiben. Während zu Sommeranfang italienische Vatikanberichterstatter noch darüber spekulierten, der Heilige Vater nutze die Zeit der Erholung in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo auch dazu, an einer Enzyklika über den Glauben zu arbeiten, war jetzt im Umfeld des Vatikans wie auch in deutschen Verlegerkreisen zu erfahren, dass Papst Benedikt in absehbarer Zeit ein weiteres Interview-Buch herausgeben wird: ein ausführliches Gespräch mit dem deutschen Erfolgsautor und Journalisten Peter Seewald, das unter dem Arbeitstitel „Il luce del mondo“ – „Das Licht der Welt“ – aufgezeichnet wurde und den Autor Seewald immer wieder in die päpstliche Sommerresidenz führte. Wie das Werk über Jesus Christus ist auch dieses Buch mehrsprachig angelegt. Es wird in verschiedene Sprachen übersetzt, die Koordinierung liegt beim Vatikan-Verlag „Libreria Editrice Vaticana“.

Es war nicht das erste Mal, dass sich Joseph Ratzinger und der Münchener Journalist zur Abfassung eines Interview-Buchs gegenübersaßen. Seewald, Jahrgang 1954, von 1981 bis 1987 Redakteur beim „Spiegel“, dann bis 1990 Reporter beim „Stern“ und schließlich Mitarbeiter des „SZ-Magazins“, hatte nach dem Ende seiner Zeit bei dem Magazin ein ausführliches Interview mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation geführt, das 1996 in Buchform unter dem Titel „Salz der Erde – Christentum und katholische Kirche im 21. Jahrhundert“ erschien. Die Begegnung mit Kardinal Ratzinger, so Seewald über sich selbst, habe damals auch zu seinem Wiedereintritt in die Kirche geführt. Dem Erfolgstitel „Salz der Erde“ folgte im Jahr 2000 noch ein weiteres Interview-Buch mit Kardinal Ratzinger: „Gott und die Welt – Glauben und Leben in unserer Zeit“. Beide Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt. Seewald hat seither ein enges und vertrautes Verhältnis zu Joseph Ratzinger und hat nach dessen Wahl zum Papst drei Porträt-Bücher über Benedikt XVI. veröffentlicht. Und ebenfalls wie sein Gesprächspartner Ratzinger gab Seewald ein umfassendes Buch über Jesus Christus heraus. Er wandelt damit auf den Spuren des bekannten italienischen Autors Vittorio Messori, der die sommerliche Arbeit mit dem Theologen Ratzinger – und die Arbeit an Jesus-Büchern – ebenfalls gut kennt: In seinem Feriendomizil in Brixen diktierte Ratzinger dem italienischen Autor einst das berühmte Bilanz-Buch „Zur Lage des Glaubens“, das 1984 erschien.

Der Arbeitstitel „Das Licht der Welt“ lässt vermuten, dass es in dem neuen Interview-Buch mit Peter Seewald um das gehen wird, was für Papst Benedikt zu einem Hauptanliegen geworden ist: Die Menschen von heute wieder mit dem Gottessohn bekannt zu machen. Direkt am Anfang seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ schrieb Benedikt XVI. über Jesus Christus: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ Diesem Ereignis hat er sein Jesus-Buch gewidmet – und auch das Interview-Buch mit Peter Seewald wird dieses zentrale Thema im Leben des Kardinals und Papstes weiter entfalten.