Malteser: Papst entsendet Becciu

Statt Kardinal Raymond Burke: Papst ernennt Substituten zu seinem zeitlich befristeten Päpstlichen Delegaten. Von Guido Horst

Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, Substitut im vatikanischen Staatssekretariat. Foto: IN
Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, Substitut im vatikanischen Staatssekretariat. Foto: IN

Rom (DT) Papst Franziskus hat den Substituten im vatikanischen Staatssekretariat, Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, zu seinem Delegaten für den Malteserorden ernannt. In einem Schreiben des Papstes an Becciu, das der Vatikan am Samstag veröffentlicht hat, heißt es, dieser solle bis zum Ende des außergewöhnlichen Generalkapitels, das den neuen Großmeister des Malteserordens zu wählen hat, in diesem Amt bleiben. In „enger Zusammenarbeit“ mit dem Interims-Großmeister Fra' Ludwig Hoffmann von Rumerstein solle Becciu „für das höhere Wohl des Ordens und die Wiederversöhnung zwischen allen seinen Mitgliedern, Religiosen wie Laien, wirken“. Er habe den Interims-Großmeister bei der Vorbereitung des außerordentlichen Kapitels zu unterstützen und mit diesem über die Möglichkeiten zu entscheiden, wie über „die angebrachte Erneuerung der Konstitution und des Statuts des Ordens“ beraten und nachgedacht werden kann.

Zugleich beauftragte Franziskus den Kurienerzbischof mit einer „spirituellen und moralischen Erneuerung“ der Malteser. Das gelte insbesondere für jene Mitglieder, die Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt hätten, so der Papst in dem Ernennungsschreiben. Franziskus erklärt in dem Schreiben ausdrücklich, dass Becciu bis zum Ende seines Mandats bei Abschluss des außerordentlichen Kapitels als sein einziger und ausschließlicher Sprecher zu betrachten sei, was die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Malteserorden angehe. Dazu habe Becciu alle notwendige Autorität und Vollmacht.

Der Italiener Becciu, der aus dem diplomatischen Dienst des Vatikans stammt, ist seit 2011 Leiter der ersten, für die inneren Angelegenheiten des heiligen Stuhls zuständigen Sektion des Staatssekretariats. Das außerordentliche Kapitel zur Wahl eines neuen Großmeisters muss bis spätestens drei Monate nach dem Beginn der Sedisvakanz an der Spitze des Ordens stattfinden. Der auf Drängen des Papstes zurückgetretene Großmeister Fra' Matthew Festing hatte am vergangenen 24. Januar dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten, einen Tag später nahm Franziskus den Rücktritt an, weitere drei Tage später wurde das vom Souveränen Rat des Ordens bestätigt.

Festing hatte dem inzwischen wieder eingesetzten Großkanzler des Ordens, dem deutschen Baron Albrecht von Boeselager, im Dezember vergangenen Jahres vorgeworfen, die Verteilung von Kondomen durch eine Partnerorganisation in Myanmar nicht unterbunden zu haben, und forderte ihn damals auf, von seinem Amt zurückzutreten, was auch der Wunsch von Papst und Vatikan sei. Dieses Gespräch hatte am 6. Dezember in Gegenwart des Kardinalpatrons Raymond Leo Burke stattgefunden. Boeselager wies die Vorwürfe zurück und rief ein Ordensgericht gegen seine Amtsenthebung an. Als Papst Franziskus den Fall durch eine fünfköpfige Vatikan-Kommission untersuchen ließ, verweigerte Festing öffentlich die Zusammenarbeit des Ordens, was zum Rücktritt des Briten führte.

Dass Franziskus nun den Substituten des Staatssekretariats zu seinem Delegaten für den Malteserorden ernannt hat, ist ein klares Zeichen dafür, dass der Papst nicht mehr mit dem Kardinalpatron, seinem eigentlichen Vertreter beim Orden, zusammenarbeiten möchte. In dem Ernennungsschreiben an Becciu wird Kardinal Burke nicht einmal genannt, auch in einem vorigen Schreiben des Papstes an die Interims-Ordensleitung taucht dessen Namen nicht mehr auf. Eigentlich war es bisher die Aufgabe des Kardinalpatrons, die spirituelle Ausrichtung des Malteserordens zu bestimmen und die Beziehungen des Ordens zum Heiligen Stuhl zu pflegen.

Gegenüber Journalisten erklärte Baron Boeselager in der vergangenen Woche, er sei damals im Dezember von Festing und Burke gebeten worden, auch auf den Wunsch des Vatikans zurückzutreten. „Es hat sich aber herausgestellt“, so Boeselager, „dass dieser Wunsch nicht existierte. Das war auch der Grund, aus dem der Heilige Stuhl sich der Sache angenommen hat.“ Festing sei bei seiner Auseinandersetzung mit dem Vatikan offensichtlich „schlecht beraten“ gewesen, kommentierte Boeselager die weiteren Vorgänge. Es habe „Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Ordensregierung“ gegeben, die letztlich ausschlaggebend für die Krise und seine Absetzung gewesen seien. Die gesamte Führungsriege des Ordens sei jedoch mit einigen personellen Entscheidungen Festings nicht einverstanden gewesen. So habe der Großmeister Ernennungen teils „ohne Rücksicht auf die Ordensverfassung“ vorgenommen, erklärte der Großkanzler. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Festing wiederum sei unterblieben, weil weder er, Boeselager, noch andere Mitglieder der Ordensleitung eine Grundlage dafür in der Ordensverfassung gesehen hätten. Der Malteser-Großkanzler meinte weiter, er sei Papst Franziskus dankbar für sein Vorgehen, das zu einer raschen Lösung der Krise beitragen habe. Der Papst habe die während der Krise immer wieder betonte Souveränität des Ordens unangetastet gelassen, so der Baron. Nun gelte es, neues Vertrauen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Orden zu schaffen.