Malaysische Christin gewinnt „Allah“-Prozess

Kuala Lumpur (DT/KNA) In einem neuerlichen „Allah-Fall“ haben Malaysias Christen einen juristischen Sieg errungen. Ein Gericht in Kuala Lumpur erklärte am Montag die Beschlagnahmung von acht CDs mit dem Wort „Allah“ als Bezeichnung für Gott in malaysischer Sprache als rechtswidrig, wie malaysische Medien berichteten. Nur der Innenminister persönlich dürfe eine solche Maßnahme anordnen. Im Fall der Klägerin Jill Ireland Lawrence Bill habe jedoch 2008 lediglich ein Beamter des Innenministeriums die Beschlagnahme der CDs verfügt. „Es gibt keine Bestimmung, die einem Minister erlaubt, seine Ermessensspielräume an Beamte zu delegieren“, zitierten die Medien Richterin Zaleha Yusof. Die Richterin habe die sofortige Rückgabe der CDs an die Klägerin, eine 33 Jahre alte Christin vom Ureinwohnerstamm der Melanau, verfügt. Die Melanau leben im malaysischen Teil der Insel Borneo. Vor vier Wochen hatte die katholische Kirche Malaysias einen jahrelangen juristischen Streit um den Gebrauch des Wortes „Allah“ in ihrer Wochenzeitschrift „The Herald“ verloren. Ein Bundesgericht wies den Einspruch des „Herald“ gegen das Allah-Urteil eines Berufungsgerichts vom Oktober 2013 zurück. In dem Urteil hatte es geheißen, der Gebrauch des arabischen Wortes für Gott „Allah“ sei kein „integraler Bestandteil des Glaubens und der Praxis der Christen“. Somit stelle ein Allah-Verbot „keine wie auch immer geartete Beschränkung von Verfassungsrechten dar“. Zudem könne der christliche Gebrauch des Wortes „Allah“ unter Muslimen zu „Konfusion“ führen und so den Verfassungsgrundsatz der Harmonie gefährden. Der Gebrauch des arabischen Wortes „Allah“ durch Christen war in den vergangenen Jahren von der Regierung sowie von konservativen islamischen Gruppen politisiert worden. Auf der Basis des Urteils beschlagnahmte im Januar die Islambehörde bei einer Razzia in den Büros der nationalen Bibelgesellschaft mehrere hundert Bibeln in malaiischer Sprache. Etwa sechzig Prozent der 29 Millionen Malaysier sind Muslime.