Märtyrerinnen von Angers

Zum Gedenktag der seligen Marie-Anne Vaillot und Odile Baumgarten am 1. Februar. Von Katrin Krips-Schmidt

Der feste Wille und der unerschütterliche Glaube der Vinzentinerinnen Marie-Anne Vaillot und Odile Baumgarten wurden ihnen zum irdischen Verhängnis, denn auch sie entkamen nicht der Kirchenverfolgung während der Französischen Revolution. Die beiden Frauen erlitten am 1. Februar 1794 das Martyrium und wurden 200 Jahre später, gemeinsam mit weiteren 97 Gefährten – den Märtyrern von Angers – am 19. Februar 1984 von Papst Johannes Paul II. zur Ehre der Altäre erhoben.

Odile Baumgarten wurde 1750 im lothringischen Gondrexange geboren. Marie-Anne Vaillot kam 1734 in Fontainebleau auf die Welt. Beide waren als Angehörige der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul im Hospital St. Jean in Angers im Westen Frankreichs tätig. Dieses Krankenhaus, eines der ältesten Frankreichs, wurde 1175 von König Heinrich II. von England zur Sühne für die Ermordung des heiligen Thomas Beckets erbaut. Saint-Jean wurde 1640 das erste Spital der Barmherzigen Schwestern, die sich auch in den Wirren der Revolution aufopferungsvoll um ihre Kranken kümmerten.

Doch seit 1791 verstärkte sich der Druck auf die Ordensgemeinschaft. Zwei Dinge verlangten die Revolutionäre von den Schwestern: Sie sollten den Eid auf die Verfassung leisten, der seit Oktober 1793 auch für weibliche Orden obligatorisch wurde, und ihr Ordensgewand als Zeichen dafür ablegen, dass sie der neuen Regierung untertan seien. Die Schwestern weigerten sich. Schließlich seien sie weder öffentliche Amtsträger noch Lehrerinnen, deshalb betrachteten sie sich von einem staatlichen Eid entbunden. Außerdem täten nur ihren Dienst an den Armen, für die sie in ihrer Ordenstracht leichter erkennbar seien. Doch der Einspruch half nichts. Die Schwestern wurden gezwungen, ihren Habit abzulegen. An ihrer neuen Kopfbedeckung mussten sie nun die Nationalkokarde tragen, einen kreisförmigen Aufnäher als Erkennungszeichen der Revolutionäre.

In einem Brief an die Schwesternhäuser schrieb die Generaloberin: „Tun Sie alles in Ehrlichkeit, was man von Ihnen in den gegenwärtigen Umständen verlangt, außer es richtet sich gegen die Religion, die Kirche und das Gewissen“.

Es sollte alles noch schlimmer kommen, denn den Schwur auf die Zivilkonstitution wollten die Schwestern keinesfalls leisten – auch wenn sie wussten, was ihnen bevorstand. Schließlich nahmen drei Nonnen den Eid an – 37 blieben jedoch standhaft. In der Nacht des 11. November 1793 wurde die Kathedrale von Angers gebrandschatzt, die Statuen zerstört und die Gräber entweiht. Die Revolution tilgte das Weihnachtsfest aus ihrem neuen Kalender, an diesem Tag fand keine Messe statt. Da man weiterhin Druck auf die übrigen Schwestern ausüben wollte, wurden Marie-Anne und Odile am 21. Januar 1794 verhaftet und einem Richter vorgeführt, der die beiden Frauen zum Tod durch Erschießen verurteilte. Am Morgen des 1. Februar wurden die Ordensschwestern mit mehr als 200 anderen Gefangenen vom Gefängnis zu ihrem Richtplatz geführt und hingerichtet.

„Von der Tiefe ihres Glaubens gaben schließlich ganz besonders auch die letzten Augenblicke des Lebens dieser Märtyrer Zeugnis. Einige sangen auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte Hymnen und Psalmen; andere ersuchten um einige Minuten, um das Opfer ihres Lebens darzubringen, was sie dann mit solcher Inbrunst taten, dass sogar ihre Henker darüber erstaunt waren“, sagte Johannes Paul II. in seiner Ansprache zur Seligsprechung die unerschrockenen Märtyrer von Angers.