Love is in the air

„Wir konnten bisher nicht kirchlich heiraten. Unsere Kirche ist nämlich kaputt.“ Von Rudolf Gehrig

Love is in the air

„Wir konnten bisher nicht kirchlich heiraten. Unsere Kirche ist nämlich kaputt.“ Es war dieser Satz, der scheinbar ausreichte, dass das Paar Paula Podest und Carlos Ciuffardi am 18. Januar von Papst Franziskus getraut wurde. Es klingt wie in einem Märchen: Beide arbeiten zufällig als Stewards in jenem Flugzeug, das das Oberhaupt der Katholischen Kirche bei seiner Apostolischen Reise durch Chile von A nach B bringen soll. Sie kommen ins Gespräch mit dem Heiligen Vater und es stellt sich heraus, dass beide nicht kirchlich verheiratet sind. „Wollt ihr heiraten? Dann machen wir das jetzt“, sagt der Papst und das Paar gibt sich im Flugzeug vor Gott und durch die Assistenz seines Stellvertreters das Jawort. Sie hatten sich vor zehn Jahren auf der Arbeit kennengelernt und zwei Jahre später standesamtlich geheiratet. Kurz vor der geplanten kirchlichen Trauung kam es 2010 in Chile jedoch zu einem Erdbeben, das auch die für die Trauung vorgesehene Kirche zerstörte. „So verschoben wir den Termin immer weiter nach hinten, begannen zu arbeiten und bekamen unsere Töchter.“

Nicht nur die Medien berichteten begeistert von der „Spontan-Trauung“. Erzbischof Paglia, Großkanzler des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II. für Ehe und Familienwissenschaften meinte: „Der Papst ist so sehr von der Bedeutung des Ehesakraments überzeugt, dass er sozusagen keine Zeit verloren hat.“ Tags darauf sickerte die Meldung durch, dass die Hochzeit so spontan gar nicht gewesen sei, immerhin habe das Paar bereits im Dezember einer chilenischen Zeitung angekündigt, sie hofften auf eine Trauung durch Papst Franziskus im Flugzeug.

Als ich ein paar Tage später zu einem Freund fuhr, der im Sommer heiraten wird, war ich mir immer noch nicht sicher, was ich von der Flugzeug-Trauung halten soll. Mein Freund hatte mich zu seinem Trauzeugen bestimmt und wenn ich mir ansehe, wie intensiv er und seine Verlobte sich auf die Hochzeit vorbereiten, nötigt mir das größten Respekt ab.

Im Fall der beiden Stewards kann jedoch niemand in die Herzen der Menschen sehen und deren Haltung zu den Sakramenten beurteilen. Einige sind der Meinung, dass die mediale Aufmerksamkeit andere Menschen dazu motivieren wird, das Sakrament der Ehe neu für sich zu entdecken und zu verstehen, dass es bei einer kirchlichen Hochzeit nicht um die Inszenierung einer Show geht. Andere behaupten genau das Gegenteil.

Beten wir dafür, dass mehr Menschen den Mut finden, sich auf das Sakrament der Ehe einzulassen. Und beten wir dafür, dass es nach acht Jahren bald wieder möglich sein wird, in Chile ein funktionstüchtiges Kirchengebäude zu finden, in denen heiratswillige Paare getraut werden können.

Der Autor, 24, arbeitet beim katholischen Sender EWTN in Köln