Literatur in Kürze: Meditationen zum Antlitz des Herrn: Spiegel der Liebe Christi: Spanische Malerei: Bewegende Bilder: Pastoralbrief zum Jubiläumsjahr: Heiliges Jahr in Santiago

Die Liturgie der Kartage rückt das geschundene Antlitz Christi ins Blickfeld. Wie reich die Heilige Schrift an Aussagen über das Antlitz des Gottessohnes ist, dokumentiert mit Akribie das kürzlich von dem Kölner Diözesanpriester Klaus-Peter Vosen veröffentlichte Betrachtungsbüchlein „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“. In Kurzmeditationen geht der Autor auf biblische Aussagen ein und schlägt Brücken zum zeitgenössischen Betrachter. Dass das Antlitz Christi nicht ein Gesicht unter vielen ist, sondern uns „sowohl mit der Hoheit Gottes als auch mit der Würde des Menschen“ konfrontiert, ist das Leitmotiv der geistlich dichten und zugleich historisch profunden Texte. Ohne die Bitterkeit des Karfreitagsleidens Jesu zu relativieren, führen die Betrachtungen dem Leser doch den Glanz des österlichen Triduums vor Augen: „Der Erlöser selbst wendet uns offen sein Gesicht zu. Gottes Rettungswille steht fest; er hat ihn uns, er hat sich uns selbst offenbart. Gott spielt mit den Menschen nicht Katz und Maus“. Das Antlitz des Heilandes, der nach grausamen Leiden von den Toten auferstand, versinnbildlicht auch die Hoffnung der Christen auf den Sieg über ihre Bedrängnis und wird so zum Therapeutikum gegen die Angst.

Mehrmals verweist der Autor auf die Kirchenlehrerin Theresia von Lisieux, die das heiligste Antlitz Christi in ihrem Ordensnamen trug „Theresia vom Kinde Jesu und vom Heiligsten Antlitz“. In seinen Erläuterungen über die Frömmigkeit der heiligen Karmelitin wird der missionarische Charakter jeder echten Christusfreundschaft deutlich: Passion als Leiden und Leidenschaft für die Rettung der Menschen. Ein gelungene Einstimmung in die Kar- und Ostertage und zugleich eine geistliche Vorbereitung für alle, die in diesem Jahr das Grabtuch Christi in Turin verehren wollen. reg

Eine bemerkenswerte Schau in der Londoner National Gallery hat kürzlich unter dem Titel „The Sacred made real“ hochrealistische Kunstwerke spanischer Meister des 17. Jahrhunderts gezeigt. Vor allem die Gemälde zeugen von der Ausdruckskraft und religiösen Dichte der spanischen Malerei und Skulptur im Goldenen Zeitalter. Die Auftraggeber standen meistens im Dienst der Kirche und wollten die Gläubigen überzeugen und innerlich bewegen. Vor allem die Passionsdarstellungen Christi sind in ihrer Dramatik kaum zu überbieten. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Vergleiche zwischen Kruzfixen Francisco de Zurbarán (1598–1664), Francisco Pacheco (1564–1664), Juan Martínez Montanes (1568–1649) und Diego Velázquez (1599-1660) und die polychromen Skulpturen des Schmerzensmannes. Der ausgezeichnete englischsprachige Katalog bietet die seltene Gelegenheit, religiöse Meisterwerke der beiden Gattungen Malerei und Skulptur zu vergleichen. reg

Unter dem Titel „Pilger des Glaubens und Zeugen des auferstandenen Christus“ schreibt der Erzbischof von Santiago de Compostela, Julián Barrio Barrio, einen Pastoralbrief zum Heiligen Jakobusjahr 2010, der sich über die Diözesangrenzen hinaus an alle Christen richtet, die sich als Pilger auf dem Glaubensweg wissen. Ein Muss für Jakobusverehrer. DT/pd