Lieblingsjesuit des Papstes

Zur Aufnahme Peter Fabers in das Verzeichnis der Heiligen. Von Thomas Jansen

Vatikanstadt (DT/KNA) Es war ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art, das der Papst sich selbst und der Kirche gemacht hat: Am Dienstag erklärte Franziskus den Jesuiten Peter Faber (1506–1546) zum Heiligen. Es war ihm offenbar ein Herzensanliegen, gilt der französische Ordensmann doch als sein „Lieblingsjesuit“ und „Lebensvorbild“. Der erste Gefährte des Ordensgründers Ignatius von Loyola (1491–1556) kann als erster Heiliger des neuen Pontifikats gelten, zumindest in einem weiteren Sinne. Denn die im Mai vom Papst zur Ehre der Altäre erhobenen Persönlichkeiten hatte Franziskus noch von Benedikt XVI. übernommen. Und sonst hatte Franziskus bislang nur eine Frau zur Heiligen erklärt, die Italienerin Angela von Foligno.

Wer war dieser außerhalb seines Ordens weitgehend unbekannte Jesuit, der Franziskus nach eigenem Bekunden so stark geprägt hat? Faber, am 13. April 1506 im französischen Le Villaret unweit von Genf geboren, ist ein Jesuit der ersten Stunde: Als einziger Priester im Kreis zelebrierte er 1534 auf dem Montmartre in Paris die Messe, in der Ordensgründer Ignatius von Loyola und seine ersten Gefährten jenes Gelübde ablegten, das die Grundlage für die spätere Gesellschaft Jesu bildete. Der neue Heilige war zudem „der erste Jesuit in Deutschland“. 1540 begleitete er den kaiserlichen Gesandten Pedro Ortiz im Auftrag von Papst Paul III. zum Reichstag nach Worms. Faber traf auf ein Land, dass durch die Reformation religiös tief gespalten war und eine katholische Kirche, die sich in einem oft desolaten Zustand befand. So schrieb er 1541 an Ignatius: „Gäbe Gott, dass in jeder Stadt zwei oder drei Priester zu finden wären, die weder im Konkubinat noch in anderen stadtbekannten Sünden lebten“. Während seiner Zeit in Deutschland gab Faber Exerzitien und wirkte als Seelsorger, vor allem in den Bistümern Köln und Mainz. Nach einem Zwischenspiel in Spanien kam er 1542 an der Seite von Kardinal Giovanni Morone abermals nach Deutschland und nahm unter anderem an Religionsgesprächen mit Vertretern des Protestantismus teil. Faber setzte sich für Toleranz und Milde gegenüber den Protestanten ein. Kaum vierzig Jahre alt, starb der Jesuit am 1. August 1546 auf dem Weg zum Konzil von Trient in Rom.

Was fasziniert Franziskus an Faber? Dieser habe den „Dialog mit allen, auch mit den Fernstehenden und Gegnern“ gesucht, sich durch „schlichte Frömmigkeit, vielleicht eine gewisse Naivität“ ausgezeichnet, sagte Franziskus in seinem ersten großen Interview im September. Weiter nannte er eine „unmittelbare Verfügbarkeit“ und eine „aufmerksame innere Unterscheidung“ als beeindruckende Merkmale. Der Jesuit sei ein „Mann großer und starker Entscheidungen“ gewesen und habe es geschafft, zugleich außerordentlich sanftmütig zu sein. Sein Interviewpartner, der Chefredakteur der Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“, bemerkte hierzu: „Während Papst Franziskus die persönlichen Wesensmerkmale seines Lieblingsjesuiten aufzählt, begreife ich, wie sehr diese Gestalt für ihn tatsächlich ein Lebensvorbild geworden ist.“ Beeindruckt hat Franziskus vor allem das geistliche Merkbuch, das sogenannte „Memoriale“, das Faber im Sommer 1542 begann. In diesem Werk berichtet der Jesuit mit schonungsloser Offenheit über sein Ringen um den rechten spirituellen Weg.

Als Erzbischof von Buenos Aires ließ der heutige Papst das Buch von zwei Fachleuten ins Spanische übersetzten und kommentieren. Die Aufnahme Fabers in den Heiligenkalender soll auf persönlichen Wunsch von Papst Franziskus erfolgt sein, ist in Rom zu hören. Seliggesprochen wurde Faber schon 1872. Seither hatte sich in dieser Sache aber nicht mehr viel getan. Offenbar um den Heiligsprechungsprozess zu beschleunigen, wählte der Papst das sogenannte „gleichwertige Verfahren“ für die Aufnahme Fabers in den Heiligenkalender. Dies ist eine Art Heiligsprechung auf dem Verwaltungsweg, die keine Zeremonie erfordert. Ganz auf Feierlichkeiten verzichten will der Papst jedoch nicht: Am 3. Januar feiert er mit Vertretern der Jesuiten einen Dankgottesdienst in der römischen Mutterkirche des Ordens, „Il Gesu“.