Liebeserklärung an die Kirche

Schön schnörkellos: Elisabeth von Thurn und Taxis überzeugt mit ihrem Buch „fromm!“

Christliche Biografien sind rare Erscheinungen in der Generation der unter Dreißigjährigen. Den einen fehlt das Startkapital einer gläubigen Erziehung, andere fürchten, über der Nachfolge komme ihnen womöglich die mühsam errungene Coolness abhanden. Umso mehr lohnt sich der Blick auf die zeitgenössischen Publikationen, in denen junge Katholiken öffentlich mit dem Talent ihrer Glaubenserfahrungen wuchern.

Elisabeth von Thurn und Taxis legt in ihrem ersten Buch „fromm!“, einer Sammlung ihrer im Vatican-Magazin erschienenen Kolumnen, unprätentiös und vollkommen authentisch dar, warum junge Katholiken auch heute ihre Hoffnung auf die katholische Kirche setzen und in ihr Orientierung und Halt finden. Dabei wuchert die weltläufige Prinzessin mit dem Talent ihrer gläubigen Erziehung und entstaubt den Begriff der Frömmigkeit nach allen Regeln der Kunst.

Wacher Blick für die Schönheit des katholischen Glaubens

In 28 köstlichen Alltagsminiaturen verschmelzen Anekdoten und persönliche Betrachtungen. Frommsein ist für sie keine Frage der persönlichen Ergriffenheit oder der Gestimmtheit eines Augenblicks, sondern der grundsätzlichen Offenheit für die Schönheit des katholischen Glaubens. „Nur wo der ganze Mensch angesprochen wird, bleibt der Glaube lebendig“ schreibt Prälat Georg Ratzinger in seinem Vorwort. Zwischen Volksfrömmigkeit und feierlicher Liturgie entdeckt Elisabeth von Thurn und Taxis mit wachem Blick die vielen Pluspunkte der Kirche: „Das ist ja das Tolle an den Katholiken: Dass sie in einer immer säkularer werdenden Welt das Feierliche nicht vergessen.“

Den katholischen Glauben selbstverständlich im Alltag zu praktizieren – vom Bekreuzigen mit Weihwasser, Rosenkranzgebet über die Heiligenverehrung bis zum regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse ist die Prinzessin von klein auf gewöhnt. Das prägt. Mut zum „schrecklich schönen Beichten“ kann die Prinzessin aus Erfahrung machen, die Freuden einer anstrengenden Pilgerfahrt nach Lourdes hat sie selbst erlebt. „Ein Ort voll von Gegensätzen, an dem ich meine eigenen Sorgen völlig vergesse und die Hektik und Aufreibung des Lebens verschwindet. Wenn ich abends todmüde in mein unbequemes Bett falle, bin ich seltsamerweise ganz und gar glücklich.“ Wie ein roter Faden ziehen sich Überlegungen zum Thema Selbstüberwindung durch das Buch: Abstinenzgebote einhalten und Knien sind keine antiquierten Forderungen der Kirche, sondern geistliche Hilfen. Einer weltläufigen jungen Frau wie der Prinzessin dürften vor allem junge Leser solche Überlegungen leichter abnehmen. Ohne verletzende Ironie spießt sie Phänomene auf, über die das Gros der gläubigen Gleichaltrigen stöhnt: Die Einheitskutte am Weißen Sonntag, der „Lebkuchen- und Glühweinrausch“ zu Weihnachten oder jugendbewegte Mätzchen in der Liturgie. Wie viele junge Katholiken der „Generation Johannes Paul II.“ oder der „Generation Benedikt“ hat sie für ihre eigene Glaubenspraxis Konsequenzen aus Fehlentwicklungen innerhalb der Kirche gezogen und den Wert traditioneller Frömmigkeitsübungen wieder entdeckt. Die eucharistische Anbetung beispielsweise empfiehlt sie aus Erfahrung und weist mit gutem Grund auf den Zusammenhang zwischen stiller Anbetung und geistlicher Reife hin. Auch die lateinische Messe liebt sie unverklemmt. „Für jemanden, der viel unterwegs ist, und die heilige Messe ernst nimmt, ist die lateinische Messe jedesmal ein Heimkommen.“

Andererseits hat Elisabeth von Thurn und Taxis das Lebensgefühl vieler junger Katholiken verinnerlicht, denen die Defizite eines verkopften Christentums oft viel bewusster sind als vielen Pastoraltheologen. Ihre kindliche Freude an der Volksfrömmigkeit im Allgemeinen („man könnte sogar sagen, dass Wallfahren süchtig macht“) und der Verehrung der Gottesmutter im Besonderen („so ein enges Verhältnis habe ich sonst zu niemandem“) teilt die Prinzessin mit vielen jungen Katholiken.

Vorfreude auf die Eucharistie statt saurer Pflichterfüllung

Es gibt in diesen Texten weder schulmeisterliche Belehrungen noch sprachliche Verrenkungen im Stile zeitgenössischer Pastoraltexte. Der Weg in der katholischen Kirche ist nicht mit unerfüllbaren Forderungen gepflastert und kein Privileg geistlicher Überflieger. Christliche Nachfolge setzt eher tägliche Aufmerksamkeiten liebender Gottsucher voraus. Elisabeth von Thurn und Taxis beschreibt sie originell und in der Sprache ihrer Generation, ohne in den Jugendjargon abzurutschen. Wer sich auf die heilige Messe freuen kann „wie auf ein köstliches Stück Kuchen“ und beobachtet hat, dass Leid „ein unumgänglicher Teil des Lebens“ bleibt, auch wenn die Gesellschaft Abtreibung, Scheidung und Sterbehilfe toleriert, hat genug Lebens- und Glaubenserfahrung, um Vorurteile über die angebliche Weltfremdheit der Katholiken auszuräumen. Der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, bilanziert in seinem Nachwort treffend: „Dieses Büchlein aus der Feder einer ,Jet-Set-Prinzessin‘ belegt eindrucksvoll, dass die Religion ihre Verdrängung in die Privatsphäre überwunden hat und wieder zur ,public religion‘ geworden ist. (..) Diese Texte (...) machen Mut und zeigen sehr eindringlich: Katholisch ist das Gegenteil von spießig.“ Auch aus diesem Grund ist das Buch ein Muss für Religionslehrer und Firmlinge.