Liebe auf katholisch

Eine „Tagespost“-Umfrage zur Vermittlung der Natürlichen Familienplanung in deutschen Bistümern. Von Katrin Krips-Schmidt

Schmetterlinge im Bauch und Frühlingsgefühle sind der Anfang. Für die Fortsetzung des Lebens zu Zweit findet sich in der Lehre der Kirche mehr als man ihr oft zutraut. Foto: Symboldpa
Schmetterlinge im Bauch und Frühlingsgefühle sind der Anfang. Für die Fortsetzung des Lebens zu Zweit findet sich in der... Foto: Symboldpa

Dass die Ehelehre der katholischen Kirche auf einem soliden Fundament ruht und nicht so leicht ins Wanken zu bringen ist, hat nach den jüngsten Einlassungen des Erzbischofs von Berlin, Kardinal Woelki und des Augsburger Weihbischofs Florian Wörner, die sich beide für eine bessere Vermittlung der kirchlichen Sexualethik aussprachen, soeben höch- ste Bestätigung durch Papst Franziskus gefunden. Vorstößen – selbst von bischöflicher Seite aus – die kirchliche Sexualmoral zu modifizieren und damit zu relativieren, hat der Heilige Vater mit seinem Lob für Papst Paul VI. und dessen Enzyklika Humanae vitae soeben eine Absage erteilt, denn, so Franziskus: Seine „Genialität war prophetisch, er hatte den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen, die moralische Disziplin zu verteidigen, eine kulturelle Bremse zu ziehen. Die Frage ist nicht die, die Lehre zu ändern, sondern in die Tiefe zu gehen und es so zu machen, dass die Seelsorge den Situationen Rechnung trägt und dem, was für die Menschen zu tun möglich ist.“

Deutlicher geht es nicht. Die Lehre bleibt bestehen, sie muss nur richtig kommuniziert werden. Papst Paul VI. wandte sich in seinem Rundschreiben vor allem an die christlichen Eheleute, an Priester und Bischöfe. „Die Tagespost“ fragte bei den einzelnen Diözesen nach: Was tun sie dafür, den Auftrag der Kirche in die Praxis umzusetzen? Im Besonderen geht es dabei um die Frage, ob, wie und in welchem Umfang auf die Natürliche Familienplanung (NFP), der nach katholischer Lehre als einzig zulässiger Form der Empfängnisregelung, mit welchen Maßnahmen aufmerksam gemacht wird. Welche Rolle spielt die NFP in der Ehevorbereitung und welche Erfahrungen machen die Paare, die an einer Beratung oder einem NFP-Kurs teilgenommen haben?

Die Natürliche Familienplanung wurde als „Methode“ unter dem Markenzeichen „sensiplan“ Anfang der achtziger Jahre von der Deutschen Bischofskonferenz für alle Diözesen eingeführt. Mit der offiziellen Koordination für Deutschland wurden von der DBK die Malteser beauftragt. Die Kurse und Beratungen zur Natürlichen Empfängnisregelung (NER), die angeboten werden von dem – durch den „Erfinder“ der sympto-thermalen Methode Josef Rötzer gegründeten – Institut für Natürliche Empfängnisregelung (INER), führt (neben NFP) zum Beispiel die Erzdiözese Köln durch.

Bei einer Umfrage unter den 27 Bistümern (mehr als zwei Wochen nach Start der Befragung lag das Ergebnis aus Hamburg noch nicht vor) konnten alle bis auf Münster, Magdeburg und Aachen einen Ansprechpartner für NFP benennen – Limburg verweist die Ratsuchenden auf die Nachbardiözese Köln. Da das Thema Natürliche Familienplanung im Bistum „derzeit nicht angefragt“ werde, habe man diesbezüglich auch keine Angebote, ließen etwa die Stelle „Kommunikation Presse Öffentlichkeitsarbeit“ des Bischöflichen Generalvikariats Aachen und auch die Bistümer Osnabrück und Hildesheim verlautbaren, und in Münster ist NFP nach Aussage der Pressestelle noch nicht einmal Thema in der Ehevorbereitung. In den Ehevorbereitungskursen wird andernorts in der Regel jedoch auf NFP aufmerksam gemacht. Zudem erfährt man in einigen Diözesen durch Faltblätter über die Einzelberatungen und Kurse, die von den Beraterinnen, manchmal sind es auch Paare, zum Teil im Rahmen der Katholischen Erwachsenenbildung und seltener – wie im Bistum Regensburg – auch über die Volkshochschule durchgeführt werden.

Gut aufgestellt ist das Bistum Dresden-Meißen mit dem einzigen NFP-Zentrum Deutschlands, das in ein Krankenhaus, dem St. Elisabeth-Krankenhaus in Leipzig, eingebunden ist. Dieses Zentrum gibt neben den Einzelberatungen Seminare in der Volkshochschule, im Geburtshaus in einer frauenärztlichen Praxis sowie in der Pflegeschulausbildung. Im letzten Jahr wurden in Dresden dreizehn NFP-Beraterinnen ausgebildet.

Ähnlich positiv stellt sich die Situation in den Bistümern Augsburg, Bamberg, Regensburg, Würzburg, Stuttgart-Rottenburg, München-Freising, Köln und Eichstätt dar. Einige Ordinariate teilten die Anzahl ihrer Beraterinnen mit: 20 Berater/innen gibt es in Stuttgart-Rottenburg, 25 in Regensburg und zwölf in Freiburg. Unterstützung findet sich teilweise auch unter Ärzten. So sendet das Bistum Regensburg den Gynäkologen regelmäßig Infomaterial zu, diese wiederum schicken ihre Patientinnen in die NFP-Beratung, so die Auskunft des NFP-Beauftragten des Bistums, Diakon Sebastian Aichner.

In der Erzdiözese Freiburg wird das Thema NFP bereits in der Priesterausbildung behandelt: die Natürliche Familienplanung ist einer der regulären Ausbildungsinhalte, wenn sich die Priesteramtskandidaten mit der Ehevorbereitung beschäftigen. Darüber hinaus werden bereits Schulkinder im MFM-Projekt („MFM – My Fertility Matters“) mit dem weiblichen Zyklus und in diesem Zusammenhang auch mit der Natürlichen Familienplanung bekannt gemacht – so beispielsweise in den Diözesen Augsburg und Passau. In Passau gibt es seit 1999 das Projekt, das sich an Mädchen und Jungen der fünften Schulklassen wendet und dort seit zehn Jahren erfolgreich an Schulprojekttagen vermittelt wird. In Freiburg bildet das MFM-Programm seit einigen Jahren den Schwerpunkt der NFP-Arbeit. Jährlich nehmen daran fast über zweitausend Mädchen und über tausend Jungen teil, obwohl sie je zwanzig Euro für den Workshop bezahlen müssen.

Auch das auf dem christlichen Menschenbild basierende Jugendprojekt Teen- Star führt in die Grundlagen der körperlichen Bedingungen von Mann und Frau ein und sensibilisiert damit bereits Jugendliche für eine ganzheitliche christliche Sicht von Fruchtbarkeit und Sexualität.

Wie informieren sich Frauen und Paare außerhalb der „Ehevorbereitungskurse“, die nichts oder nur wenig über die Natürliche Familienplanung wissen? Wenn sie bei den Internetauftritten der Bistümer fündig werden wollen, machen sie unterschiedliche Erfahrungen. Nur etwa die Hälfte der Ordinariate informiert auf ihren Seiten über ihre Beratungsangebote, und nur wenige liefern sachgemäße, ausführliche Auskünfte und vor allem – aktuelle Termine. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die vorbildlichen Webpräsenzen der Diözesen von Augsburg, Eichstätt und Köln, die nicht nur die Methode selbst vorstellen, sondern auch noch die Beraterinnen (teilweise sogar mit Foto) sowie kommentierte Literaturtipps und weiterführende Links für Ratsuchende bieten.

So unterschiedlich die einzelnen Bistümer Organisation, Planung und Weiterverbreitung von NFP handhaben – eines ist ihnen gemeinsam: Die Erfahrungen, die die Beraterinnen, Kursleiter und Seelsorger mit der Weitergabe an Informationen machen, sind durchgängig positiv. Alle angesprochenen Stellen, die sich ausführlicher zu diesem Themengebiet äußerten, gaben die begeisterten Rückmeldungen der von ihnen beratenen Personen und der Seminarteilnehmer wieder.

Weshalb besteht überhaupt Beratungsbedarf und warum interessiert man sich auch in nicht-kirchlichen Kreisen für die natürliche Art der Empfängnisregelung? Viele Frauen stehen nach jahrelanger Einnahme der Pille einer weiteren Hormonbehandlung oft skeptisch gegenüber. Die Methode sei also aus „gesundheitlichen Gründen interessant“. Doch nicht nur das. Angelika Schmitt, zuständig für den Fachbereich NFP in der Erzdiözese Bamberg, betont, dass „NFP weit mehr als eine Methodenvermittlung ist. Sie steht für eine Sexualität der Achtsamkeit und Wertschätzung des eigenen Körpers. Sexualität und Fruchtbarkeit werden in engen Zusammenhang gebracht.“ Weshalb die Kirche als einziger Anbieter ein „Alleinstellungsmerkmal“ habe. Junge Frauen und Paare hätten oft „ganz nebenbei“ erfahren, dass die katholische Kirche diese Methode unterstützt und fördert. Sie seien überrascht gewesen. Die Erfahrungen der Frauen, wie sie vom stellvertretenden Pressesprecher in Augsburg Nicolas Schnall geschildert werden, spiegeln die partnerschaftliche Dimension einer Umstellung auf die Natürliche Familienplanung wider: „Nicht selten erzählen Frauen, die vorher hormonelle Verhütungsmittel angewandt haben, dass nach dem Absetzen der Hormone ihre bis dahin ständigen Kopfschmerzen verschwunden sind oder dass sie seitdem wieder Libido verspüren. Paare berichten von positiven Auswirkungen auf ihre Partnerschaft durch das dadurch angestoßene Gespräch über ihre gemeinsame Fruchtbarkeit. Es sei manchmal zwar eine Herausforderung, aber auch eine Chance zur Kultivierung ihrer Sexualität, wenn sie in der fruchtbaren Zeit ihre gegenseitige Liebe anders als durch die geschlechtliche Vereinigung ausdrücken müssen, da sie keine weitere Schwangerschaft verantworten können.“ Und auch Männer berichteten, „dass sie ihren Frauen durch das Wissen um die Auswirkungen des Zyklusgeschehens mehr Verständnis entgegenbringen können.“

Bei einer aktiven Vermittlung lässt sich zudem lokal eine deutliche Zunahme an Paaren, wie im Bistum Stuttgart-Rottenburg, feststellen, die interessiert sind, mit Hilfe von NFP eine möglichst günstige Zeit für eine Empfängnis zu ermitteln. Viele Paare suchen eine Beratung wegen Kinderwunsches auf. Übrigens nehmen an den von der Kirche angebotenen Kursen nicht nur katholische Frauen und Paare teil, das Angebot steht allen Interessierten offen. Auch diese äußern sich „hochzufrieden“, so Bernhard Kellner, Leiter der Pressestelle des Erzbistums München. „Die Erfahrung zeigt, dass Frauen, die einmal umgestiegen sind, sich nicht mehr vorstellen können, zur hormonellen Verhütung zurückzugehen“, fasst die Beauftragte für NFP, Kirsten Danelzik, die positiven Reaktionen im Bistum Würzburg zusammen.

Fazit: In jenen Diözesen, in denen „mangels Nachfrage“ NFP nicht aktiv propagiert wird und es daher auch keine Angebote – weder als Beratung noch in Kursen – gibt, lautet die Schlussfolgerung seitens der diözesanen Ordinariate: „es besteht kein Interesse“ – ein bedenklicher Zirkelschluss. Ganz anders liegt der Fall dort, wo die Natürliche Familienplanung als eine „missionarische Aufgabe“ verstanden und engagiert beworben und betrieben wird – vornehmlich in den Bistümern Bayerns. Auch wenn der „Umweg“ zunächst über den Wunsch nach einer „natürlichen“ Lebensweise gehen mag, bestätigt das nur, was die katholische Kirche mit Humanae vitae den Menschen bietet: eine prophetische Sicht auf dessen ganzheitliches Wesen, um „verantwortete Elternschaft“ im Einklang mit der Schöpfungsordnung zu leben. Diese Mission beherzter anzugehen, liegt in der Hand jedes einzelnen Bistums.