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Klaus Küng, Österreichs dienstältester Diözesanbischof, bot dem Papst seinen Rücktritt an. Von Stephan Baier

Bischof Klaus Küng. Foto: KNA
Bischof Klaus Küng. Foto: KNA

Für schlampige Verhältnisse ist Bischof Klaus Küng nicht zu haben, weder im Theologischen noch im Pastoralen, und auch nicht im Praktischen. Das mag ein wenig damit zu tun haben, dass er Vorarlberger ist, und dass ein Alemanne auch nach vielen Jahren in Wien, Rom und St. Pölten doch immer ein Alemanne bleibt. Es mag auch damit zu tun haben, dass er Mediziner ist und nach der Promotion 1964 in Wien zwei Jahre als Arzt arbeitete. Es mag schließlich damit zu tun haben, dass seine geistliche Heimat das Opus Dei ist, dem er noch als Medizinstudent 1961 als Numerarier beitrat und dessen österreichischer Regionalvikar er von 1976 bis 1989 war. Ein höchst nüchterner Sinn für das Präzise, für Pflichterfüllung, Verantwortung und Arbeit kennzeichnen, verbunden mit einem verlässlichen Gedächtnis, den mittlerweile dienstältesten Diözesanbischof Österreichs. Und so ist es auch kein Zufall, dass er – dem Kirchenrecht entsprechend – dem Papst seinen Rücktritt präzise zum 75. Geburtstag an diesem Donnerstag anbot. Dass Papst Franziskus diesen Rücktritt mit vergleichbarer zeitlicher Präzision annehmen wird, damit ist – wie in kompetenten Kirchenkreisen gemunkelt wird – eher nicht zu rechnen.

Klaus Küng wird an der Spitze der Diözese St. Pölten wohl so lange dienen, wie es der Papst ihm abverlangt. Eine übertragene Aufgabe von sich aus hinzuwerfen, den bequemeren Weg zu suchen oder gar eigenen Wünschen den Vorrang vor übernommener Verantwortung zu geben, ist seine Sache nicht. Dabei spürte er in den 26 Jahren im Bischofsamt mehr als einmal scharfen Gegenwind: Zunächst, als Johannes Paul II. ihn 1989 zum Diözesanbischof von Feldkirch (geografisch deckungsgleich mit dem Bundesland Vorarlberg) ernannte, und sich manche im „Ländle“ mit einem Opus-Dei-Bischof nicht abfinden wollten. Der Widerstand gegen Bischofsernennungen war im katholischen Milieu Österreichs damals, nach den Ernennungen von Hans Hermann Groer zum Wiener Erzbischof (1986), Kurt Krenns zum Wiener Weihbischof (1987) und Georg Eders zum Erzbischof von Salzburg (1989) gerade in Mode. Und von dieser Mode wurde nun auch Österreichs ferner Westen erfasst.

Im Jahr 2004, als er Vorarlberg längst befriedet hatte, wurde Bischof Küng neuerlich ins Krisengebiet geschickt: Die Diskussion um die Zustände im Priesterseminar von St. Pölten – von Pornovideos und praktizierter Homosexualität war die Rede – war außer Kontrolle geraten. Klaus Küng wurde auf Drängen des Wiener Kardinals Christoph Schönborn zum Apostolischen Visitator bestellt und zweieinhalb Monate später zum Diözesanbischof von St. Pölten ernannt. In den elf Jahren seither sei es seine Aufgabe gewesen, „eine Spaltung zu überwinden und Frieden zu stiften“, sagt er heute. Und insgesamt, im Rückblick auf 26 Bischofsjahre, zunächst in Vorarlberg und später in Niederösterreich: „Ich wusste, dass es mir viel abverlangen wird, und ich stehe auch heute noch dazu. Es war nicht immer leicht, zeitweise war es sogar sehr schwer, aber ich habe auch viel Schönes erlebt.“

Weit über den Raum seiner beiden Diözesen hinaus hat sich Bischof Küng als Experte für bioethische Fragen und als unermüdlicher Verteidiger von Ehe und Familie einen Namen gemacht. In der christlichen Familie sah er zu keinem Zeitpunkt ein Auslaufmodell, sondern unbeirrt „ein großes Hoffnungszeichen für die Gesellschaften Europas“.

Um die „Hauskirche“ zum Mittelpunkt der Pastoral zu machen sowie die christliche Vision des Miteinanders von Mann und Frau leuchten zu lassen, war ihm kein Weg zu weit, kein Publikum zu bedeutungslos, kein Widerstand zu unüberwindlich. Klaus Küng kennt aus seiner seelsorglichen Praxis die menschlichen Dramen und Tragödien, die auf das Konto einer hemmungslosen Selbstverwirklichungsmentalität, einer medial propagierten Patchwork-Ideologie samt vermeintlicher Liberalität gehen – und kämpft darum umso leidenschaftlicher für das Modell, das ihm wahrhaft human, menschengemäß und glückverheißend scheint.

Dass die Österreichische Bischofskonferenz zur jetzt anstehenden Familien-Synode in Rom nicht ihn, sondern seinen früheren Pastoralamtsleiter und heutigen Nachnachfolger auf dem Bischofsstuhl in Feldkirch delegiert hat, war darum nicht bloß eine Überraschung, sondern doch auch ein Affront. In den Fragen rund um Ehe und Familie – wie auch beim Lebensschutz am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens – werden drei Charaktereigenschaften Küngs besonders klar sichtbar: Präzision, Beharrlichkeit und Leidenschaft. Wo er in der Schlacht, die um Ehe und Familie gesellschaftlich wie kirchlich tobt, seinen Standort gewählt hat, daran gab und gibt es nicht den geringsten Zweifel. Dass er seine Position zu jeder Zeit auch argumentieren kann, ist ebenso bekannt.