Lefevbrianer: Keine „positive“ Antwort Fellays

Rom (gho) In Rom gibt es weiterhin mehr Gerüchte über eine mögliche Versöhnung zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Piusbruderschaft als gesicherte Nachrichten über den genauen Stand der Einigungsgespräche. Nachdem die Kommission „Ecclesia Dei“ am Mittwoch mitgeteilt hatte, dass eine Antwort des Generaloberen der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, auf die „lehrmäßige Präambel“ eingetroffen sei und Vatikansprecher Federico Lombardi SJ diese Antwort als einen „Schritt vorwärts und einen ermutigenden Vorgang“ bezeichnet hatte (DT vom 19. April), warnte das Generalhaus der Piusbruderschaft im schweizerischen Menzingen vor allzu überzogenen Erwartungen. Zu Medienberichten, denen zufolge Fellay dem Vatikan eine „positive Antwort“ gegeben habe und dass als Konsequenz daraus die lehrmäßige Frage zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft gelöst sei, hieß in noch am Mittwoch in einer Presseerklärung der Leitung der Bruderschaft: „Die Realität sieht anders aus.“ In einem Schreiben vom 17. April 2012 habe der Generalobere der Bruderschaft lediglich auf den Wunsch der Klärung geantwortet, der ihm am 16. März von Kardinal William Levada, dem Präfekten der Glaubenskongregation und Präsidenten der Kommission „Ecclesia Dei“, unterbreitet worden sei. Dabei handele es sich um jene „lehrmäßige Präambel“ vom 14. September 2011, die der Vatikan Fellay zur Unterschrift vorgelegt hatte. Der Text dieser Antwort, so heißt es in der Erklärung aus Menzingen weiter, werde nun von der Glaubenskongregation geprüft und anschließend dem Urteil des Heiligen Vaters unterbreitet. „Es handelt sich also um eine Etappe und nicht um einen Abschluss“, teilte das Generalhaus mit.

Auch der genaue Wortlaut der „lehrmäßigen Präambel“, um deren Unterzeichnung durch den Generaloberen es derzeit in den Beziehungen zwischen Rom und der Bruderschaft geht, ist in Rom nicht bekannt. Medienspekulationen zufolge handelt sich um ein zweiseitiges Dokument, das unter anderem eine „professio fidei“, ein Glaubensbekenntnis enthält, das jeder ablegen muss, der ein kirchliches Amt übernehmen möchte.

Unsicher ist auch, ob die Glaubenskongregation noch in den kommenden Tagen, wie von Vatikansprecher Lombardi angedeutet, oder erst im Mai über die Antwort des Generaloberen Fellay beraten wird. Auch Gerüchten, die Bruderschaft könne bei einer Wiedereingliederung in die katholische Kirche den kirchenrechtlichen Status einer Personalprälatur erhalten, wird von einigen Beobachtern widersprochen. Personalprälaturen – von denen es in der Kirche bisher nur eine gibt, und zwar das Opus Dei – seien eine Rechtsfigur des neuen Codex des kirchlichen Rechts von 1983. Dieser Codex sei aber eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Piusbruderschaft ablehne, weswegen für sie auch der Status einer Personalprälatur nicht in Frage komme, weil die Übernahme dieser Rechtsform als Anerkennung des neuen Kirchenrechts und damit auch des Zweiten Vatikanums verstanden werden könne. Das aber sei ein Eindruck, den die Bruderschaft in jedem Fall vermeiden wolle.