Lebenskunde auf hoher See

Erstmals nach Reform Militärseelsorger an Bord der „Gorch Fock“

Flensburg (DT/KNA) Erstmals nach der Neukonzeption der Kadettenausbildung geht nun ein Militärseelsorger an Bord der „Gorch Fock“. In den kommenden drei Wochen leistet der katholische Flensburger Militärdekan Michael Gmelch (53) Dienst auf dem Segelschulschiff der Bundesmarine, wie er am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.

Nach zwei tödlichen Unfällen an Bord und Kritik an den Schulungsmethoden war die Ausbildung Ende 2010 unterbrochen worden. Seit Ende November ist die „Gorch Fock“ wieder auf See und ankert derzeit bei den Kanarischen Inseln. Dort erteilt Gmelch den Kadetten den vorgeschriebenen Lebenskundlichen Unterricht. Zudem feiert er mit ihnen und der Stammbesatzung Gottesdienste und steht für seelsorgliche Gespräche zur Verfügung. Der Priester bedauerte, dass es für die Militärseelsorger bislang keine eigene Koje auf dem Großsegler gebe, weil dies beim Bau vor 54 Jahren nicht vorgesehen worden sei. Deshalb sei er in einem Hotel an Land einquartiert und komme für die Zeit der Segelvorausbildung an Bord, solange das Schiff im Hafen von Las Palmas liege. Es sei aber geplant, dass er in einigen Monaten auch eine Zeit lang mit auf Fahrt gehe. Gmelch traf bereits mit den Offiziersanwärtern und -anwärterinnen zusammen. Viele von ihnen hätten erst vor kurzem das Abitur abgelegt. Nun lebten sie an Bord unter kargen Bedingungen auf engstem Raum, und es herrsche ein lauter Ton. „Sie werden richtig hart rangenommen, schon deswegen rechne ich mit Anfragen nach seelsorglichen Gesprächen“, so der Militärseelsorger.

Nach dem neuen Ausbildungskonzept sollen künftig häufiger als bislang abwechselnd der katholische und der evangelische Militärseelsorger an der Marineschule Flensburg-Mürwick die Kadetten an Bord begleiten.