Kurze Dialoge an der Donau

Bei der Frühjahrsvollversammlung in Regensburg mühen sich die deutschen Bischöfe um Zusammenhalt. Von Regina Einig

Erzbischof Robert Zollitsch äußerte sich sehr angetan über den Dialogprozess. Foto: KNA
Erzbischof Robert Zollitsch äußerte sich sehr angetan über den Dialogprozess. Foto: KNA

Regensburg (DT) Einen halben Tag früher als üblich sind die deutschen Bischöfe am Donnerstag von ihrer Frühjahrsvollversammlung in Richtung Heimat aufgebrochen. Die Tagesordnung hatte sich dem Vernehmen nach als mäßig ergiebig erwiesen. Brisante Themen wie die Zukunft des Weltbild-Konzerns und die von Österreich derzeit nach Süddeutschland überschwappende Pfarrer-Initiative „Aufruf zum Ungehorsam“ waren erst gar nicht auf die Agenda gesetzt worden. Gänzlich ausklammern ließen sie sich nicht. So pochen die Bischöfe beim Weltbildkonzern nun nicht mehr auf den im November beschlossenen Verkauf, sondern wollen auch einen Umbau in eine Stiftung prüfen. Der Gedanke, auf den Verkaufserlös möglicherweise verzichten zu müssen, fällt manchem Gesellschafter schwer. Von Plänen, wie das Geld ausgegeben werden könnte, war am Rande der Vollversammlung jedenfalls häufiger die Rede als von Strategien, wie die bundesweit einmalige Vertriebsstruktur des Weltbild-Konzerns im Sinne der Neuevangelisierung genützt werden könnte.

In puncto Medien hat die deutsche Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren Wert auf Institutionen gelegt: Bei der Investition in das Bonner Medienhaus etwa, auch mit der ad experimentum für drei Jahre eingerichteten „Clearingstelle Medienkompetenz“ an der katholischen Hochschule Mainz. Denkbar wäre für einige Weltbild-Gesellschafter, Verkaufserlöse in ein weiteres Medienhaus zu investieren.

Ähnlich disparat wie in der Causa Weltbild sind die Erwartungen und Zielvorstellungen beim bundesweiten Dialogprozess. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Katholischen Frauen Deutschlands (kfd) haben wenige Monate nach der Auftaktveranstaltung in Mannheim demonstriert, welche Eigendynamik in dem Dialogprozess steckt. Ihre Forderung, den Diakonat der Frau einzuführen, betrachten viele Gläubige als reine Machtfrage ohne Aussicht auf geistliche Tiefenwirkung. Kardinal Reinhard Marx hatte dem Ansinnen im Vorfeld der Frühjahrsvollversammlung eine Absage erteilt und gibt damit „die offizielle Meinung der deutschen Bischöfe wieder“, erklärte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch in der Pressekonferenz am Donnerstag. „Inwieweit in einer anderen Form von Diensten dann spezifische Dienste für Frauen noch kommen können, ist eine Frage der weiteren Entwicklung. Das ist durchaus drin“, so der Freiburger Oberhirte wörtlich. Beim nächsten überdiözesanen Dialogtreffen – geplant am 14. und 15. September in Hannover – solle dieses Thema jedoch nicht im Fokus stehen.

Pro und Kontra haben in den vergangenen Wochen alte Gräben in den Diözesen vertieft: Im Bistum Augsburg beispielsweise planen Gläubige an diesem Wochenende eine „Kirchenumarmung“, um gegen die geplante Pfarreienneuordnung zu protestieren.

In mehreren bayerischen Bistümern sympathisieren Teile des Klerus offen mit der österreichischen Pfarrer-Initiative „Aufruf zum Ungehorsam“. In drei Bischofsstädten sind bereits Treffen geplant. Gruppen wie „Passauer Priester im Dialog“ wünschen sich „eine ergebnisoffene Diskussion“ und greifen damit ein heute unüberlegt wirkendes Schlagwort des Dialogprozesses auf. Zündet die Pfarrer-Initiative in Deutschland, dürfte ihr die geballte mediale Aufmerksamkeit sicher sein. Mehrere Bischöfe haben sich vor und während der Vollversammlung darum bemüht, die Fixierung auf Reizthemen aufzubrechen. So hatte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann in seinem Fastenhirtenwort hervorgehoben: „Unsere Bemühungen werden nur dann zum Ziel führen, wenn sie ganzheitlich eingebunden sind in die Glaubensgrundlagen der ganzen Kirche.“ Und der Eichstätter Hirte Gregor Maria Hanke erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, der Dialogprozess solle ein geistlicher Weg sein, eine Vergewisserung und Vertiefung des Glaubens. Natürlich, so Bischof Hanke, solle man auch über Punkte ins Gespräch kommen, die manchen Gruppen zunächst nicht einleuchten. „Aber die Zielrichtung sollte klar sein: weniger Credo, das kann es nicht sein. So zu tun, als ob alles diskutabel und veränderbar sei hieße letztlich, den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Über den Glauben kann man nicht ohne Glaubenswissen sprechen. Ohne eine gemeinsame Lektüre des Katechismus kommen wir nicht aus.“

Angesichts der unübersehbaren Meinungsvielfalt bemühte sich der Vorsitzende in seiner Abschlusserklärung offensichtlich darum, auch jene geistlich einzubinden, die beim Dialogprozess von Anfang den Bezug zum kirchlichen Lehramt und zur Weltkirche vermissten und ihn als zu einseitig an deutschen Befindlichkeiten ausgerichtet empfanden. So will man das Wort des seligen Johannes Paul II. von der „Zivilisation der Liebe“ in das Jahresthema „Diakonia“ integrieren. In dem von Papst Benedikt XVI. mit Blick auf das Konzilsjubiläum angekündigte Jahr des Glaubenserkennen die Bischöfe „für uns als Kirche in Deutschland eine Ermutigung, den Weg des Glaubens nach vorne zu beschreiten“. Der nachdrücklichen Empfehlung des Heiligen Vaters zur Katechismuslektüre mochte man sich nicht kollektiv anschließen. Auch über die „Missio Metropolis“ fiel kein gemeinsames Wort. Sie als bloß diözesane Angelegenheit zu betrachten entspräche allerdings nicht der Absicht des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Dieser will mit der Initiative auf das weltweite Jahr des Glaubens aufmerksam machen. Zugleich soll die „Missio Metropolis“ einen Impuls für die Bischofssynode im Oktober in Rom geben, deren Thema die Neuevangelisierung ist.

Zwölf europäische Metropolen – darunter Frankfurt am Main – sind beteiligt. Am Vorabend des fünften Fastensonntags hält der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Katechese. Zur Vigil wird es ein besonderes Angebot für Jugendliche geben. Eucharistische Anbetung und Beichtgelegenheit stehen ebenfalls auf dem Programm.

Darüber hinaus soll das Markusevangelium gelesen werden – ein Programmpunkt, den Frankfurt mit den anderen an der „Missio Metropolis“ beteiligten europäischen Diözesen gemeinsam hat. Am Sonntag zelebriert Bischof Tebartz-van Elst einen feierliches Hochamt im Frankfurter Bartholomäusdom. Am Ende soll es mit dem Schlusssegen auch eine Sendung an verschiedene Orte der Stadt geben, an denen sich die Kirche besonders der Armen annimmt. Auf diese Weise solle die Brücke zwischen Caritas und Mission geschlagen werden, erklärte der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Gespräch mit dieser Zeitung.

Verbindet das Gros der Bischöfe mit den Themen Dialogprozess und „Jahr des Glaubens“ zwar unterschiedliche Ziele, aber immerhin eigene Vorstellungen, so überwiegt Ratlosigkeit mit Blick auf die Zukunft der katholisch-theologischen Fakultäten. Hier fordern die demografische Entwicklung und sinkende Kirchenbesucherzahlen seit Jahren Tribut. Für ein theologisches Vollstudium entscheiden sich immer weniger Studenten. Innerhalb von fünfzehn Jahren hat sich ihre Zahl halbiert auf etwa 2 200. Ohne die vielerorts üppig wachsende Zahl der Senioren bliebe mancher Hörsaal nahezu leer. Unvermeidliche Folge ist die sinkende Zahl der Promotionen und Habilitationen. Demgegenüber steigt der Anteil der Lehramtskandidaten. Zwanzig katholisch-theologische Fakultäten stehen in Deutschland zur Auswahl. Doch ist derzeit kein deutscher Bischof bereit, die Schließung seiner theologischen Fakultät offen in Erwägung zu ziehen, auch wenn sie unvermeidlich sein dürfte. Für Bayern etwa wird erwartet, dass langfristig München, Würzburg und Eichstätt Bestand haben.

Der Vorsitzende der Kommission für Wissenschaft und Kultur, Bischof Heinrich Mussinghoff, wollte die Schließung von Fakultäten nicht ausschließen und sprach sich dafür aus, renommierte theologische Institute mit einem Spezifikum zu erhalten – als Beispiel nannte er das Kanonistische Institut in München.

Auch der Bolognaprozess kann den Trend bisher nicht ausgleichen. Weder sind die Studenten mobiler geworden noch lässt sich das heimische Defizit durch Austauschstudenten kompensieren. Angesichts dieser Entwicklung geriet Mussinghoffs Kommentar zum Theologenmemorandum 2011 zur Randnotiz: Bei einem Gespräch mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, sei man übereingekommen, nicht auf Sanktionen, sondern auf Gespräche mit den Unterzeichnern zu setzen. Über deren Ergebnisse verlautete in Regensburg nichts.